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Endlich normales Leben im Kloster Buch

Das Jahr 2020 war eines mit vielen Abstrichen. Ähnlich ging es 2021 weiter. Jetzt ändert sich das. Die Förderer im Kloster Buch atmen auf, die Gäste ebenso.

Sandmaler Andrè Wejwoda und Keramikerin Elke Boschke gestalten 2021 die Jahresausstellung im Abthaus des Klosters Buch. Beim Bauernmarkt und folgenden größeren Veranstaltungen sind sie vor Ort und erklären interessierten Besuchern, wie ihre Arbeiten e
Sandmaler Andrè Wejwoda und Keramikerin Elke Boschke gestalten 2021 die Jahresausstellung im Abthaus des Klosters Buch. Beim Bauernmarkt und folgenden größeren Veranstaltungen sind sie vor Ort und erklären interessierten Besuchern, wie ihre Arbeiten e © Dietmar Thomas

Leisnig. An diesem Sonnabend können die Besucher des Kloster Buches einen wieder „fast normalen“ Bauernmarkt erleben. Zwar ist noch immer Abstand halten angesagt, und in den Innenräumen muss eine Mund-Nasen-Bedeckung aufgesetzt werden. Ansonsten jedoch halten sich die Einschränkungen in Grenzen.

Angesicht dieser Aussicht und niedriger Infektionszahlen in Mittelsachsen sind auch die Mitglieder des Fördervereins wieder weitgehend zur Normalität zurückgekehrt. Die Klostertore stehen zu den bekannten Zeiten offen, Besucher können sich in der Woche auf dem Gelände und in den Gebäuden umsehen. Das war bisher nicht möglich.

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Erdverbunden und naturnah

Schade, denn die Ausstellungsräume sind während der Pandemie nicht verwaist geblieben. Sowohl die im Abthaus als auch die im Kapitelhaus sind mit interessanten Arbeiten gestaltet, und zwar von sehr experimentierfreudigen Freizeitkünstlern, wie die drei selbst von sich sagen.

André Wejwoda und Elke Boschke verbindet aber noch mehr als die Freude am Probieren. Die beiden – sie Bio-Verfahrenstechnikerin, er Germanist – waren Kollegen an der TU in Dresden, haben sich über Jahre ein Atelier geteilt. Nun gehen sie zwar in Sachen Werkstatt eigene Wege, freundschaftlich verbunden fühlen sich die zwei aber immer noch.

Das können Besucher ihrer Gemeinschaftsausstellung im Abthaus auch sehen. Denn zu einer der Arbeiten von André Wejwoda hat Elke Boschke eine Schale gestaltet, die farblich genau das wiedergibt, was auf der Collage von Wejwoda zu sehen ist. „Eine Hommage an ihn“, sagt sie mit einem anerkennenden Lächeln.

Was Raku alles sein kann

Erdverbunden – dieser treffende Titel der Ausstellung stellt genauso eine Verbindung zwischen den beiden her, wie André Wejwoda sagt. Er arbeite gern mit Sand und in seinen Collagen auch mit weiteren Materialien, die er am Strand und anderswo in der Natur findet.

Elke Broschke verwandelt Ton, also ein erdhaftes, ursprüngliches Material, zu Dekorativem wie Nützlichem. Dabei legt sie ein Faible für die Raku-Technik an den Tag. Dieser Begriff bedeutet so viel wie „Glück“, „stille Freude“ und „Wohlgefühl“. Das alles empfindet oder vielmehr sendet die Künstlerin sogar aus, wenn sie davon erzählt, wie ihre Arbeiten in Raku entstehen.

Auch André Wejwoda weiß zu begeistern, wenn er über seine Sgraffiti spricht. Das sind Sandmalereien, die sogar berührt werden dürfen, was für eine Ausstellung wirklich ungewöhnlich ist. Doch die Arbeiten, die einen 3D-Eindruck erwecken, laden geradezu ein, mit dem Finger über eine der dynamischen Erhebungen zu streichen oder die Gesichtsform nachzuempfinden.

