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PLUS Familienkompass 2020 Döbeln

Kita-Leitung wünscht konstruktive Kritik

Fünf Mütter haben beim Familienkompass ihren Unmut über die Arbeit der Einrichtung mitgeteilt.

Beim Familienkompass gab es von fünf Müttern Kritik zur Arbeit in der Kita „Jahnataler Wiesenstrolche“.
Beim Familienkompass gab es von fünf Müttern Kritik zur Arbeit in der Kita „Jahnataler Wiesenstrolche“. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Bürgermeister Dirk Schilling ist sauer und Kita-Leiterin Andrea Winkler enttäuscht. Fünf Mütter haben die Umfrage für den Familienkompass genutzt, um sich Luft zu machen. Dabei geht um die Kindereinrichtung „Jahnataler Wiesenstrolche“ in Ostrau.

Die Bedingungen, die die Einrichtung zu bieten hat, sind super. Der Spielplatz wurde vor drei Jahren grundhaft saniert. Es gibt einen Verkehrsgarten mit allem Drum und Dran. Immer wieder wurde in der Kita saniert. Der Hortbereich entstand beim Schulneubau. Und auch die dazugehörige Einrichtung in Kiebitz ist ein Schmuckstück.

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Doch daran haben die Mütter auch nichts auszusetzen. Bemängelt werden unter anderem zu hohe Elternbeiträge im Vergleich zur Qualität, der Umgangston der Kita-Leiterin, die schlechte Informationspolitik und es wird mehr Mitspracherecht gewünscht.

Eine Mutter von zwei Kinder schreibt: „Wir sind zufrieden. Die Kommune gibt sich in allen Bereichen viel Mühe. Ich würde mir nur wünschen, dass wir bezogen auf unsere Kinder mehr Gehör erhalten. Das ist leider verloren gegangen. Vor allem in der Kindereinrichtung fällt das stark auf. Das ist sehr schade.“

„Wir hören auch bei kleinen Sachen zu"

„Warum es diese Vorwürfe gibt, kann ich nicht ergründen. Dass es in der Einrichtung die Kommunikation fehlt, muss ich von mir weisen“, sagte der Bürgermeister. Unzufriedenheiten und konstruktiver Kritik sei immer nachgegangen worden. Als Beispiel nennt Schilling die Öffnungszeiten in der Kita Kiebitz, die zur Ostrauer Einrichtung gehört. Auf Wunsch wurde diese bis 17.30 Uhr verlängert.

„Wir hören auch bei kleinen Sachen zu. Deshalb ist die Kritik nicht objektiv. Trotzdem nehmen wir sie sehr ernst“, so Dirk Schilling. Da der Hinweis zum Familienkompass an den Elternrat gegangen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht weitergeleitet worden sei, könne er sich vorstellen, „dass hinter den Kritikern eine kleine Gruppe dauerhaft nörgelnder kritischer Mütter steckt“.

Denn von etwa 300 Kindern, die in den Einrichtungen betreut werden, gab es nur fünf Zuschriften von Müttern. Vier davon mit negativem Inhalt. „Nicht nur wir als Gemeinde, sondern auch andere Elternvertreter distanzieren sich von der bedauerlichen Gemengelage“, sagte Schilling.

„Bei Problemen rede ich mit den Eltern"

„Es hat vier große Elternabende gegeben. Dort hat sich niemand kritisch geäußert oder im Nachgang das Gespräch mit mir gesucht“, sagte Andrea Winkler. Sie spreche die Eltern auch an, wenn sie denkt, das etwas nicht in Ordnung ist. Nicht umsonst hat sie das Leiterinnen-Büro gleich neben den Eingang als zentrale Anlaufstelle verlegt. So könne sie, wenn sie nicht gerade Kinder betreut, immer von Eltern und Kollegen angesprochen werden. „Bei Problemen rede ich mit den Eltern, allerdings nicht öffentlich, sondern in meinem Büro. Dann suchen wir gemeinsam einen Lösungsweg“, so die Kita-Leiterin.

