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Region Döbeln: Gewalt an Oberschulen?

Zwischen 2017 und 2019 gab es fast 60 gemeldete Vorfälle an Oberschulen in Mittelsachsen. Aber was sagt diese Zahl aus?

Ein Schüler bedroht einen anderen. Auch das kann die Schulleitung dem Landesamt für Schule und Bildung melden. Im Altkreis Döbeln gab es zwischen 2017 und 2019 vier gemeldete Vorkommnisse an den Oberschulen.
Ein Schüler bedroht einen anderen. Auch das kann die Schulleitung dem Landesamt für Schule und Bildung melden. Im Altkreis Döbeln gab es zwischen 2017 und 2019 vier gemeldete Vorkommnisse an den Oberschulen. © Claudia Hübschmann

Region Döbeln. Gewalt, Drogen, verfassungsfeindliche Symbole – das sind die besonderen Vorkommnisse, die zwischen 2017 und 2019 am häufigsten von Oberschulen in Mittelsachsen den übergeordneten Behörden gemeldet worden sind. Insgesamt 58 solcher Ereignisse gab es im Zeitraum der zwei Jahre. Darüber geben die Antworten von Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) auf eine Kleine Anfrage von Rolf Weigand, Landtagsabgeordneter der AfD aus Mittelsachsen, Auskunft.

Demnach hat es 15 Ereignisse 2017 gegeben, Darunter sind auch drei Fälle von meldepflichtigen Krankheiten wie Krätze und Tuberkulose, ein Brand sowie ein Schulschwänzer. Für 2018 sind der Liste 17 Vorkommnisse zu entnehmen. Einmal ist hier die Schule wegen Schneebruchs auf das Landesamt für Schule und Bildung zugegangen, ein anderer Fall bleibt unklar. 2019 wurden 25 Vorfälle angezeigt, darunter ein Arbeitsunfall sowie ein nicht näher benanntes Ereignis.

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Aber was genau müssen die Schulen eigentlich melden? Eine spezielle Definition der „besonderen Vorkommnisse“ gibt es laut Susann Meerheim vom Kultusministerium in Sachsen nicht. Angezeigt würden unter anderem Gewaltdelikte, massive Krankheitsfälle, extremistische Äußerungen oder Symbole, Sachschäden oder Diebstähle. Was gemeldet wird, werde von den Schulleitern in eigener pädagogischer Verantwortung entschieden.

Hitlergruß und Sexismus in Hartha

Aus den Antworten auf die Kleine Anfrage von Weigand wird deutlich, dass die Schulen aus der Region kein Schwerpunkt in Sachen Gewalt und Mobbing sind. Lediglich vier der 57 Fälle haben sich an Schulen am Altkreis ereignet, drei an der Pestalozzi-Schule in Hartha, einer an der Oberschule „Am Holländer“ in Döbeln-Nord. Die Mehrheit der Vorkommnisse fand an Schulen in Freiberg, Mittweida, Frankenberg und Hainichen statt. Einzelfälle gab es zudem unter anderem an Schulen in Eppendorf, Claußnitz, Niederwiesa oder Rochlitz.

Die Schulleitung der Harthaer Bildungseinrichtung hat sich am 30. November 2018 das erste Mal an das Landesamt für Schule und Bildung gewandt. Grund war die Verwendung eines Hitlergrußes sowie Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Ende 2019 erfolgten zwei Meldungen an die übergeordnete Behörde: am 29. November wegen Sexismus und Beleidigung, am 10. Dezember wegen des Missbrauchs der Mobilfunknummer einer Lehrkraft.

Zu den einzelnen Fällen äußert sich die amtierende Schulleiterin Heike Brüssau nicht. Sie stellte aber klar, dass es keine Schüler der Schule, sondern Außenstehende gewesen seien. In den letzten beiden Fällen seien die Täter laut Kultus auch nicht ermittelt worden. Die eigenen Schüler würden präventiv auf vielfältige Weisen an die Themen herangeführt. „Wir laden uns die Polizei oder andere Berater in die Schule ein. Wenn Außenstehende zu den Themen mit den Schülern reden, dann hören diese oft besser zu, als wenn die Lehrer etwas sagen“, beschreibt Brüssau.

