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Leisnig: Gastronom wagt Neustart im Lockdown

Musik, Kultur und jetzt auch Kulinarisches – so stellt sich der Leisniger Kulturbahnhof seit dem 1. Mai auf. Das Ende ist das noch lange nicht.

Der Bayer Andreas Schützeneder will sich in die Herzen der Sachsen brutzeln. In Leisnig startet er neu – trotz Pandemie.
Der Bayer Andreas Schützeneder will sich in die Herzen der Sachsen brutzeln. In Leisnig startet er neu – trotz Pandemie. © Lars Halbauer

Von Lars Halbauer

Leisnig. Beschwingt und gut gelaunt machen die ersten Gäste am Maifeiertag schon anderthalb Stunden vor der offiziellen Eröffnung der Gastronomie am ehemaligen Leisniger Bahnhof „lange Hälse“. Andreas Schützeneder, ein sympathischer, im bayrischen Kirchdorf am Inn geborener Gastronom, ist nun in Leisnig „gelandet“. Nicht ganz ohne Schwierigkeiten.

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„Wir wollten eigentlich mit unserem großen Verkaufswagen starten, der ist corona-bedingt nicht fertig geworden. Aber eine Brauerei hat mit einem Wagen ausgeholfen“, erzählt er. Wer dem 35-Jährigen zuhört, spürt seine Begeisterung für Lebensmittel und die Gastronomie: „Wir haben lokales Gemüse, lokales Fleisch, lokales Bier.“ Lokal könnte also sein zweiter Vorname sein – durchaus passend für einen Gastwirt, der seinen Beruf liebt.

Die Nacht vor der Eröffnung war kurz, „Ich habe zwar wenig, aber erstaunlich gut geschlafen. Gestern habe ich alle Gerichte für heute vorbereitet. Jetzt freue ich mich sehr, dass es so gut angenommen wird“, sagt der junge Mann.

Sarah Matthies (rechts) überreicht ein frisch belegtes Sandwich. Damit können sich Radler künftig stärken.
Sarah Matthies (rechts) überreicht ein frisch belegtes Sandwich. Damit können sich Radler künftig stärken. © Lars Halbauer

Aus der Spitzengastronomie zurück zu Roster und Sandwiches – so liest sich gerade die Vita von Andreas Schützeneder, der zuvor Restaurantleiter war und dann eine Baude in den Alpen gastronomisch geleitet hat. „4 ½-Sterne-Hotels, hochwertige Gastronomie – jetzt freue ich mich sehr, wieder authentische Küche zu machen. Wenn ich in Leisnig sehe, wie sich unsere Gäste über unser Angebot freuen, bin ich angekommen“, lacht er und springt zwischen Bierwagen, Grill und Kunden hin und her.

Im Minutentakt kommen die Bestellungen bei Sarah Matthies, die eigentlich Eiswürfel für die Gastronomie produziert und liefert, ein. So wie die Bestellung von Lisa Kunze aus Leisnig: „Wir verfolgen das Projekt hier auf Facebook und Instagram, das ist klasse, dass sich bei uns etwas bewegt. Da wollen wir natürlich auch mal gucken und probieren.“

Wirt und Bahnhofsteam passen wie Topf und Deckel

Zum Start gibt es eine kleine Auswahl to go: Roster, Deftiges aus dem Topf und Sandwiches. Neben Klassikern wie Mozzarella-Tomate und eine Variante mit spanischer Salami gibt es auch eine vegetarische Version mit gegrilltem Gemüse und sogar eine vegane mit Humus – ganz dem Konzept des Kulturbahnhofs angelehnt: willkommen, offen und für jeden etwas dabei.

Willkommen, das steht auch bei Kathryn Döhner und ihren drei Miteigentümern des Bahnhofskomplexes ganz oben: „Der Bahnhof soll der willkommenste und schönste Deutschlands werden. Für die nächsten zehn Jahre ist das hier unser Lebensobjekt“, umreißt sie das ehrgeizige Ziel. „Die Zusammenarbeit mit Andreas passt wie der Deckel auf den Topf. Im letzten Jahr haben wir uns kennengelernt und bei der ersten Veranstaltung gemerkt, dass es ein prima Miteinander geben wird.“

Frank, Uwe und Maik vom NVA-Verein Leisnig sind mit einem GAZ 69 unterwegs zum Kulturbahnhof Leisnig.
Frank, Uwe und Maik vom NVA-Verein Leisnig sind mit einem GAZ 69 unterwegs zum Kulturbahnhof Leisnig. © Lars Halbauer

Zu den Eröffnungsgästen gehört auch der ehemalige Landrat Manfred Graetz. „Wir können froh und dankbar sein, dass wir hier so eine realistische und motivierte Mannschaft haben, die den Bahnhof wieder beleben will!“ Lange Zeit sind solche Bemühungen im Sande verlaufen.

Andreas Schützeneder pachtet den Biergarten mit der Hoffnung, ihn nun auch bald öffnen zu können. Hier soll es dann Lesungen, Konzerte und natürlich Stärkungen für die kleine Rast der vielen Radfahrer geben, die auf dem Muldentalradweg oder der Obstlandroute am Bahnhof in Leisnig vorbeikommen. Er hat Paletten-Möbel gebaut, damit Gäste auch einmal länger verweilen können. Eingeweiht werden durften die jetzt wegen der Corona-Beschränkungen nicht.

Polizei kontrolliert Einhalten der Corona-Auflagen

Vielmehr kontrollierte die Polizei am Samstag gleich mehrfach, ob sich alle an die aktuellen Regelungen und Abstände halten. Am Mittag kamen die Beamten dazu sogar mit zwei Mannschaftswagen vorgefahren. Doch die Gastgeber hatten an alles gedacht. Zwar musste das Bahnhofsteam auch die musikalische Umrahmung und den Bands, die gern musizieren wollten, absagen. Musik gab es trotzdem, unter anderem vom Balkon aus.

Sobald es die Pandemie-Situation erlaubt, soll es jede Menge Kultur am ehemaligen Bahnhof geben. Am weiteren Konzept feilen die Eigentümer noch. Sie schauen sich parallel nach Fördermöglichkeiten um, bereiten Anträge vor und nehmen schon mal die eine oder andere Reparatur vor, um weitere Schäden von der Bausubstanz abzuwenden

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