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Friseurin arbeitet im Impfzentrum

Linda Uhlemann hat sich für die Zeit des Lockdowns eine andere Beschäftigung gesucht. Jetzt hat sie ihre Arbeitskraft geteilt.

Linda Uhlemann ist von Beruf Friseurin. Zu Beginn des Lockdowns im Dezember hat sie eine Stelle im Impfzentrum Mittweida angenommen.
Linda Uhlemann ist von Beruf Friseurin. Zu Beginn des Lockdowns im Dezember hat sie eine Stelle im Impfzentrum Mittweida angenommen. © Lars Halbauer

Mittelsachsen. Linda Uhlemann liebt ihren Beruf als Friseurin. Sie ist froh, dass sie ihrem Handwerk jetzt wieder nachgehen kann. Jedoch hat sie noch einen Zweitjob, der für sie seit Mitte Dezember zum Haupterwerb geworden war: Linda Uhlemann arbeitet im Impfzentrum in Mittweida.

Nachdem die Friseure seit Montag wieder öffnen dürfen, arbeitet sie jeweils zur Hälfte im Haupt- und Nebenberuf. Für die Tätigkeit im Impfzentrum bringt die Marbacherin gute Voraussetzungen mit. Sie engagiert sich seit 15 Jahren ehrenamtlich, derzeit im Jugend-Rot-Kreuz, früher in der schnellen Einsatzgruppe (SEG).

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Ihre Aufgaben im Impfzentrum sind hauptsächlich organisatorischer Natur. So werden die Impfwilligen in Empfang genommen und eingewiesen. Auf Wunsch werden sie auch durch die Impfstrecke begleitet. „Gerade für ältere Mitbürger ist der Besuch im Impfzentrum mit Aufregung verbunden. Sie freuen sich auf die Impfung, wollen aber auch ein bisschen an die Hand genommen werden“, berichtet Linda Uhlemann. Auch Zuarbeiten und Auffüllen von Material gehören zu den Aufgaben.

Impfbus wird gut angenommen

Zudem begleiten Linda Uhlemann und ihre Mitstreiter die Impfteams als sogenanntes Alternativteam in die Pflegeheime der Region, um dort beim Impfen zu unterstützen. Auch beim Probelauf mit dem Impfbus in Hartmannsdorf war sie dabei. „Diese Möglichkeit wurde sehr gut angenommen. Die Gemeinde hatte das gut vorbereitet“, sagt sie. Der Zeitplan habe gut funktioniert.

„Gerade für ältere Menschen ist das eine gute Variante, spart es ihnen doch den Weg ins Impfzentrum“, so Uhlemann. Ein Mann, der sich im Bus impfen ließ, hatte schon einen Termin für Mittweida. „Er hat sich aber lieber im Testmobil impfen lassen und hat seinen Termin wieder freigegeben. Er war sehr dankbar“, so Linda Uhlemann.

Der Schritt, ins Impfzentrum zu wechseln, sei nicht so einfach gewesen. Schließlich war Linda Uhlemann schon über zehn Jahre als Vollzeitkraft in einem Hainichener Friseursalon angestellt. „Wir haben einen Aufhebungsvertrag gemacht, damit ich den Vertrag im Impfzentrum unterschreiben konnte“, erklärt die 32-Jährige.

Positive Resonanz aus dem Umfeld

Im gegenseitigen Einverständnis arbeite sie jetzt für 20 Wochenstunden wieder als Friseurin. „Es ist alles nicht so einfach. Kommt ein dritter Lockdown, darf meine Chefin für mich kein Kurzarbeitergeld beantragen. Deshalb arbeite ich jeweils 20 Stunden“, so Uhlemann. Der Vorteil an der Tätigkeit im Impfzentrum ist, dass sie ihre beiden Töchter, sechs und drei Jahre alt, in die Notbetreuung geben darf. „So können wir beide arbeiten gehen. Mein Mann ist Handwerker, uns steht keine Notbetreuung zu“, sagt sie.

Die Annahme des Jobs im Impfzentrum sei auch eine finanzielle Abwägung gewesen. „Das Kurzarbeitergeld ist doch ein deutlicher Einschnitt. Das reißt ein großes Loch, wie wir im vergangenen Jahr gespürt haben“, so Uhlemann. Dennoch sei es ein schwerer Schritt gewesen, weil die Arbeit ja doch eine völlig andere sei. „Ich habe auf meinen Bauch gehört und den Schritt nicht bereut“, sagt die Marbacherin. Die Resonanz aus ihrem Umfeld war sehr positiv.

Überhaupt würden sich in ihrem Team viele Schicksale bündeln. Zum Beispiel gehören Gastronomen dazu, die seit Monaten keine Einkünfte haben. Die Verträge seien bis zum 30. Juni befristet und würden nach Tarif bezahlt.

Anfragen nach Terminen abgewiesen

Die Termine seien straff getaktet, alle drei Minuten. „Dadurch entstehen auch Wartezeiten. An uns ist es dann, die Leute zu beruhigen.“ Spätestens, wenn alles abgelaufen sei, wären die Leute dann wieder freundlich.

Bekannte und Verwandte hätten durchaus angefragt, ob sie ihnen denn nicht einen Impftermin versorgen könne, erzählt Linda Uhlemann mit einem Schmunzeln. „Aber das ist einfach nicht möglich. Die Anmeldung läuft über das Onlineportal, das können wir nicht umgehen“, stellt sie klar.

Sollten abends noch Impfdosen übrig sein, was durchaus vorkommt, werden diese streng nach Prioritätsgruppen vergeben. „Es werden Leute gesucht, die vom Alter her mit dem Impfen dran wären, oder medizinisches Personal oder jetzt neuerdings auch Lehrer und Erzieher“, so Uhlemann. Mal eben den Kumpel anrufen, damit der eine Spritze bekommt, das gehe nicht. „Das würde ich auch nicht unterstützen.“

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