Zudem gebe es eine Schulsozialarbeiterin am Haus, die auch selbst präventive Veranstaltungen durchführe. In Sachen Drogenprävention arbeite die Einrichtung mit dem Deutschen Roten Kreuz zusammen, ebenso mit dem Fachkrankenhaus Bethanien in Hochweitzschen. In Klassenstufe acht stehen normalerweise, außerhalb von Pandemiezeiten, Besuche in der Klinik auf dem Plan. „Es gibt dort Gespräche mit den Ärzten.“ Von einer tendenziellen Zunahme an Drogen-, Gewalt- und Mobbingproblemen will Brüssau an ihrer Schule nicht sprechen. „Die Tendenz ist eher gleichbleibend.“

Schulausschluss nach Drogenfall

Amtskollegin Katrin Wagner von der Oberschule „Am Holländer“ in Döbeln sieht das etwas anders: „Das nimmt in der Gesellschaft schon zu und trägt sich in bestimmten Formen auch in die Schulen rein. Viel kommt auch aus den Elternhäusern.“ Zudem meint sie, sei die Perspektive heute eine andere. Schon früher habe es Rangeleien auf dem Schulhof gegeben. „Heute wird das anders ausgelegt und ist Mobbing.“

Laut dem Sächsischen Kultusministerium musste die Schulleiterin im Januar 2019 einen Schüler mit Migrationshintergrund von der Schule ausschließen, ein seltener Schritt, der nur bei wenigen Ereignissen in Mittelsachsen 2017 bis 2019 gegangen worden ist. Der Döbelner Schüler hatte gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen.

„Wir machen präventiv alles, was der Lehrplan vorschreibt und wir haben einen Schulsozialarbeiter am Haus. Es gibt klassenweise Projekte, Gespräche, Filme. Alles altersgemäß angepasst. Wir hatten schon Elternabende zu den Themen und Elternseminare“, sagt Katrin Wagner. Im Lauf der Jahre sei das präventive Angebot auch stetig ausgebaut worden. Normalerweise sorgten auch Streitschlichter in der Schule für Konfliktlösungen. Doch die zuletzt Ausgebildeten hätten die Schule als Abgänger verlassen, neue seien aufgrund der Pandemie noch nicht ausgebildet worden.

Hass und Neid unter Kindern

Die Oberschule in Roßwein kommt in der Auflistung nicht vor. Doch Schulleiter Thomas Winter macht deutlich, dass das nicht heißt, dass es an der Schule gar keine Berührungspunkte mit Gewalt, Drogen oder Mobbing gibt. „Aber das ist bei uns nicht Thema Nummer eins.“ Zugenommen haben das Mobbing, der Hass und Neid unter den Kindern. An der Schule habe es schon Fälle gegeben, dass Kinder deswegen nicht in die Schule kommen wollten. Mit den heutigen Kommunikationsmöglichkeiten gebe es für das Mobbing auch ganz andere Möglichkeiten. „Aber das ist ein gesellschaftliches Problem. Das können wir als Schule nicht lösen.“

Schulleiter Jan Genscher von der Oberschule in Waldheim legt Wert auf den frühen Kontakt zu den Eltern. In der sechsten Klasse gibt es normalerweise einen Präventionstag unter dem Aspekt soziale Medien, organisiert und durchgeführt von der Schulsozialarbeiterin sowie der Beratungslehrerin. Ergänzt wird das Angebot durch einen Informationsabend für die Eltern. „Das kam bisher immer sehr gut an.“ Zudem seien auch externe Partner, wie die Polizei, für präventive Angelegenheiten im Haus. „Natürlich gibt es auch bei uns an der Schule kleinere und größere Problemchen, aber die sind noch ganz gut zu händeln.“

Bisher ohne besondere Vorkommnisse ist auch die Peter-Apian-Oberschule Leisnig ausgekommen. „Wenn in den Klassen irgendwelche Sachen quellen, dann handeln wir sofort“, sagt Schulleiterin Kristin Dorias-Thomas. Zurzeit sei dies vor allem die Schulsozialarbeiterin, die auf die Schüler zugeht. Im vergangenen Schuljahr gab es für die Sechst- bis Achtklässler ein Projekt zum Thema Mobbing und Cybermobbing mit Experten von der Chemnitzer Polizei.

Zum Thema Sucht arbeite die Schule mit der Suchtberatungsstelle der Diakonie in Döbeln zusammen. Aufgearbeitet wurde das Thema auch mit der Polizei und deren Drogenkoffer. „Aber zurzeit sind solche Projekte nicht möglich“, bedauert Kristin Dorias-Thomas. Daher sei die Schulsozialarbeiterin in regelmäßigem Austausch vor allem mit den Fünft- und Sechstklässlern. Die Projekte kosteten die Schule oft viel Zeit, doch diese sei sehr gut angelegt.

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