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In Leisnig gibt's Luft für platte Fahrradreifen

Der Mulderadweg wird attraktiver. Seit Freitag gibt’s am früheren Bahnhof einen zweiten Grund, aus dem Sattel zu steigen.

Verena Daser und Romy Rehde demonstrieren, wie die Reparaturstation genutzt werden kann. Drei Mal gibt es entlang des Mulderadweges dieses Selbsthilfeangebot – seit Freitag nun auch in Leisnig am ehemaligen Bahnhof.
Verena Daser und Romy Rehde demonstrieren, wie die Reparaturstation genutzt werden kann. Drei Mal gibt es entlang des Mulderadweges dieses Selbsthilfeangebot – seit Freitag nun auch in Leisnig am ehemaligen Bahnhof. © Dietmar Thomas

Leisnig. Vor ein paar Monaten hatten Radtouristen wenig Anreiz, in Leisnig Station zu machen. Die meisten hielten kurz in Fischendorf und warfen einen Blick auf das Felsmassiv, auf dem die Burg Mildenstein thront. Dann ging’s weiter. Das muss nicht mehr so sein.

Seit Mai gibt es am ehemaligen Bahnhof Gastronomie. Wirt Andreas Schützeneder bietet Hungrigen und Durstigen, wonach sie „lechzen“: eine Stärkung und etwas Kühles zu trinken. Das war auch für zwei Männer aus Erfurt am Freitag der wichtigste Grund, am Bahnhof zu halten und sich aus dem Sattel zu schwingen.

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Die Eröffnung der Fahrradselbsthilfestation erlebten sie so nebenbei mit, während sie sich mit Suppe, Pommes und Kaffee für die nächste Etappe stärkten. Der Mulderadweg sei prima. Doch es gebe viel zu wenige Möglichkeiten, einzukehren, so ihre Meinung.

Radwegausbau in Leisnig geplant

Das neue Imbissangebot am Bahnhof ist ein Baustein, den Aufenthalt von Radtouristen auf dem Mulderadweg angenehmer zu gestalten. Das Angebot von Selbsthilfestationen ein anderer. Das sagte Projektmanagerin Kathrin Brunkhorst von der Leipzig Tourismus und Marketing (LTM). Die Gesellschaft vermarktet den Mulderadweg seit 2015 touristisch. „Die Leute sollen eine gute Zeit hier haben“, so Brunkhorst.

Aber nicht nur die Nutzer dieses Weges profitieren von dem neuen Service am Leisniger Kulturbahnhof, zu dem sich die Immobilie seit dem Besitzerwechsel vor einem Jahr entwickelt und etabliert hat.

Auch diejenigen Radfahrer, die auf der Obstlandroute unterwegs sind, können an der Selbsthilfestation halten und zum Beispiel den Sattel richten oder Luft aufpumpen.

Auch die Obstland-Radroute führt durch Leisnig. Wer die nutzt, kann sich am Bahnhof in Leisnig ebenfalls stärken und die Selbsthilfestation in Anspruch nehmen.
Auch die Obstland-Radroute führt durch Leisnig. Wer die nutzt, kann sich am Bahnhof in Leisnig ebenfalls stärken und die Selbsthilfestation in Anspruch nehmen. © Dietmar Thomas

„Der Radweg wird gut genutzt“, sagte Sandy Ronniger von der Obstland Dürrweitzschen AG. Der Obstland-Förderverein hatte sich für die Ausweisung des mehrere Landkreise verbindenden Weges engagiert und auch einen Großteil der nötigen Eigenanteile beigesteuert.

Entlang der Obstlandroute sollen noch Ladestationen für E-Bikes aufgestellt werden. Das bleibt weiterhin im Blick des Fördervereins. Allerdings tüfteln die Mitglieder gerade noch an einem anderen, interaktiven Projekt. Das soll noch mehr und vor allem junge Nutzer auf den Radweg durchs Obstland locken.

