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Junge Filmemacher erzeugen Gänsehaut

Beim Festival „Film ab!“ belegen zwei Projekte aus der Region vordere Plätze – nicht zum ersten Mal.

Finley Magierski (links) und Leo Kampfenkel sind die Hauptdarsteller in demKurzfilm „2020“, mit dem die Waldheimer Lernförderschule einen erstem Platz beim Filmfestival „Film ab!“ belegte.
Finley Magierski (links) und Leo Kampfenkel sind die Hauptdarsteller in demKurzfilm „2020“, mit dem die Waldheimer Lernförderschule einen erstem Platz beim Filmfestival „Film ab!“ belegte. © Dietmar Thomas

Waldheim/Hartha. Leo Kampfenkel und Finley Magierski sind stolz. Der Kurzfilm, in dem die beiden Schüler der Waldheimer Lernförderschule die Hauptrollen spielen, hat beim Filmfestival „Film ab!“ des Sächsischen Kultusministeriums den ersten Platz in der Kategorie der 1. bis 4. Klassen belegt.

Die Dreharbeiten für den knapp fünf Minuten langen Streifen lagen in der Verantwortung von Samantha Boitz, die im vergangenen Schuljahr ein Freiwilliges Soziales Jahr „Pädagogik“ an der Förderschule absolvierte. Unterstützt wurde sie von ihrer Schwester. „Sie kennt sich ein bisschen besser mit der Technik aus“, sagt die 19-Jährige. Entstanden ist der Kurzfilm in einer für die Schulen besonders schwierigen Zeit: dem totalen Lockdown im Frühjahr dieses Jahres. „2020“ ist deshalb auch der schlichte wie alles sagende Titel des Films.

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Film arbeitet mit emotionalen Bildern

Erzählt wird die Geschichte der beiden Jungen, die zu diesem Zeitpunkt noch in der ersten Klasse waren. Er beschreibt die Situation der Kinder in der Notbetreuung, gibt es Blick frei auf leere Klassenzimmer, in denen nur Leo und Finley sitzen oder den Schulhof, auf dem Leo ganz alleine Fußball spielt. In Großaufnahme ist zu sehen, wie sich die Kinder die Hände waschen und desinfizieren. Dem Zuschauer wird deutlich, wie traurig die Jungen sind. „Es gab Tage, da war Leo ganz alleine hier in der Notbetreuung. Das hatte schon etwas Gespenstisches“, sagt Schulleiter Heiko Felgener.

Der Film hat offenbar auch die Jury bewegt. Das Team erzeuge mit emotionalen Bildern, eingebettet in einen bewegenden Film, Gänsehaut, heißt es in der Bewertung. Leo und Finley können sich noch sehr genau an die Zeit erinnern. „Am schlimmsten war es, dass wir nicht mit unseren Freunden spielen können“, erzählen die beiden Zweitklässler unisono.

Studentin hat bereits Filmerfahrung

Für Samantha Boitz war es nicht das erste Filmprojekt. Vergangenes Jahr hat sie als Schülerin des Martin-Luther-Gymnasiums Hartha an dem Filmprojekt mitgearbeitet. „So hatte ich schon ein bisschen Erfahrung“, sagt Samantha Boitz, die inzwischen Lehramt studiert. Sie möchte Grundschullehrerin werden.

Von dem Preisgeld in Höhe von 300 Euro sollen laut Schulleiter Heiko Felgener die Schüler selbst etwas in Form von Gutscheinen abbekommen. Über den Rest werde man sich noch Gedanken machen, so der Schulleiter.

Gymnasium Hartha zum dritten Mal dabei

Im vergangenen Jahr war ein Filmteam der Leisniger Siegismund-Reschke-Grundschule bei dem Festival erfolgreich (Sächsische.de berichtete). Die Schule hatte sich auch in diesem Jahr mit einem Beitrag über ihren Namensgeber Siegismund Reschke beworben und schaffte es von insgesamt 32 Teilnehmern in allen Kategorien unter die 20 Nominierten. Für eine Platzierung reichte es allerdings in diesem Jahr nicht.

Das Harthaer Martin-Luther-Gymnasium hat sich zum dritten Mal an diesem Festival beteiligt. Nach einem dritten Preis im vergangenen Jahr konnte sich die Schule diesmal über einen zweiten Platz freuen. Den holten Stella-Victoria Schultz, Vanessa Bergmann und Julia Päßler mit ihrem Film „The Revelation“ (Die Offenbarung).

In diesem Spielfilm in englischer Sprache mit Untertiteln taucht die Hauptfigur in eine Welt aus der Jugend ihrer Großmutter ein. Fiktiv wird die Geschichte aus der Zeit des Attentats auf den damaligen US Präsidenten John F. Kennedy in Dallas 1963 neu erzählt.

Fantasievolle Version historischer Ereignisse

Eine fantasievolle Version der historischen Ereignisse wird aus einer persönlichen Perspektive spannend erzählt. „Das überraschende Konzept und die gelungene Umsetzung mit einer verblüffenden Pointe am Schluss sprechen für die Qualität dieses Films“, heißt es in der Begründung der Jury.

Die drei jungen Frauen haben den Film im Februar dieses Jahres gedreht. Sie waren damals in der 12. Klasse und sind jetzt schon nicht mehr am Gymnasium. Per Videokonferenz berichten sie, wo sie gerade sind. Stella ist derzeit in den USA, wo sie im Bundesstaat Virginia Internationales Management studiert. Julia hat ein Studium der Politikwissenschaften in Dresden aufgenommen, Vanessa studiert Kunst und Deutsch auf Lehramt in Leipzig.

Preise online verliehen

Die beiden Kursleiter am Gymnasium, Gabriela Oettrich und Dirk Marggraf, sind stolz auf den Erfolg des Films. „Im vergangenen Schuljahr sind gute Werke entstanden. Wir haben aber nur diesen einen Film eingereicht“, sagte Dirk Marggraf. Die drei Schülerinnen hätten den Film gerne noch vor ihren Mitschülern „verteidigt“, doch das war aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr möglich.

In den vergangenen Jahren wurden die Preisträger während einer großen Veranstaltung in der Schaubühne Lindenfels in Leipzig gekürt. Wegen Corona war das in diesem Jahr nicht möglich. Deshalb wurden die Preise online verliehen. Die preisgekrönten Filme können sich Interessierte noch bis zum 10. Dezember unter www. schuelerfilmfestival-sachsen.de anschauen.

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