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Grippe: Impfsaison geht langsam los

Die Nachfrage nach der Grippeimpfung ist höher als in den vergangenen Jahren. Die Frage ist, ob der Impfstoff reicht.

Die ersten Patienten in der Region haben sich bereits gegen Grippe impfen lassen. Viele Interessierte haben sich schon einen Termin bei den Medizinern geben lassen.
Die ersten Patienten in der Region haben sich bereits gegen Grippe impfen lassen. Viele Interessierte haben sich schon einen Termin bei den Medizinern geben lassen. ©  dpa/Ralf Hirschberger

Region Döbeln. Noch haben nicht alle Praxen in der Region mit der Grippeimpfung begonnen. Aber die Nachfrage ist da, so Dr. Petra Schneider aus Schrebitz. Mehr Leute, auch diejenigen, die sich bisher nie gegen Grippe impfen ließen, würden sich informieren. 

Termine würden schon bis in den Dezember hinein vergeben. Das große Interesse schiebt die Ärztin vor allem auf die Corona-Pandemie. Zuerst würden in der Praxis chronisch Kranke und ältere Menschen geimpft.

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So ist es auch in der Praxis des Mediziners Ernst Schneider aus Waldheim. „Wir haben Mitte September mit dem Impfen begonnen. Zurzeit kommen diejenigen, die sich jedes Jahr gegen Grippe impfen lassen“, sagte Kathrin Schneider.

Besorgte Patienten melden sich

 Ein Termin müsse vor der Impfung nicht vereinbart werden. Das Impfen erfolge parallel zur Sprechstunde. Allerdings sei der Montagvormittag ungünstig, weil dann viele akute Fälle behandelt werden. 

Außerdem werden chronisch kranke Patienten systematisch zum Grippeimpfen bestellt. „Das handhaben wir schon seit Jahren so“, sagte Kathrin Schneider. Die Patienten seien für die Erinnerung dankbar. 

Es gebe auch besorgte Patienten, die sich unsicher sind, ob sie sich in Corona-Zeiten den kleinen, aber wirksamen Pieks abholen sollten. „Denen können wir grundsätzlich zuraten“, so Kathrin Schneider.

Impfstoff bereits im Frühjahr bestellt

Weil die Grippesaison noch nicht begonnen habe und der Immunschutz auch nach einem halben Jahr nachlässt, bestehe noch keine Eile zur Grippeimpfung. Die sei bis Dezember sinnvoll. Denn innerhalb von 14 Tagen würde der Impfstoff einen entsprechenden Schutz aufbauen. Das reiche, wenn die Grippewelle wie im vergangenen Jahr Ende Januar beginnt.

 „Zurzeit haben Arztpraxen nur eine beschränkte Anzahl an Impfdosen zur Verfügung gestellt bekommen“, sagte Petra Schneider. Sie musste bereits Ende März/Anfang April die Anzahl der benötigten Dosen angeben. Grundlage dafür waren die Anzahl der Impfungen in den vergangenen Jahren. 

„Bereits in der vergangenen Saison gab es mehrere Anfragen, aus denen das Bundesgesundheitsministerium die Anzahl benötigter Dosen geschlossen hat. Zu dieser Zeit waren die Corona-Pandemie und deren Folgen aber noch nicht bekannt“, so die Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KV) Katharina Bachmann-Bux. 

Auch Frauen- und Hautärzte impfen

Die KV Sachsen habe eine hohe Menge benötigter Impfdosen an die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) übermittelt und hoffe, dass die entsprechende Impfstoffmenge tatsächlich nach Sachsen gelangt. „Aber welcher Hersteller, in welcher Menge, für welchen Arzt in welchem Bundesland Impfstoff bereitstellen wird, hängt von den Vorbestellungen, die letztlich über die Apotheken liefen, ab“, so Bachmann-Bux. 

Auch Frauen- und Hautärzte nehmen die Grippeimpfung vor. Damit niemand umsonst in die Praxen zum Impfen kommt, bitten die Mediziner um eine Terminvereinbarung.

Die Ständige Impfkommision am Robert-Koch-Institut (RKI) gibt Empfehlungen für Personengruppen heraus, welche bevorzugt zu impfen sind. „Auf diesen Empfehlungen basierend entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss über eine Aufnahme dieser Personengruppen als Pflichtindikation in die Schutzimpfungsrichtlinie“, so die Öffentlichkeitsmitarbeiterin der KV Sachsen. 

Gemäß den Angaben der Richtlinie werde die Impfung für die dort genannten Personengruppen für Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Eine konkrete Priorisierungsliste für den Fall, dass der Impfstoff knapp wird, gebe es ihres Wissens jedoch nicht.

Gibt es bei Mangel an Impfstoff eine Prioritätenliste?

Die Ständige Impfkommision am Robert-Koch-Institut (RKI) gibt Empfehlungen für Personengruppen heraus, welche bevorzugt zu impfen sind. „Auf diesen Empfehlungen basierend entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss über eine Aufnahme dieser Personengruppen als Pflichtindikation in die Schutzimpfungsrichtlinie“, so die Öffentlichkeitsmitarbeiterin der KV Sachsen. 

Gemäß den Angaben der Richtlinie werde die Impfung für die dort genannten Personengruppen für Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Eine konkrete Priorisierungsliste für den Fall, dass der Impfstoff knapp wird, gebe es ihres Wissens jedoch nicht.

Warum ist die Grippeimpfung notwendig?

Wie notwendig eine Impfung ist und dass sie durchaus Leben retten kann, zeigte sich während der Influenzasaison 2017/2018. In dieser wurden die meisten Erkrankungen seit Jahren registriert. In der Zeit von Oktober 2017 bis Ende April 2018 waren im Landkreis Mittelsachsen insgesamt rund 4.500 Influenza-Erkrankungen gemeldet worden, 15 davon endeten tödlich.

 In der Zeit von Dezember 2018 bis Ende April 2019 wurden im Landkreis Mittelsachsen insgesamt rund 1.800 Influenza-Erkrankungen gemeldet, darunter sieben Todesfälle. Die Grippewelle der Saison 2019/2020 war nicht ganz so heftig. Sie begann in der zweiten Januarwoche dieses Jahres und erreichte Ende Januar/Anfang Februar ihren Höhepunkt. Laut der Definition der AG Influenza endete die Grippewelle bereits Mitte März. In dem Zeitraum von elf Wochen wurden dem Landratsamt 1.593 Influenzaerkrankungen gemeldet.

 Die Zahl der Toten betrug fünf. „Die Influenza ist eine ernst zu nehmende Erkrankung und eine Impfung ist ratsam“, so Peggy Zill, Pressereferentin des Landratsamtes Mittelsachsen. Sie rät auf alle Fälle zum Impfen gegen Influenza. „Die Grippe ist eine akute und hoch ansteckende Viruserkrankung der Atemwege. Die Erkrankung ist schwerwiegender als eine gewöhnliche Erkältung, also ein grippaler Infekt.“ 

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die jährliche Impfung gegen Grippe für alle, die ein erhöhtes Risiko haben, besonders schwer zu erkranken. Hierzu gehören Menschen ab 60 Jahre, chronisch Kranke, Schwangere sowie Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. „Wer geimpft ist, kann die Grippe nicht weiterverbreiten. Das schützt andere Menschen, für die die Grippe gefährlich sein kann“, so Zill.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Impfen?

„Im Spätherbst und Winter ist auf der Nordhalbkugel verstärkt mit dem Auftreten von Influenzaviren zu rechnen. Anfang Oktober beginnt die Influenza-Saison“, sagte die Pressereferentin. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, sich durch eine Impfung zu schützen. 

Nach dem kleinen Pieks vom Hausarzt dauert es etwa zehn bis vierzehn Tage, bis der Impfschutz aufgebaut ist. Die jährliche Influenzawelle hat in Deutschland in den vergangenen Jahren meist nach der Jahreswende begonnen. Um rechtzeitig geschützt zu sein, wird deshalb empfohlen, sich bereits in den Monaten Oktober oder November impfen zu lassen. 

Sollte die Impfung in diesen Monaten versäumt werden, kann es selbst zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle noch sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen.

Ist das Bewusstsein für das Impfen gestiegen?

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) in Deutschland erfasst nach Ende der jeweiligen Influenza-Saison und nach Vorliegen von ambulanten Abrechnungsdaten aus der Gesetzlichen Krankenversicherung die Anzahl der verabreichten Impfdosen. 

Eine Aussage zur laufenden Saison kann somit erst in etwa einem Jahr getroffen werden. Es gibt eine aktuelle Studie des ZI, die das Impfbewusstsein bestimmter Risikogruppen untersucht hat und zu dem Schluss kommt, dass die Impfbereitschaft in all diesen Gruppen noch zu niedrig ist.

In Hinblick auf Corona: Ist es besser, sich gegen Influenza impfen zu lassen?

„Auf jeden Fall“, sagte Bachmann-Bux. So ist bei Personen, die gegen Influenza geimpft sind, mit großer Wahrscheinlichkeit bei Auftreten von entsprechenden Symptomen einer „Grippe“ auszuschließen. 

Zudem würde das körpereigene Immunsystem ohnehin schon durch eine einzelne Infektion zum Beispiel mit dem Coronavirus stark angegriffen. Kommt dann zusätzlich noch eine Grippe dazu, kann es sein, dass der Körper nicht stark genug ist, um gegen beide Infektionen anzukämpfen.

 Zusätzlich ist bei allen Risikogruppen auch eine Pneumokokken-Impfung wichtig. Es gilt außerdem, eine Überlastung des Gesundheitssystems durch gleichzeitig hohe Infektionszahlen mit dem Corona- und dem Influenzavirus zu vermeiden.

Ist die Grippeimpfung kostenpflichtig?

Gemäß den Angaben der Schutzimpfungsrichtlinie wird die Impfung für die dort genannten Personengruppen für Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung als Pflichtleistung übernommen.

 Zusätzlich haben einige Krankenkassen individuelle Vereinbarungen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen abgeschlossen und übernehmen für bestimmte Personengruppen, die von den bundesweiten Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission nicht erfasst sind, die Impfung im Rahmen von sogenannten freiwilligen Satzungsleistungen für Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung. 

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Es kommt also zum Beispiel auf das Alter und Nebenerkrankungen an, aber auch darauf, bei welcher Krankenkasse man versichert ist, ob man Anspruch auf eine kostenlose Influenzaimpfung hat. Manche Krankenkassen erstatten jedoch auf Anfrage auch bei Nichtrisikogruppen.

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