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Aus Schnapsidee wird Kuchenlikör

In seiner Feinbrandmanufaktur in Marbach stellt Eric Brabant Hochprozentiges her. Oft hat er dafür außergewöhnliche Ideen.

In seiner Feinbrandmanufaktur in Marbach stellt Eric Brabant Hochprozentiges her.
In seiner Feinbrandmanufaktur in Marbach stellt Eric Brabant Hochprozentiges her. © Dietmar Thomas

Striegisthal. Wie schmeckt ein Likör, der aus Kuchenresten hergestellt worden ist? Diese Frage können diejenigen beantworten, die vor Weihnachten das Glück hatten, in den Filialen der Bäckerei Körner einen solchen Likör zu erwerben. Entstanden ist der begehrte Likör sozusagen aus einer Schnapsidee.

Patrick Seyffarth von der Bäckerei Körner und Eric Brabant von der gleichnamigen Feinbrandmanufaktur waren der Meinung, etwas gemeinsam herstellen zu wollen. „Dann kam uns die Idee, dass wir einen Kuchenbrand herstellen könnten“, sagte Eric Brabant.

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Patrick Seyffahrt fror nicht verkaufte Kuchenstücke ein und brachte sie zur Feinbrandmanufaktur in Marbach. Dort kamen sie in ein Fass und wurden vergoren. „Was dabei entstanden ist, könnte man als dicke Brühe bezeichnen. Die wurde dann gebrannt“, erzählt der Marbacher.

Da er aus Kuchen keinen Brand herstellen darf, wohl aber Likör, wurde dem ganzen noch Sahne zugemischt. Es entstand Körners Kuchenlikör. „Ihr Gaumen wird mit einem vielschichtigen Geschmack aus Quark, Schokolade und Frucht verführt. Lassen sie sich dieses einmalige Geschmackserlebnis nicht entgehen“, preist Patrick Seyffarth den Likör an. Der wurde zunächst nur in einer kleinen Menge abgefüllt. „Der Likör fand großen Zuspruch. Deshalb wurde eine größere Menge angesetzt, die demnächst abgefüllt wird“, sagte Eric Brabant.

Patrick Seyffarth von der Bäckerei Körner präsentiert Körners Kuchenlikör.
Patrick Seyffarth von der Bäckerei Körner präsentiert Körners Kuchenlikör. © Dietmar Thomas

Das ist nicht das erste und einzige Experiment, dass der gelernte Tischler aus Marbach versucht und zum Erfolg gebracht hat. So ist zum Beispiel auch der „Striegi“, ein Kräuterlikör, entstanden.

„Der Bürgermeister unserer Gemeinde Striegistal Bernd Wagner hatte in den alten Bundesländern den Schnaps ‚Striegistaler Wanderdoping‘ herstellen lassen, da wir ja ein Wandergebiet sind“, so Eric Brabant. Die Gaststätten entlang des Tales boten diesen Schnaps an, den die Gemeinde besorgte. Irgendwann wurde das zu viel und der Bürgermeister wandte sich an den Inhaber der Feinbrandmanufaktur. Der nahm die Herausforderung, einen „Wanderschnaps“ herzustellen, an.

Allerdings sollte es nicht irgendein Kräuterlikör sein, sondern ein besonderer – ohne Aromen und fertige Essenzen, dafür mit frischen Kräutern. Und die baut Familie Brabant im Garten vor dem Haus an. Auch wenn getrocknete Kräuter die Basis des Likörs bilden, so stellt der Chef der Manufaktur oberhalb der Brennblase einen frischen Aromakorb unter anderem aus Engelwurz, Blutwurz, Pfefferminze und Zitronenmelisse zusammen. „Das ergibt einen tollen und einzigartigen Geschmack für den Kräuterlikör“, so Brabant.

Der Striegi ist ein beliebter Kräuterlikör. Auch wenn getrocknete Kräuter die Basis des Likörs bilden, so stellt der Chef der Manufaktur oberhalb der Brennblase einen frischen Aromakorb unter anderem aus Engelwurz, Blutwurz, Pfefferminze und Zitronenmelis
Der Striegi ist ein beliebter Kräuterlikör. Auch wenn getrocknete Kräuter die Basis des Likörs bilden, so stellt der Chef der Manufaktur oberhalb der Brennblase einen frischen Aromakorb unter anderem aus Engelwurz, Blutwurz, Pfefferminze und Zitronenmelis © Dietmar Thomas

Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht – zunächst neben seiner Arbeit und seit August vergangenen Jahres hauptberuflich. Die Produkte von Eric Brabant heben sich durch ihre besonderen Zutaten und Lagerbedingungen von denen seiner Mitbewerber ab. Bei ihm ist alles in Handarbeit entstanden.