Vor allem Porträts sind es, die Wejwoda in dieser Technik angefertigt hat. Dazu hat ihn ein portugiesischer Streetart-Künstler inspiriert. Dessen Arbeiten waren allerdings auf Häuserfassaden gefräst.

Von Häuserfassaden auf kleine Leinwände

Vor dem Dresdener Künstler stand danach also die Herausforderung, diese Fassadenmalerei auf ein kleineres, handlicheres Format zu bringen. „Dabei bin ich immer noch nicht am Ende mit dem Experimentieren“, verrät er.

Den Sand, den er verwendet, bringt er ähnlich wie Mörtel auf eine Leinwand auf. Der ist verschiedenfarbig. Was nicht benötigt wird, wird weggekratzt. Zu sehen ist dann die darunterliegende Farbschicht. In einer ähnlichen Kratzputztechnik ist die Fassade des Dresdener Residenzschlosses gestaltet.

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„Diese Sandarbeiten harmonieren in ihren warmen Farbtönen ausgezeichnet mit den Ausstellungsräumen im Abthaus“, findet Sabine Patzelt vom Förderverein. Sie freut sich, dass die Künstler sich bereiterklärt haben, jetzt am Wochenende zum Bauernmarkt und dann bei späteren Großveranstaltungen ins Kloster zu kommen, um mit Besuchern über ihre Arbeiten zu sprechen, mehr über Sandmalereien und die Raku-Technik zu erzählen.

Jana Guttes Arbeiten unter der Überschrift "Jahreslauf" sind noch bis Ende August im Kapitelhaus des Klosters zu sehen. Am Samstag ist die Künstlerin auch vor Ort um mit Gästen zu sprechen und Skizzen für neue Arbeiten anzufertigen.
Jana Guttes Arbeiten unter der Überschrift "Jahreslauf" sind noch bis Ende August im Kapitelhaus des Klosters zu sehen. Am Samstag ist die Künstlerin auch vor Ort um mit Gästen zu sprechen und Skizzen für neue Arbeiten anzufertigen. © Dietmar Thomas

Jana Gutte hat für Sonnabend zum Markt ebenfalls ihren Besuch angekündigt. Die gebürtige Chemnitzerin zeigt im Abthaus Zeichnungen unter der Überschrift „Jahreslauf“. Die Kita-Leiterin hat viele farbenfrohe Motive mit nach Klosterbuch gebracht. Über die will sie mit den Besuchern ins Gespräch kommen, aber genauso auf Motivsuche für neue Arbeiten gehen. Jana Gutte habe, was ihr Hobby betrifft, ebenfalls schon viel experimentiert. Am wohlsten fühle sie sich mittlerweile, wenn sie Pinsel und Acrylfarben zur Hand nimmt.

Wieder Führung, Andacht und viel Musik

Auch beim „Drumherum“ zum Bauernmarkt und bei weiteren Angeboten kehrt ein Stück Normalität ins Kloster zurück. „Wir bieten am Sonnabend um 14 Uhr wieder eine Führung durch die Klosteranlage an, bitten dafür allerdings um eine Voranmeldung“, sagt Sabine Patzelt.

Bereits um 12 Uhr erwartet Pfarrer Lutz Behrisch Gäste zu einem Mittagsgebet in der Gutskapelle. Diese „kleine Auszeit“ konnte es coronabedingt in den vergangenen Monaten nicht geben. Verschoben werden muss die Turmuhrführung. Die nächste wird es am 14. August geben.

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Nicht zuletzt wartet auf die Bauernmarkt-Besucher noch eine musikalische Überraschung. Franziska Krivjansky aus Westewitz wird ein kleines Unplugged-Konzert geben. Mit ihrer Band Coffeeshop gewann sie vor ein paar Jahren den Wettbewerb „Bandclash“ in Dresden.

Das folgende Wochenende 17./18. Juli steht dann ebenso im Zeichen der Musik im Kloster. Am 26. Juli veranstaltet der Förderverein dann den ersten kreativen Sommerferientag 2021.

Weitere Informationen zu den Angeboten im Kloster Buch unter Telefon 034321/68592 oder im Internet

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