merken
PLUS Döbeln

Baugebiet in Leisnig: Geht's noch ökologischer?

Die Kommune will Bauwilligen keine zusätzlichen Auflagen beim Hausbau auferlegen. Das allerdings sehen nicht alle Stadträte so.

Am Eigenheimstandort Eichbergblick in Leisnig können zwölf Eigenheime entstehen. Die Stadträte haben die Pläne bestätigt. Die Vermessung des Grundstückes läuft.
Am Eigenheimstandort Eichbergblick in Leisnig können zwölf Eigenheime entstehen. Die Stadträte haben die Pläne bestätigt. Die Vermessung des Grundstückes läuft. © Dietmar Thomas

Leisnig. Der Eigenheimstandort „Eichbergblick“ bleibt offenbar umstritten. Nachdem sich zunächst die Nachbarn dagegen gestellt und Protest in jeder möglichen Form eingelegt hatten, sind es nun die Stadträte Maria-Christin Anderfuhren und Stefan Orosz, beide von der Fraktionsgemeinschaft Die Linke/Bündnisgrüne, die sich mit den Plänen nicht einverstanden erklären.

Seit Juni 2017, also fast genau seit vier Jahren, beschäftigen sich die Stadträte schon mit diesem neuen Eigenheimstandort. Der soll parallel zur Karl-Liebknecht-Straße entstehen. Platz ist da für zwölf Einzelhäuser mit maximal zwei Geschossen.

Anzeige
Ab auf den Grill!
Ab auf den Grill!

Klicken Sie hier und entdecken News, Tipps und Ideen zum sommerlichen Grillvergnügen in der Grillwelt von Sächsische.de!

Das ist eine der wenigen baulichen Einschränkungen, damit es von vornherein nicht gleich zu Nachbarschaftsstreit kommt. Denn die bisher an der Karl-Liebknecht-Straße Wohnenden sollen auch noch etwas von der Idylle an diesem Standort haben. Aus diesem Grund wurden auch großzügige Abstandsregelungen im Bebauungsplan festgehalten.

Eigene Zisterne und Rückhaltebecken für alle

Ökologisch gesehen gibt es schon einige Festschreibungen, mit denen sich Bauwillige anfreunden müssten. Dazu gehört, dass jeder auf seinem Grundstück eine Zisterne mit mindestens sechs Kubikmeter Fassungsvermögen errichten muss.

Überdies entsteht für alle Grundstücke gemeinsam sowie für den erweiterten Bereich ein Regenrückhaltebecken mit 200 Kubikmetern. Darauf könne die Feuerwehr zurückgreifen, erklärte Bauamtsleiter Thomas Schröder den Stadträten bei deren jüngster Sitzung.

Sonnenkollektoren zu verwenden, das werde den potenziellen Bauherren über die Satzung nicht vorgeschrieben. „Wir wollten so wenig wie möglich reglementieren“, begründete der Amtsleiter. Photovoltaik und andere alternative Energieformen beim Bau zu bevorzugen, dazu würden die Architekten und Bauherren bereits durch die Energiesparverordnung angehalten.

Planung in Leisnig mit zu wenig Ernsthaftigkeit?

Trotzdem: „Ich vermisse die Ernsthaftigkeit, wenn es um die gewünschte Ökologie geht“, sagte Stefan Orosz. „Ein kleines Blockheizkraftwerk macht aus meiner Sicht Sinn.“ Überdies könne er sich vorstellen, dass der Baustoff Holz stärker eingesetzt beziehungsweise festgeschrieben wird.

Gegen solche weitreichenden Einschränkungen sprach sich etwa Bürgermeister Tobias Goth (CDU) aus. Nach seinen Worten unterliege das ökologische Bauen einem ständigen Wandel. „Ich denke, wir haben mit der Vorschrift, dass jeder eine Zisterne bauen muss, einen Anfang gemacht“, so Goth. „Wir wollen die Bauherren auch nicht überfordern.“

Ähnlich sieht es der Bauamtsleiter. Nach seinen Worten gehen jede Woche mehrere Anfragen nach Eigenheimbauplätzen ein. Sollten zu viele Vorschriften gemacht werden, befürchtet Thomas Schröder, dass sich die Interessierten gegen Leisnig entscheiden könnten: „Dann haben wir ein leerstehendes Baugebiet. Das bringt die Stadt auch nicht voran.“

Vermessung läuft, Baubeginn ist das nicht

Maria-Christin Anderfuhren bat darum, mit der Beschlussfassung zum Bebauungsplan „Eichbergblick“ zu warten, bis das angekündigte Bauflächenkataster fertig ist. Stadtplaner Sascha Dunger hatte von geschätzt 400 Grundstücken berichtet, die er aus der Luft habe als potenzielle Eigenheimbauplätze ausmachen können.

Dem entgegnete Thomas Schröder zum einen, dass 400 Grundstücke bei einem Gemeindegebiet von 80 Quadratkilometern nicht viel seien. Zum anderen fielen aus seiner Sicht mindestens zwei Drittel der Flächen heraus, weil diese im Privatbesitz sind und nach aktuellem Kenntnisstand nicht verkauft werden sollen.

Mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung stimmten die Räte mehrheitlich dafür, die Satzung für den Eigenheimstandort „Eichbergblick“ zu beschließen. Nach der Genehmigung kann die Sparkasse Döbeln als Eigentümer der Fläche dann mit der Vermarktung beginnen. Schröder wies auf bereits laufende Vermessungsarbeiten hin. Ein Baubeginn sei das noch nicht.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln