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Corona: Campingplätze noch mehr gefragt

Noch bis Ende Oktober geht die Campingsaison an der Talsperre Kriebstein. Die Betreiber ziehen dennoch jetzt schon eine Bilanz.

Friedhelm Werner hat seinen VW Bus mit Wohnanhänger zwei Jahre lang selbst restauriert. Nun kommt er damit zum Campen auch an die Talsperre Kriebstein.
Friedhelm Werner hat seinen VW Bus mit Wohnanhänger zwei Jahre lang selbst restauriert. Nun kommt er damit zum Campen auch an die Talsperre Kriebstein. © Dietmar Thomas

Kriebstein. Zweimal im Jahr kommt Friedhelm Werner mit seinem alten VW Bus, Baujahr 1973, samt Wohnanhänger an die Talsperre zum Campen. „Ich bin eigentlich nicht der typische Camper, aber hier ist es einfach schön, so ruhig“ schwärmt er. Auch dieses Jahr war er bereits im Sommer da und jetzt erneut für eine Woche. Er bezieht immer Quartier auf dem Campingplatz in Lauenhain, einen von insgesamt drei an der Talsperre Kriebstein.

Gleich neben ihm ist der Lauenhainer Dauercamper-Platz. Renè Müller ist einer von ihnen und bereits seit sechs Jahren da. Ursprünglich kommt er aus Chemnitz, aber an den Wochenenden genießt er besonders gern die Idylle der Talsperre.

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Immer mehr Camper seit Corona

Renè Müller ist einer der das Kommen und Gehen auf dem Lauenhainer Campingplatz ständig im Blick hat. „Die Nachfrage ist extrem gestiegen. Im Sommer ist hier immer alles voll, besonders seit zwei Jahren ist es mehr geworden.“

Durch den Beginn der Corona-Pandemie ist das Reisen ins Ausland nur noch eingeschränkt möglich. Viele steigen deshalb auf Urlaub in der Heimat um. Dafür ist Camping eine zunehmend beliebte Möglichkeit.

Auch Petra und Roland Sell gehören dazu. Noch zu DDR-Zeiten waren sie quasi „hauptberuflich Camper“, wie Roland Sell erzählt. Nach der Wende kam jedoch der Drang auf, etwas von der Welt sehen zu wollen. Nicht nur Corona hat sie jetzt eingeschränkt, irgendwie haben sie mittlerweile auch genug von der Welt gesehen. „Wir sind jetzt Rentner. Da lässt man es gern etwas ruhiger angehen“, erzählen die beiden.

Petra und Roland Sell mit ihrem Hund Marley haben das Campen wieder für sich entdeckt.
Petra und Roland Sell mit ihrem Hund Marley haben das Campen wieder für sich entdeckt. © Dietmar Thomas

Saisonhighlights ins Wasser gefallen

Das Ehepaar ist bereits das sechste Mal in diesem Jahr mit seinem Wohnmobil in Deutschland unterwegs. An die Talsperre Kriebstein kommt es aber trotzdem immer wieder gern. Petra Sells Bruder veranstaltet ein regelmäßiges Campertreffen in Lauenhain, wo sich alle wiedersehen und ein Wochenende an der schönen Zschopau genießen. „Eigentlich findet das immer zu Pfingsten statt, jetzt mussten wir es aber verschieben“, so Roland Sell.

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Der Grund dafür ist abermals die Corona-Pandemie. Deshalb konnte die Saison an der Talsperre auch erst zwei Monate verspätet beginnen, geht aber trotzdem noch bis Ende Oktober. Kerstin Schubert, Betreiberin des Campingplatzes in der Mittweidaer Aue, bedauert dies.

„Durch Corona waren nicht nur in den Anfangsmonaten nur Dauercamper da, es gab auch keine Saisonhöhepunkte“, so Schubert. Das Talsperrenfest als beliebtes Saisonhighlight musste dieses Jahr abgesagt werden.

Trotz anfänglicher Einschränkungen und wenig Veranstaltungen, kommen die Leute zum Campen an die Talsperre. „Unser kleiner Campingplatz war in den Sommerferien komplett ausgebucht“, so Kerstin Schubert. Durchschnittlich bleiben ihre Gäste zwischen drei und fünf Tagen, viele halten auch bloß auf der Durchreise an. Die günstigen Preise sind dabei häufig ein Grund zum Anhalten.

Preise könnten steigen

Renè Müller zahlt für seinen Dauercamper-Stellplatz in Lauenhain 600 Euro im Jahr. Das sei Standard, so der Chemnitzer. Für gerade einmal 50 Euro können Camper ihr Wohnmobil gleich den ganzen Winter über stehenlassen. Da dieser Zeitraum außerhalb der Saison liegt, ist es nochmals billiger.

Von diesem Angebot profitiert auch Heiko Sauerborn aus Oelsnitz im Erzgebirge. Er hat für seinen Wohnwagen einen Überwinterungsplatz gesucht und ist schließlich auf dem Campingplatz Kriebstein fündig geworden. Über seinen Wohnwagen hat er zusätzlich noch ein großes Zelt aufgebaut. „Die Preise sind hier einfach sehr moderat, da war das für mich die beste Lösung.“

Heiko Sauerborn aus Oelsnitz hat seinen Wohnwagen mit einem Zelt drüber für den Winter fit gemacht.
Heiko Sauerborn aus Oelsnitz hat seinen Wohnwagen mit einem Zelt drüber für den Winter fit gemacht. © Dietmar Thomas

Ob es auch in Zukunft so günstig bleiben wird auf den Campingplätzen der Talsperre, ist ungewiss. Kerstin Schubert vom Campingplatz Mittweidaer Aue befürchtet, dass die Preise steigen könnten. „Es wird ja immer alles teurer an Strom- und Gaskosten. Da kann es sein, dass wir uns anpassen müssen“.

Kerstin Schubert denkt aber nicht, dass dies den Gästeansturm verringern würde. „Unser Campingplatz ist der perfekte Ort für Wanderer und Erholungssuchende. Das macht ihn zu etwas ganz Besonderem“, schwärmt die Campingplatz-Betreiberin. Sie rechnet deshalb in den kommenden Jahren weiterhin mit ausreichend Campern an der Talsperre Kriebstein.

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