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"Die Wehren waren immer einsatzfähig"

Mittelsachsens Kreisbrandmeister Tommy Kühn kennt die Not der Feuerwehren. Deren Netz wird bald umstrukturiert.

Von Maria Fricke
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Tommy Kühn hat im Juni das lange unbesetzte Amt des Kreisbrandmeisters in Mittelsachsen übernommen. Zuvor war er bereits als Mitarbeiter im Bereich Brandschutz am Landratsamt tätig.
Tommy Kühn hat im Juni das lange unbesetzte Amt des Kreisbrandmeisters in Mittelsachsen übernommen. Zuvor war er bereits als Mitarbeiter im Bereich Brandschutz am Landratsamt tätig. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Gerade einmal 30 Jahre alt und seit Juni Mittelsachsens Kreisbrandmeister. 2020 ist für Tommy Kühn aus Niederbobritzsch kein leichtes Jahr, um in dem neuen Job durchzustarten. Doch bisher habe er sich gut zurechtgefunden, sagt der Vater eines zweijährigen Sohnes im Interview. Sächsische.de sprach mit dem Feuerwehrmann über seine erste Zeit als Kreisbrandmeister, aber auch über die neue Struktur des mittelsächsischen Feuerwehrwesens.

Herr Kühn, wie haben Sie sich bisher in dem pandemiegeprägten Jahr 2020 in Ihren neuen Job eingefunden?

Ich habe mich schon gut eingelebt, wurde von Anfang an von den Kolleginnen und Kollegen sehr unterstützt. Ich habe bereits einen guten Überblick über die Aufgaben und Zuständigkeiten erhalten.

Was waren die Schwerpunkte, mit denen Sie sich bisher beschäftigt haben?

Ein großes Thema war natürlich Corona. Es gab viele Fragen von Feuerwehren und Kommunen. Um diese zu unterstützen, wurde durch das Sächsische Innenministerium, den Landesfeuerwehrverband Sachsen und die Arbeitsgemeinschaft der Kreisbrandmeister Sachsen eine gemeinsame Handlungsempfehlung erarbeitet und zur Verfügung gestellt.

Aktuell sind bis Ende Oktober die Anträge der Wehren auf Fördergeld für nächstes Jahr bei uns eingegangen. Diese gilt es nun zu bearbeiten. Die Höhe der Zuwendung vom Freistaat erfahren wir allerdings erst im kommenden Jahr. Zudem habe ich mich, wie angekündigt, mit der Einteilung des Landkreises in Inspektionsbereiche beschäftigt sowie mit den ortsfesten Befehlsstellen.

Ortsfeste Befehlsstellen? Was genau hat es damit auf sich?

Darunter ist der Sitz der Einsatzleitung zu verstehen, vor allem bei sogenannten Sonderlagen, aber auch bei punktuellen Schadenslagen größeren Umfangs.

Bei einem Sturm zum Beispiel gehen bei der Leitstelle innerhalb kurzer Zeit nicht nur zehn, sondern mitunter mehrere hundert Notrufe ein. Damit die Feuerwehren nicht bei jedem einzelnen umgestürzten Baum neu alarmiert werden, übermittelt die Leitstelle die Einsätze an die örtliche Befehlsstelle. Diese kann die Einsätze ordnen und eigenständig, durch die zur Verfügung stehenden Kräfte und Mittel, abarbeiten. Bei priorisierten Einsätzen, wie einem Wohnhausbrand, erfolgt eine gesonderte Information und Absprache mit der Leitstelle.

Viele Feuerwehren haben bereits bei früheren Schadenslagen in entsprechenden Strukturen gearbeitet. Wenn die Sonderlage beendet ist und die Einsätze abgearbeitet, erfolgt die Rückführung in den Normalbetrieb.

Wie viele ortsfeste Befehlsstellen wird es in Mittelsachsen geben?

Stand jetzt haben wir 52 ortsfeste Befehlsstellen. Es steht dabei den Gemeinden frei, mit anderen zusammenzuarbeiten und gemeinsam eine solche Stelle zu betreiben. Von Vorteil ist das zum Beispiel, wenn es personell nicht anders geht. Aber auch finanziell ergeben sich dadurch Einsparungen.

