merken
Döbeln

Gewalt gegen Frauen: Niveau in Mittelsachsen bleibt hoch

Im vergangenen Jahr sind über 500 Fälle aufgetreten. Die Ursachen sind vielfältig.

Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene).
Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene). © dpa

Mittelsachsen. Der 25. November ist im Kalender von Gleichstellungsbeauftragten und Sozialarbeitenden in den Gewaltschutzeinrichtungen besonders markiert, handelt es sich doch um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

Auch wenn die Corona- Pandemie öffentlichkeitswirksame Aktionen kaum zulässt, so verweist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Mittelsachsen, Annett Schrenk, dennoch auf die Bedeutung dieses Tages. Gewalt gegen Frauen in welcher Form auch immer, ist auch im Landkreis Mittelsachsen kein unbekanntes Thema.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Das Lagebild der Polizei vermeldete für das 2020 536 Fälle für den Landkreis – eine Zahl, die seit Jahren auf diesem Niveau stagniert. 427 Personen erfasste die Statistik als Opfer; die Mehrzahl davon sind weiblich. 78 Opfer waren noch minderjährig.

Gutes Beratungsnetzwerk ist wichtig

„Die Ursachen von Gewalt im sozialen Nahbereich sind vielgestaltig: Da spielen Überforderungen im Familienalltag, fehlende, weil nicht erlernte Strategien zur Konfliktschlichtung, Drogenkonsum genauso eine Rolle wie Eifersucht, Dominanz- und sexuelle Ansprüche. Sind die Ursachen auch unterschiedlich, die Auswirkungen sind immer gleich: Neben physischen Folgen erleiden die Opfer nicht selten auch psychische Folgen, die das Leben noch jahrelang belasten“, so Annett Schrenk.

  • Nachrichten aus der Region Döbeln von Sächsische.de gibt es auch bei Facebook und Instagram

Umso wichtiger sei daher ein gutes Netzwerk an Beratungs- und Interventionsmöglichkeiten, die Betroffene in Anspruch nehmen können. So gibt es im Landkreis Mittelsachsen mit dem Frauenschutzhaus in Freiberg ein stationäres Angebot, in dem betroffene Frauen für einen längeren Zeitraum Schutz und eine neue Lebensperspektive finden können.

Eine Beratung finden Betroffene auch bei der Interventions- und Koordinierungsstelle zur Bekämpfung häuslicher Gewalt und Stalking (Ikos) Chemnitz. Sachkundige Ansprechpersonen finden von Gewalt bedrohte Frauen und Männer auch in den Polizeirevieren des Landkreises, bei der Opferhilfe Chemnitz oder bei den ehrenamtlichen arbeitenden Mitgliedern des Weißen Rings.

Im kommenden Jahr soll der Landkreis Mittelsachsen eine eigene Interventions- und Koordinierungsstelle erhalten. Der Kreistag Mittelsachsen gab im September grünes Licht dazu. Zurzeit läuft dazu das Interessenbekundungsverfahren.

Mehr zum Thema Döbeln