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Hochzeitsständchen von Wildecker Herzbuben

Brigitte Voss übergibt im Waldheimer Standesamt den Staffelstab an Jeannine Rasser. Zuvor plaudern beide aus dem Nähkästchen.

Jeannine Rasser (links) ist die neue Standesbeamtin für Waldheim. Brigitte Voss geht in den Ruhestand. Sie freut sich, dass sie jetzt mehr Zeit für ihre vier Enkel und ihre Hobbys hat.
Jeannine Rasser (links) ist die neue Standesbeamtin für Waldheim. Brigitte Voss geht in den Ruhestand. Sie freut sich, dass sie jetzt mehr Zeit für ihre vier Enkel und ihre Hobbys hat. © Dietmar Thomas

Waldheim. Eine Angewohnheit wird Waldheims Standesbeamtin Jeannine Rasser von ihrer Vorgängerin Brigitte Voss übernehmen. „Notizzettel und Stift haben wir immer bereit liegen. Es könnte ja sein, dass dem Brautpaar oder den Angehörigen kurz vor der Trauung noch etwas einfällt, was unbedingt gesagt werden soll“, sagen beide mit einem Schmunzeln.

Bevor sich Brigitte Voss in den verdienten Ruhestand verabschiedet, hat sie noch einiges zu erzählen. Sie hat zunächst Kindergärtnerin gelernt und auch 18 Jahre in diesem Beruf gearbeitet. 1992 ist sie dann ins Rathaus gewechselt, wo sie ihren Dienst als Standesbeamtin begann. „In den knapp 30 Jahren haben wir etwa 900 Ehen geschlossen“, sagt die 65-Jährige.

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Wenn sie wir sagt, dann meint sie auch die Leiterin des Bürgerbüros Andrea Kettner, die als Vertreterin der Standesbeamtin fungiert. Und auch Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) darf Ehen schließen.

Silberpaar denkt gern an Trauung zurück

Wie viele dieser Ehen noch Bestand haben, vermag Brigitte Voss auf Anhieb nicht zu sagen. „Theoretisch ließe sich das ermitteln, denn wir bekommen nach jeder Scheidung einer Ehe, die bei uns geschlossen wurde, eine Information. Doch da nachzuschauen, ist zu zeitaufwendig“, sagt Brigitte Voss.

Und außerdem erinnert sie sich lieber an die schönen Dinge. Vor Kurzem hatte ein Paar Silberhochzeit gefeiert und sich aus diesem Anlass das Trauzimmer noch einmal angeschaut. „Der Mann wusste sogar noch einen Teil der Worte, die ich vor 25 Jahren an das Brautpaar gerichtet habe“, freut sich die Standesbeamtin.

An eine Trauung kurz nach dem Hochwasser im Jahr 2013 erinnert sich Brigitte Voss noch genau. Der Fahrstuhl sei zu diesem Zeitpunkt kaputt gewesen. Ihr seien zwei beleibte Herren aufgefallen, die nach dem Gang über die Treppe doch beträchtlich schnauften. „Die sehen aus wie die Wildecker Herzbuben“, habe sie zum Bräutigam gesagt.

Die sehen nicht nur so aus, das sind sie wirklich, habe der Mann gesagt. Er habe ihr erklärt, dass er für das Gesangsduo arbeite und sie zur Hochzeit eingeladen seien. „Die Wildecker Herzbuben haben dem Brautpaar dann ein Hochzeitsständchen gebracht. Das war sehr schön, auch wenn es nicht unbedingt mein Musikgeschmack ist“, so Voss.

Neun Hochzeiten am 9. September 1999

Noch etwas weiter zurück liegt der 9. September 1999. „An diesem Tag wollen genau neun Paare heiraten. Bei der ersten Trauung, die um 9 Uhr begann, sollte ich den Brautleuten genau um 9.19 Uhr das Jawort abnehmen“, erzählt Brigitte Voss. Sie habe sich ihre Uhr auf den Schreibtisch gelegt, um besser drauf schauen zu können.

Großen Spaß bereiten Trauungen von Paaren, die Mitglied in einem Verein sind. „Die Feuerwehr oder die Sportkameraden lassen sich immer etwas einfallen“, sagt Brigitte Voss. So werde das frisch vermählte Paar mit einem Schirm abgeholt und dann sorgen die Feuerwehrleute für einen Wasserguss. Der Tennis-Club Waldheim habe auch schon die Straße abgesperrt und ein kurzes Tennismatch zelebriert.

Selbst Trauungen mit Gefangenen aus der Justizvollzugsanstalt Waldheim gibt es ab und zu. „Ich habe dann immer gesagt, dass ich nicht wissen will, was derjenige verbrochen hat. Ich wollte mich nur auf die Trauung konzentrieren“, sagt Brigitte Voss. Zunächst seien auch Trauungen direkt im Gefängnis durchgeführt worden, doch irgendwann habe sie das nicht mehr machen wollen. Seitdem dürfen die Häftlinge zur Trauung ins Rathaus kommen.

Zwischen 30 und 40 Trauungen gibt es jedes Jahr im Waldheimer Standesamt. Die Höchstzahl waren 54, die niedrigste 20. Im vergangenen Jahr haben sich trotz der Corona-Pandemie 32 Paare getraut.

Brautpaare können Ort der Trauung frei wählen

Jeannine Rasser hat bisher im Personalamt gearbeitet, aber schon im Jahr 2015 die Ausbildung zur Standesbeamtin absolviert. Seit dem Frühjahr arbeitet sie sich ein und hat schon einige Paare getraut. Die 45-Jährige hofft, dass die Leute weiter fleißig heiraten. „Einen Einfluss darauf haben wir aber nicht“, sagt sie.

Wer heiraten will, müsse dies in dem für ihn zuständigen Standesamt anmelden. „Der Ort der Trauung ist aber durch das Brautpaar frei wählbar. Wenn sie nicht bei uns heiraten, leiten wir die Unterlagen an das jeweilige Standesamt weiter“, so Rasser. Überhaupt sei die gegenseitige Unterstützung unter den Standesämtern in der Region gut.

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