Beide Radwege sind wiederum Puzzlesteine, die Leisnig für Touristen attraktiv machen, sagte Vize-Bürgermeister Hans-Hermann Schleußner (WG) zur Eröffnung der Selbsthilfestation. Es gebe vieles, was die Stadt Besuchern bieten könne.

Als Beispiele nannte er die Burg Mildenstein, die Altstadt mit teilweise sehr liebenswerten Ecken oder die geologischen Besonderheiten der Region, die es nur in Amerika ein zweites Mal gibt. Je mehr Angebote es gebe und je besser diese vernetzt seien, desto wohler dürften sich Touristen in der Stadt und der Region überhaupt fühlen.

Der Mulderadweg besteht aus drei Teilrouten an der Zwickerauer, Freiberger und der Vereinigten Mulde. Er endet in Dessau-Roßlau. Dort fließt die Mulde in die Elbe und es gibt Anschluss an den Elberadweg.
Der Mulderadweg besteht aus drei Teilrouten an der Zwickerauer, Freiberger und der Vereinigten Mulde. Er endet in Dessau-Roßlau. Dort fließt die Mulde in die Elbe und es gibt Anschluss an den Elberadweg. © Dietmar Thomas

In puncto Radtourismus will auch die Stadt Leisnig ihren Beitrag leisten und ein schätzungsweise 300 Meter langes Wegstück parallel zur Georg-Friedrich-Händel-Straße kaufen und dann als Radweg ausbauen lassen.

Im Moment müssen Radfahrer direkt auf der Kreisstraße entlangfahren. Der ruhigere Weg am ehemaligen Güterbahnhof vorbei ist in viel zu schlechtem Zustand, als dass er empfohlen werden könnte. „Wir sind dabei, die Wegeführung zu planen“, erklärte Bürgermeister Tobias Goth (CDU) auf Nachfrage.

Danach wolle sich die Kommune für das Anlegen des Radwegstückes um Fördergeld bemühen.

Noch viel Potenzial beim Tourismus

Aber auch sonst soll sich in Sachen Tourismus in Leisnig das eine oder andere bewegen. „Wir wissen, dass wir touristisch noch eine Menge Potenzial haben.“ Da sind sich der Rathauschef und sein Stellvertreter einig. Seit einem Jahr schon haben Touristen keine Anlaufstelle mehr, das Gästeamt ist geschlossen.

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Ob sich das wieder ändert, ist im Augenblick offen. Aber: Trotz angespannter Haushaltlage und der Tatsache, dass Tourismus nicht zu den Pflichtaufgaben einer Kommune gehört, hat Leisnig Geld im Haushalt eingestellt.

Es soll sich wieder jemand um Kultur, Sport und Tourismus kümmern. Das bestätigte Hans-Hermann Schleußner am Rande des Termins am Bahnhof. Details dazu nannte er allerdings nicht.

Fahrrad-Selbsthilfe

  • Die grüne Service-Station am Leisniger Bahnhof ist reichlich 1,30 Meter hoch und direkt neben den Fahrradständern zu finden.
  • Zur Ausstattung gehören ein Reifenheber, Schraubenzieher, Inbusschlüssel, Skateboard-Tools, eine Luftpumpe sowie Adapter für alle Ventile.
  • Wer Hilfe benötigt, kann sich über einen QR-Code am Gerät Reparaturanleitungen herunterladen.
  • Mit dem Leisniger Bahnhof gibt es nun eine dritte Selbsthilfestation am mehr als 400 Kilometer langen Mulderadweg. Die erste wurde 2010 am Landgasthof Dehnitz eröffnet, die zweite im Jahr darauf auf Schloss Rochlitz.
  • Über den neuen Standort konnte auf der Homepage abgestimmt werden. Weitere Mitbewerber waren das Kloster Buch und der Döbelner Hof in Döbeln. Auf den Bahnhof Leisnig entfielen 317 von 501 abgegebenen Stimmen. Quelle: Leipzig Tourismus und Marketing

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