Auf den Hinweis von Eltern, noch besser informiert werden zu wollen, wurde bereits reagiert. „Wir haben den Wunsch entsprochen und waren beim Treffen der Elternvertreter als Träger dabei“, so Dirk Schilling. Nun sollen die Veränderungen oder Hinweise per Mail verschickt werden. Die Kita-Leitung sendet die Informationen an die Elternvertreter und diese dann weiter an die Erziehungsberechtigten.

Die Information ist das eine. Der Umgang zwischen manchen Eltern und der Kita-Leiterin Andrea Winkler ein anderer. Auch hier gibt es von den Müttern Kritik. So schreibt die Mutter eines Kindes „Der Umgangston der Kita-Leiterin lässt sehr zu wünschen übrig. Die Eltern sind nicht alle dumm und sie sollten mit Respekt behandelt werden. Aber die Meinung der Eltern interessiert gar niemanden und um die Kinder geht es schon lange nicht mehr.“

Auch Lob für positive Qualitätsentwicklung

Mit dieser Äußerung kann die Kita-Leiterin nichts anfangen. „Wenn etwas nicht genau benannt wird, kann es auch keine Änderungen geben“, so Andrea Winkler. Sie habe nicht das Gefühl, dass die anderen Eltern der Kita die Meinung der kritisierenden Mütter teilen. Im Gegenteil. Es gebe immer wieder Lob wegen der positiven Qualitätsentwicklung in den vergangenen zwei Jahren. Dazu gehören unter anderem Aufnahmegespräche mit den Eltern, wenn deren Kinder in die Einrichtung kommen.

„Ich bin enttäuscht, dass die Kritikerinnen nicht den Weg zu mir gefunden haben, um die Probleme anzusprechen. Wer nicht mit mir kann, hat die Möglichkeit, sich an meine beiden Stellvertreterinnen zu wenden“, sagte Andrea Winkler.

Sie hat mit dem Team einige Veränderungen eingeführt. Dazu gehören das Ferienprogramm für Krippenkinder, Englisch-Unterricht und Angebote der Musikschule. „Wir bereiten die Vorschüler auf die Schule vor. Die Kiebitzer und Ostrauer Kinder lernen sich beim Sport in der Turnhalle kennen. Außerdem haben wir eine Kooperation mit der Schule, sodass die Kinder gut auf den neuen Lebensabschnitt vorbereitet werden“, sagte Andrea Winkler.

„Jede Erzieherin hat eine andere Handschrift“

Die ärgert sich über die Kritik zur Qualität der Einrichtung. Denn die treffe nicht nur sie persönlich, sondern auch die Mitarbeiter. „Wir haben zufriedene Kollegen und Eltern. Wenn es anders wäre, würde ich schwindeln“, so die Kita-Leiterin. Es gebe viele neue Mitarbeiter, die zusammen mit den gestandenen Erzieherinnen ein super Team seien. Sicher habe man sich erst einmal kennenlernen müssen.

„Eine Generation ist in Rente gegangen, die die meisten Eltern und Großeltern kannte, weil diese die Einrichtungen besuchten. Jede hat eine andere Handschrift“, so Dirk Schilling. Manche Dinge vor dem Wechsel seien zur Gewohnheit geworden. Das meiste kam den Eltern entgegen. Wenn es dann Veränderungen gibt, die als Nachteil empfunden und gewertet werden, dann seien die Eltern nicht gerade begeistert. Schilling nennt als ein Beispiel den Frühhort.

„Die Buskinder sind nicht in den Hort gegangen, sondern haben sich nach der Ankunft allein im Klassenzimmer aufgehalten. Das ist gesetzlich ohne Aufsicht nicht möglich“, so Schilling. Deshalb mussten die Buskinder entweder vor der Schultür warten oder den Frühhort besuchen. Zum Zeitpunkt der Festlegung gab es allerdings nur einen Vertrag für fünf oder sechs Stunden. Wer sein Kind früh im Trockenen wissen wollte, zahlte also mindestens 45,83 Euro. Dafür gab es Kritik. „Wir bieten deshalb seit dem 1. Juli dieses Jahres eine 1,5 Stunden-Betreuung an.

Der Kritik weniger Mütter wollen der Bürgermeister und die Kita-Leiterin nachgehen.


Der Familienkompass

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