Die Brände, Liköre und der Whisky haben seinen Aussagen zufolge „Wiedererschmeckungswert“.„Mein erster Single Malt Whisky war ein ganz fruchtiger“, erzählt er. 2016 setzte er das Getreide für seinen ersten Whisky an. Im März 2017 wurde dieser gebrannt. „Ich brenne in traditioneller Weise mit zweifacher Destillation.“

Das Besondere: Brabant verwendet zusätzlich Aromamalze. „So kann man schon im Vorfeld bestimmen, in welche Richtung das Aroma gehen soll.“ Gelagert wurde der Whisky drei Jahre lang in einem besonderen Fass bei Raumtemperatur. „Für den Kauf der Fässer verwende ich viel Energie und Kraft“, sagte der Marbacher.

Er hat konkrete Vorstellungen. So müssen vorher darin extra potente Sachen gelagert worden sein, damit das Holz der Fässer ein besonderes Aroma abgibt. „Ich verwende die Fässer nur ein Mal, so Brabant. Ostern 2020 war sein erster Whisky fertig und begeisterte viel Fans. Neben dem sogenannten Fassmanagment ist es Brabant wichtig, auch regionale Zutaten zu verwenden. Für den Single Malt Whisky importiert er zwar Getreide aus England.

Weil die Feinbrandmanufaktur an der Rosentalstaße in Marbach ihr Domizil hat, trägt sie den Namen "Rose Valley". Erik Brabant bietet ein breites Portfolio an.
Weil die Feinbrandmanufaktur an der Rosentalstaße in Marbach ihr Domizil hat, trägt sie den Namen "Rose Valley". Erik Brabant bietet ein breites Portfolio an. © Dietmar Thomas

Für seine Kornbrände aber bekommt er das Getreide vom Bundessortenamt in Nossen, sozusagen direkt über den Berg. Dabei verarbeitet der Marbacher Hafer, Emmer, Buchweizen, Weizen und Roggen vom Bundessortenamt.

Auch die Früchte stammen aus der Region. Dafür kooperiert er mit Landwirten und Besitzern von Streuobstwiesen. „Vom Obstgut Seelitz bekomme ich Äpfel und Birnen, die auf den Punkt gereift sind. Bei Birnen sind oft drei Tage entscheidend. Ich benötige sie, wenn ihre Farbe von grün auf gelb umschlägt. Dann fangen sie an zu duften, und der Stiel lässt sich leicht herausziehen, so Brabant.

Eine Kooperation gibt es auch mit dem Sachsenforst. Von diesem bekommt der Marbacher das Fruchtfleisch der Wildkirsche, der Elsbeere oder der Vogelkirsche. Diese Sorten werden ebenfalls zu Bränden verarbeitet. Neben diesen stellt der Marbacher unter anderem auch Gin, Absinth, Amaretto und Honigbrand her.

Dienstags und donnerstags ist der Shop der Feinbrandmanufaktur geöffnet. Die prozenthaltigen Köstlichkeiten gibt es aber auch im Online-Shop, im DA-Treffpunkt am Niedermarkt in Döbeln und bei ddv- lokal, dem Online-Shop der Sächsischen Zeitung.
Dienstags und donnerstags ist der Shop der Feinbrandmanufaktur geöffnet. Die prozenthaltigen Köstlichkeiten gibt es aber auch im Online-Shop, im DA-Treffpunkt am Niedermarkt in Döbeln und bei ddv- lokal, dem Online-Shop der Sächsischen Zeitung. © Dietmar Thomas

„Ich habe einen Aufruf an die Imker in der Region gestartet. Die Resonanz war riesig. Im letzten Jahr habe ich 500 Kilogramm Honig verarbeitet. Der ist seit kurzen zum Brennen zugelassen“, sagte Brabant.

Er sei ein praktischer Typ. In den vergangenen Jahren habe er sich viel Wissen angeeignet und viel experimentiert, auch wenn mal was schief gehe. Er stellt nicht nur Brände und Liköre unter seinem Firmennamen Rose Valley her. Brabant übernimmt auch Kundenaufträge unter anderem für das Dresdner Kaffeestübchen, Georg Bliedung aus Chemnitz oder Gourmetspirits aus Berlin.

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