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„Jeder Schritt zur Normalität hilft“

Corona-Schutzmaßnahmen sind für die Pflegerinnen Silvia Lange und Petra Kolko längst Alltag. Trotzdem haben sie gerade in dieser Zeit viele Wünsche.

Petra Kolko (links) und Silvia Lange sind froh, dass Besuche in der Kurzzeitpflege an der Rüderstraße in Roßwein wieder möglich sind - wenn auch unter bestimmten Auflagen.
Petra Kolko (links) und Silvia Lange sind froh, dass Besuche in der Kurzzeitpflege an der Rüderstraße in Roßwein wieder möglich sind - wenn auch unter bestimmten Auflagen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Petra Kolko arbeitet in der Küche der Kurzzeitpflege. Es ist gleich Vesperzeit für die zwölf Bewohner der Villa in der Roßweiner Rüderstraße. Kollegin Silvia Lange, die eigentlich gerade frei hat, schaut kurz vorbei. Ein normaler Arbeitsalltag. So scheint es. Aber das Coronavirus, das seit über einem Jahr auch bei ihnen Thema ist, macht den Frauen genauso wie den Bewohnern und deren Angehörigen zu schaffen.

„Wir haben aber keine Wahl. Wir müssen uns damit arrangieren“, sagt Lange, die nach der Wende von der Krippenerzieherin zur Pflegefachkraft umschulte. An der Fürsorge für die Bewohner hat die andauernde Pandemie für sie nichts geändert. Im Gegenteil. Die Gespräche sind noch intensiver geworden.

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Und immer im Hinterkopf: Abstand halten, wo es geht, desinfizieren, Hände waschen, Maske tragen. Auch Trösten in der Zeit, wo kein Besucher kommen konnte und kann, war und ist wichtig.

„Ohne die beiden Frauen würde ich die Zeit hier nicht so gut überstehen“, sagt die 71-jährige Rosmarie Enkelmann, die nach einem Oberschenkelhalsbruch und der Behandlung im Krankenhaus jetzt auf einen Platz für eine stationäre Reha wartet. Ende März sollte es so weit sein, jetzt ist Mai. Corona bringt auch das durcheinander. Dafür müssen andere länger auf einen freien Platz in der Kurzzeitpflege warten.

Ein Teufelskreis. Denn die Nachfrage sei groß, sagt Benjamin Brambor, Juniorchef des Pflegedienstleisters, der neben der Villa „Zum Rüderpark“ Tagespflegen, ambulante Pflegedienste und betreutes Wohnen in Roßwein, Döbeln und Waldheim betreibt.

230.000 Euro vorgestreckt

Um Mitarbeiter und Bewohner zu schützen, hätte das Unternehmen beizeiten reagiert, FFP2-Masken, Schutzbrillen und -anzüge, genügend Desinfektionsmittel angeschafft. Inzwischen ist es normal, dass Bewohner und Mitarbeiter dreimal die Woche getestet werden.

„Allein für 45.000 Schnelltests haben wir im Dezember 230.000 Euro vorgestreckt“, sagt der Juniorchef. Dazu kämen einige zehntausend Euro für die anderen Schutzmaterialien. Auch das Impfangebot erhielten alle, Mitarbeiter und Bewohner, die gerade da waren. Durch den ständigen Belegungswechsel sei ein Durchimpfen wie in Pflegeheimen aber nicht möglich, so Brambor.

Petra Kolko und Silvia Lange sind geimpft. „Da gab es für uns gar keine Frage. Wir verstehen nicht, wenn jemand diese Vorsorge ablehnt. Schließlich schützen wir so auch unsere Familien und die, mit denen wir zu tun haben“, sagen beide übereinstimmend. Und auch wenn es bisher etwa 90 Corona-Fälle bei Bewohnern und Mitarbeitern in den Einrichtungen von Brambor gab, ist der Juniorchef froh, dass die Pflege selbst in den Hoch-Zeiten der Pandemie im Januar ohne Einschränkungen und größere Ausfälle weiterlief. „Dafür gebührt allen großer Dank und Respekt.“ Auch eine Prämie hätte es gegeben.

Anerkennung, die die Mitarbeiter dringend brauchen – und nie hoch genug sein kann. Denn sie sind es, die Sorgen und Nöte der Bewohner auffangen, ihnen immer wieder erklären müssen, warum sie keinen Besuch empfangen können oder einen Mund- und Nasenschutz aufsetzen müssen. Gerade in diesen Wochen werden Pfleger immer mehr auch zu Psychologen, Tröstern und Ratgebern. Nicht alle, aber viele tun das so wie Petra Kolko und Silvia Lange mit Hingabe.

Damit die Bewohner in der Villa „Zum Rüderpark“ nach monatelanger Isolation endlich Kontakt untereinander haben, essen einige wieder gemeinsam im Aufenthaltsraum. „Zwei an einem Tisch, mit genügend Abstand. Mehr geht nicht“, so Kolko. Auch Angehörige können kommen. Aber noch gelten Vorschriften, ist die Pandemie nicht vorbei. „Im Freien gibt es keine Einschränkung. Sonst sind Besuche auf maximal eine Stunde und eine Person pro Bewohner begrenzt“, sagt Juniorchef Brambor.

„Dazu bieten wir aber seit einiger Zeit kostenfreie Videotelefonie an, die unsere Mitarbeiter einrichten, bis der Angehörige zu sehen, und zu hören ist.“ Eigens dafür wurden Tablets angeschafft. Alles, was den Bewohnern das Leben leichter macht, freut auch Silvia Lange und Petra Kolko. Trotz der seit Monaten andauernden schwierigen Situation für alle, haben beide nie an ihrem Beruf gezweifelt. Petra Kolko könnte sich mit ihren 64 Jahren schon zur Ruhe setzen. Aber sie kommt trotzdem noch, tageweise. „Das hilft enorm“, sagt Kollegin Lange.

Besuchszeiten als Lichtblick

Benjamin Brambor möchte auf solche erfahrenen Pflegekräfte nicht verzichten. Schließlich ist durch die Pandemie der Arbeitsaufwand weiter gewachsen, ist regelmäßig zu testen, muss Schutzkleidung an-, ausgezogen und gewechselt werden. Aber es gibt Lichtblicke für Silvia Lange und Petra Kolko. Die wieder möglichen begrenzten Besuchszeiten zählen sie dazu.

Viele der neuen Pflichten sind für die Pflegerinnen inzwischen zur Routine geworden. „Es ist unsere Arbeit. Ich bin damit zufrieden“, sagt Kolko bescheiden und freut sich doch auch immer über ein Dankeschön. Vor allem hofft sie wie ihre Kollegin und Benjamin Brambor auf bessere Zeiten, auf ganz normale Beratungsgespräche, auf gemeinsames Kochen und Backen, auf Sport, Betreuungsnachmittage, Parkfeste, einen Umgang ohne das Virus, was so viele belastet.

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