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Hilfe, ich hab’ mich ausgesperrt

Schlüsseldienste öffnen auch in der Region Döbeln nach Feierabend und am Wochenende Türen. Aber wie zuverlässig sind sie?

Markus Piechaczek ist wieder abends und am Wochenende unterwegs, um Türen zu öffnen. Längere Zeit hat er diesen Service nicht angeboten.
Markus Piechaczek ist wieder abends und am Wochenende unterwegs, um Türen zu öffnen. Längere Zeit hat er diesen Service nicht angeboten. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Aufgeregt klingelt die alte Dame bei dem jungen Paar. Sie habe nur schnell den Müll nach draußen bringen wollen, erzählt die Frau. Und plötzlich sei die Tür zugefallen. Wahrscheinlich habe es zu sehr gezogen. Zum Lüften hatte sie zuvor ein Fenster geöffnet.

Jetzt steht sie vor der verschlossenen Tür. Der Schlüssel steckt von innen. Ein Handy hat sie nicht dabei. Das junge Paar will helfen. Zuerst versucht es der Mann selbst, scheitert aber. Dann beginnt die Suche nach einem Schlüsseldienst. Die gestaltet sich äußert schwierig. Es ist Samstagnachmittag.

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Falsche Versprechungen

Bei einem Schlüsseldienst meldet sich nur der Anrufbeantworter. Auf dem hinterlassen die jungen Leute ihr Anliegen. Einen Rückruf erhalten sie nie. Beim Zweiten haben sie Glück. Zumindest nimmt der Mann den Hörer ab und verspricht, gleich einen Kollegen zu schicken.

Doch alles Warten ist vergebens. Erst der dritte Schlüsseldienst hält, was er verspricht. Markus Piechaczek ist wenige Minuten nach dem Anruf vor Ort und öffnet die Tür zur Wohnung der alten Dame.

In den vergangenen beiden Jahren habe er diesen Service nach Feierabend und am Wochenende nicht angeboten. Denn jede zusätzliche Stunde müsse er seinen Mitarbeitern bezahlen, auch wenn sie „nur“ in Bereitschaft wären und ihr Einsatz nicht gefragt sei.

Service wird wieder ausgeweitet

Die Zahl derer, die außerhalb der normalen Öffnungszeiten des Schlüsseldienstes, der als zweites Standbein eine Schuh- und Taschenreparatur anbietet, anrufen, sei stark zurückgegangen.

Es mache sich vor allem bemerkbar, dass der Rettungsdienst als Kunde weggebrochen sei. Müssen die Sanitäter in eine verschlossene Wohnung, werde seit geraumer Zeit die Feuerwehr zur Unterstützung gerufen.

„Trotzdem beginnen wir jetzt langsam wieder damit, den Schlüsseldienst bis 22 Uhr auszuweiten“, sagt Piechaczek. Ob und wie schnell er vor Ort sein kann, hänge natürlich von seiner Erreichbarkeit ab.

Sein Einsatzbereich sei überwiegend das Stadtgebiet von Döbeln. Dabei werden für das Öffnen einer zugefallenen Tür 150 Euro fällig. Ist das Öffnen komplizierter und werde zusätzliches Material benötigt, kann es auch teurer werden.

Ersatzschlüssel hinterlegen

Markus Piechaczek rät Betroffenen deshalb, wenn möglich, eine andere Übernachtungsmöglichkeit in Anspruch zu nehmen und am nächsten Tag während der normalen Öffnungszeiten den Schlüsseldienst zu informieren.

Rund 30 Jahre lang hat auch der Sicherheitsservice Vogt in Waldheim dafür gesorgt, dass niemand zu lange ausgesperrt bleibt. Aus Altersgründen übernimmt die Familie nur noch in großen Notfällen solche Einsätze nach der Öffnungszeit des Geschäftes, „zum Beispiel, wenn sich ein kleines Kind allein in der Wohnung befindet oder Essen auf dem Herd steht, also Gefahr in Verzug ist“, sagt Gabriele Vogt.

In Waldheim, Hartha und der Gemeinde Kriebstein öffnen Vogts Türen und verlangen dafür minimal 120 Euro. Besser und weniger aufwendig sei es aber, wenn Ersatzschlüssel bei Nachbarn oder anderen Vertrauenspersonen hinterlegt seien, meint Gabriele Vogt.

Kunden sind vorsichtiger geworden

Wenn er sich nicht im Urlaub oder auf einer Feier befindet, öffnet André Burkhardt von der Bauschlosserei Toni Mergl den Roßweinern unfreiwillig verschlossene Türen. „Und das passiert allen Altersgruppen und aus vielerlei Gründen“, sagt er.

Allerdings, so hat Burkhardt festgestellt, gibt es in letzter Zeit viele Defekte an Mehrfachverriegelungen, die nach der Wende eingebaut worden. Das heißt, es entstehen auch Materialkosten.

Auch er hat bemerkt, dass der Schlüsseldienst nach Feierabend weniger gefragt ist. „Viele Menschen haben einen Schlüssel beim Nachbarn deponiert und sie sind vorsichtiger geworden. Sie ziehen die Tür nicht mehr nur zu, sondern schließen ab, so dass sie den Schlüssel beim Verlassen der Wohnung automatisch in der Hand haben“, meint Burkhardt. Er betreut nicht nur Kunden in Roßwein, sondern auch in den Regionen Döbeln, Hartha und Waldheim.

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Schade findet er es, dass der Schlüsseldienst durch schwarze Schafe in der Branche, die extrem überhöhte Preise fordern, in Verruf geraten sei. Ohne Material kostet das Öffnen einer Tür bei ihm 65 Euro.

Manchem Kunden sei auch das noch zu viel. Dabei sei die Fahrt zum Kunden und die Arbeitszeit außerhalb des regulären Jobs zu beachten. „Außerdem besuche ich Lehrgänge und schaffe immer wieder neues Werkzeug an, denn die Schlösser werden immer komplizierter“, sagt André Burkhardt.

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