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Hitlergruß hat Konsequenzen

Ein Geschwisterpaar aus Zschaitz hat sich mit Freunden getroffen und ein Foto mit der verbotenen Geste aufgenommen. Doch wer Hitler ist, wissen sie nicht.

Das Verfahren vor dem Amtsgericht Döbeln ist eingestellt worden. Jedoch müssen die beiden Angeklagten Sozialstunden leisten.
Das Verfahren vor dem Amtsgericht Döbeln ist eingestellt worden. Jedoch müssen die beiden Angeklagten Sozialstunden leisten. © André Braun (Symbolbild)

Döbeln. Als die Angeklagten hinter ihrem Tisch Platz nehmen, sieht man ihnen die Anspannung an. Es wird ihr erstes Gerichtsverfahren sein, aber eines, an das sie sich erinnern werden.

Verhandelt wird vor dem Döbelner Amtsgericht gegen eine 20-jährige Arbeitslose und einen 17-jährigen Schüler aus Zschaitz-Ottewig. Das Gericht wirft den Geschwistern das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor.

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Am Abend des 7. April 2020 sollen sie laut Anklageschrift gemeinsam mit zwei Freunden Fotos von sich gemacht haben, auf denen alle vier den Hitlergruß gezeigt haben. Dieses Foto stellten beide Angeklagte dann gegen 20.45 Uhr auf ihr WhatsApp-Profil und machten es somit der Öffentlichkeit zugänglich. Außerdem wird dem heute 17-Jährigen vorgeworfen, am 6. Juli vergangenen Jahres eine beleidigende Nachricht verfasst und verschickt zu haben. Der Inhalt strecke sich, so der Staatsanwalt, von „Du Jude, ich vergase dich!“ bis hin zu „Du Kanake!“.

Viel Alkohol in kurzer Zeit

Doch zunächst ging die vorsitzende Richterin Marion Zöllner vor allem auf den Hitlergruß der beiden Jugendlichen ein. Auf Anfrage erzählt die 20-jährige Zschaitzerin, dass die vierköpfige Gruppe sich an jenem Abend zum Alkohol trinken und „Chillen“ getroffen hat. „Wir wollten Spaß haben“, sagt sie. Sie habe innerhalb kürzester Zeit zwei Ein-Liter-Flaschen Hugo ausgetrunken, ihr Bruder mehrere Flaschen Bier. „Wir waren gut gelaunt und dann kam unser Kumpel auf die Idee mit dem Bild“, erzählt die in Leisnig geborene.

Auch soll es ihr Kumpel gewesen sein, der unbedingt den Hitlergruß zeigen wollte. Warum sie und ihr Bruder es getan haben, kann weder die Schwester noch der Bruder erklären. Während der Bruder in der Verhandlung sich mehrfach „nicht mehr erinnern“ kann, versucht die 20-Jährige Aufklärung in den Fall zu bringen. Mit Selbstauslöser seien am Abend des 7. April dann zwei Bilder entstanden, auf denen alle vier mit dem Hitlergruß zu sehen waren. Im Anschluss hätten sie es beide ohne das Einverständnis der beiden anderen Betroffenen veröffentlicht.

Urteil oder Verfahrens-Einstellung?

„Das war nicht richtig. Ich würde es auch nicht wieder tun“, versichert die Angeklagte. Ihr Bruder scheint hingegen weniger einsichtig zu sein, grinst immer wieder während der Verhandlung. Doch auch auf Nachfrage von Zöllner, ob sie eine rechte Gesinnung hätten, verneinen beide. Wenig Wissen scheinen sie auch bei der deutschen Geschichte zu haben. Weder die junge Frau noch der Jugendliche haben eine passende Antwort auf die Fragen des Staatsanwalts: „Wissen sie überhaupt, wer Adolf Hitler war? Und was er getan hat?“

Im Fall der beleidigenden Textnachricht vom jungen Zschaitzer äußern sich der als Zeuge geladene Betroffene und der Angeklagte nicht zu den genauen Hintergründen. Für den Zeugen sei die Sache durch, der Angeklagte bestätigt, dass er die Nachricht geschrieben habe, wolle sich aber nicht entschuldigen. Der gute Kontakt sei jedoch definitiv mit der Nachricht beendet gewesen.

Verfahren gegen Auflagen eingestellt

Da beide Angeklagten zum Zeitpunkt der Tat noch nicht volljährig waren, unterstützte die Jugendgerichtshilfe beim Verfahren. Die Vertreterin schlägt am Ende der Beweisaufnahme die vorläufige Einstellung des Verfahrens unter Auflagen vor.

Dieser Empfehlung schließt sich auch der Staatsanwalt an, der neben zehn sozialpädagogischen Einzelgesprächen bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Döbeln, auch für beide Angeklagten Sozialstunden fordert. Richterin Marion Zöllner schließt sich dem an und stellt das Verfahren ein. Voraussetzung ist die Absolvierung von Einzelgesprächen sowie 30 Sozialstunden für die 20-Jährige und 40 Sozialstunden für den Bruder.

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