Das Konzept für die ortsfesten Befehlsstellen steht soweit fest. Ich habe es den Stadt- und Gemeindewehrleitern vorgestellt. Seit dieser Woche bis Ende Januar können die Wehren sich einen Termin mit der Leitstelle auswählen, um die festgelegten Kommunikationswege für die Befehlsstellen zu überprüfen.

Wie ist der aktuelle Stand in Bezug auf die Inspektionsbereiche?

Auch diese Planungen sind abgeschlossen und mit dem Landrat, dem Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes und den stellvertretenden Kreisbrandmeistern abgestimmt. Im Oktober konnte ich das Konzept noch den Stadt- und Gemeindewehrleitern vorstellen. Vorgesehen ist, den Landkreis in sechs Inspektionsbereiche aufzuteilen.

Der Altkreis Döbeln bleibt dabei ein Bereich. Die Region ist, die Anzahl der Feuerwehren in den Kommunen betreffend, recht übersichtlich. Im Raum Freiberg wird es zwei Inspektionsbereiche geben, drei in der Region Mittweida.

Die Einteilung richtete sich unter anderem nach der vorhandenen Struktur sowie der zahlenmäßigen Verteilung der Wehren. Im Kreis gibt es dabei Städte und Gemeinden mit nur ein bis zwei Wehren, aber auch Kommunen mit bis zu zehn Wehren. Für jeden der sechs Inspektionsbereiche wird es einen Stellvertreter geben.

Welche Vorteile hat das neue Konzept?

Ziel war es, eine kleinteiligere Struktur zu schaffen. Damit soll die Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren, dem Kreisbrandmeister und den Stellvertretern gestärkt werden. Beratungen finden zukünftig in kleinerem Rahmen statt. Dort werden auch eher Themen angesprochen als in der großen Runde. Die Aufgaben können besser auf die Stellvertreter verteilt werden.

Zurzeit herrscht eine Struktur vor, die sich vorwiegend an den Altkreisen orientiert und es sind acht stellvertretende Kreisbrandmeister im Einsatz.

Wann kommt das neue Konzept?

Spätestens zum 1. Januar 2022 soll das Konzept umgesetzt werden. Hintergrund ist, dass die derzeit amtierenden Stellvertreter bis Ende 2021 vom Kreistag bestellt sind. Die Vorbereitungen für die Ausschreibung der neuen Stellvertreter haben begonnen. Die Veröffentlichung steht zeitnah an. Dann sind Bewerbungen möglich.

Wie stark sind die Feuerwehren aktuell von den pandemiebedingten Einschränkungen betroffen?

Die Einschränkungen treffen ganz klar auch die Feuerwehren, vor allem deren Aus- und Fortbildungen. Es ist zwar grundsätzlich möglich, diese durchzuführen, aber das ist stark abhängig von den örtlichen Gegebenheiten. Die Wehren brauchen ein gutes Hygienekonzept und entsprechende Räumlichkeiten, um Abstand zu halten. Weil der Platz nicht überall vorhanden ist, haben manche Wehren ihren Dienstbetrieb auch eingestellt. Aber alle Wehren waren bisher immer einsatzfähig.

Wie sieht es mit den Jugendwehren aus?

Diese fallen unter die Corona-Schutz-Verordnung, weil sie eine Freizeitaktivität sind. Deren Dienst ist untersagt. Aber gerade für die Feuerwehren ist das nicht unerheblich, da viele zukünftige Mitglieder aus den Jugendwehren kommen. Man muss sehen, wie viele Kinder und Jugendliche noch dabei sind, wenn es wieder losgeht.

Ich kann mir aber vorstellen, dass einige Jugendwarte auch Möglichkeiten gefunden haben, online mit den Mitgliedern in Kontakt zu bleiben, ihnen etwas anzubieten. Aber eine Dauerlösung ist das nicht.

Sie sind selbst Mitglieder der Feuerwehr in Niederbobritzsch. Erlaubt ihr neues Amt Ihnen, sich noch aktiv in der Wehr zu beteiligen?

Ja, das ist weiterhin möglich. Ich bin regelmäßig zum Dienst da und, wenn ich zu Hause bin, dann auch mit beim Einsatz.

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