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Jetzt heißt es wieder: Darf ich bitten?

Bei gesunkenen Inzidenzwerten können auch die Tanzschulen wieder loslegen.

Da war die Welt noch in Ordnung: In der Hartharena gab es im November 2019 einen Abschlussball der Schüler der Tanzcenter Kiessling.
Da war die Welt noch in Ordnung: In der Hartharena gab es im November 2019 einen Abschlussball der Schüler der Tanzcenter Kiessling. © Thomas Kube

Von Dagmar Doms-Berger

Region Döbeln. Großes Aufatmen bei den Tanzschulen. Es darf wieder getanzt werden. Mario Müller, Inhaber des ADTV Tanzcenter Kiessling aus Frankenberg, schwärmt, dass er und sein Team nun endlich wieder arbeiten dürfen. „Wissen Sie, wie es sich anfühlt, nach fast einem Dreivierteljahr, in dem wir quasi Arbeitsverbot hatten, wieder loslegen zu können“, fragt er rhetorisch. Mit dem 2. November mussten alle Tanzschulen im Freistaat Sachsen schließen. Das Tanzen ließ die Corona-Schutzverordnung nicht zu – weder mit Abstand noch mit Tests.

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Schüler der Tanzschule Herrmann-Nebl konnten bereits am 15. Juni loslegen. Die Dresdner Tanzschule bietet im Döbelner Volkshaus Tanzkurse an, derzeit einen Schülertanzkurs (rund 50) und zwei für Erwachsene (23 Paare). Seit November 2020 durften keine Kurse stattfinden. Für den Level 1, also Grundkurs, haben sie noch drei offene Tanzstunden. „Wer möchte, kann im September mit Level 2 weitermachen“, sagt Jens Herrmann, Chef der Tanzschule Herrmann-Nebl. Eigentlich wären in einem Tanzschuljahr drei Level zu schaffen.

Einen Tanzstundenabschlussball werde es nicht geben, so Herrmann weiter. Für die Planung von Großveranstaltungen habe es lange keine Entscheidungen gegeben. Inzwischen sei es zu kurzfristig, einen Ball mit allem Drum und Dran zu organisieren. Geplant sei, dass die Schüler zusammen mit den Neuen ihren Abschlussball feiern. Ein neuer Tanzstundenkurs beginnt in der ersten Schulwoche am 7. September. „Wir sind jetzt erst einmal froh, dass wir wieder in vollem Umfang Kurse anbieten können“, so Herrmann.

Monate ohne Tanzkurs

Monatelang war der Unterricht ausgefallen. Für die kleinsten Teilnehmer in der tänzerischen Früherziehung sieht Mario Müller vom Tanzcenter Kiessling es besonders kritisch. Viele Kinder hätten Bewegungsdefizite. Das Tanzen ermögliche viel ausgleichende Bewegung und vermittle Wissen über die Körpersprache. Die Tanzschule ist u. a. im Freiberger Raum in Kindergärten und Schulen unterwegs.

Für Schüler aus dem Raum Hartha, Leisnig und Waldheim bietet sie Tanzkurse an. Geprobt wird im Harthaer Schwan. „Wir wollen in den nächsten Tagen wieder starten“, sagt Mario Müller. Insgesamt 50 Paare waren im Kurs. Die ausgefallenen Stunden werden nachgeholt, so sein Plan. Die Kursgebühren seien bezahlt. Er hofft und wünscht, dass es auch einen Abschlussball geben wird, der traditionell in der Hartharena stattfindet. Genaueres könne er noch nicht sagen.

Eine Testpflicht gibt es seit dem 14. Juni nicht mehr. Bei einer Inzidenz unter 35 entfällt die Testpflicht für Beschäftigte und Schüler. Beim Tanzen muss auch keine Maske getragen werden.

Im Lockdown haben sich rund 100 Tanzschulen, -clubs und -vereine zur Interessengemeinschaft Tanzen in Sachsen zusammengeschlossen, um ihre Interessen gemeinsam gegenüber der Politik und Gesellschaft vertreten zu können. Die Tanzinstitutionen kritisierten die Unverhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen und forderten Chancengleichheit. „Mit unserem Protest haben wir es geschafft, dass wir Tanzschulen ordentlich eingeordnet werden und der Bildungsaspekt unserer Arbeit berücksichtigt wird“, sagt Jens Herrmann.

Natürlich bereite das Tanzen Spaß, es sei aber gleichzeitig auch wichtig für die Gesundheit und gehöre zur Bildung. Der Protest habe geholfen, früher öffnen zu dürfen. Noch im ersten Lockdown 2020 gehörten die Tanzschulen in den Spaßbereich. „Wir wurden mit Prostitutionsstätten auf eine Ebene gestellt“, so Müller.

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