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Schwerkranke Alena geht in die Luft

Familie Janasek aus Waldheim erlebt einen aufregenden Fernsehabend. Der Verein Lukas Stern bekommt die Goldene Henne – und ihre Urenkelin war mit dabei.

Alena im Glück. Sie darf fliegen. Organisiert hat das der Verein Lukas Stern, der Herzenswünsche erfüllt.
Alena im Glück. Sie darf fliegen. Organisiert hat das der Verein Lukas Stern, der Herzenswünsche erfüllt. © privat

Waldheim. Ein Anruf von Enkel André aus Flöha versetzt Familie Janasek vergangene Woche in helle Aufregung. „Wir wurden gefilmt. Heute Abend sind wir im MDR-Fernsehen zu sehen“, teilte André Riedel seiner Oma mit. Die Großeltern, die in Waldheim leben, sollten unbedingt die Verleihung der „Goldenen Henne“ ansehen.

Oma Erika griff sofort zum Telefon und informierte alle Verwandten und Bekannten. „Ich war total aufgeregt“, sagte sie. Dabei wusste sie schon, dass die Familie ihres Enkelsohns Mitte Oktober ein tolles Erlebnis hatte. Dass das auch noch gefilmt und dann im Fernsehen gezeigt wurde, war ein streng gehütetes Geheimnis. Im Mittelpunkt stand Urenkelin Alena.
Die Fünfjährige leidet an einer lebensbedrohlichen Krankheit. Im schlimmsten Fall braucht sie eine Knochenmarkspende. Dabei handelt es sich um das plötzliche Versagen der Blutbildung im Knochenmark. Eine Ursache gibt es nicht. 

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Gemeinsam mit den Landkreisen und kreisfreien Städten hat die Staatsregierung weitere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie beschlossen.

Die Untersuchungen nach Ostern ergaben, dass in Alenas Knochenmark kaum mehr rote und weiße Blutkörperchen gebildet werden. Die für die Blutbildung zuständigen Stammzellen versagten ihren Dienst. Deshalb bekommt Alena seit einigen Monaten eine Immuntherapie. Zweimal in der Woche muss sie entweder ins Krankenhaus nach Chemnitz oder nach Dresden.

Blutwerte sind zurzeit stabil

„Wir und auch die Ärzte sind vorsichtig optimistisch, dass diese Therapie anschlägt. Es sieht zurzeit gut aus. Alena ist zurzeit stabil, die Blutwerte gut“, sagte Vater André Riedel. Mitte Dezember sollen die Medikamente langsam abgesetzt werden. Dann wird sich entscheiden, ob die Blutwerte weiter so bleiben. Gehen sie runter, benötigt Alena eine Stammzelltherapie.

Die nun Fünfjährige nimmt ihre Besuche im Krankenhaus und bei Ärzten gelassen auf. Viele Menschen wollen ihr helfen. Der kleine „Wackelarsch“, wie die Urgroßeltern das lebenslustige Mädchen manchmal nennen, soll wieder gesund werden. So hat der Turn- und Sportverein (TSV) 1848 in Flöha eine Aktion zur Stammzellen-Typisierung gestartet. Diese muss wegen der Corona-Pandemie individuell erfolgen. Dafür gibt es eine Online-Registrierung. Mit Unterstützung des TSV wurde auf der Internetseite der DKMS eine Aktionsseite für Alena angelegt.

Auch der Eismann will helfen

Sogar den Chef der Eismanufaktur Kolibri in Flöha ließ das Schicksal des Mädchens nicht kalt. Er stellte den Kontakt zum Verein Lukas Stern her. „Wir erfüllen schwer erkrankten Menschen, egal ob jung oder alt ihren Herzenswunsch“, so Vorstandsvorsitzende Daniela Lieberwirth. Und so lernten sich Familie Riedel und Mitglieder des Vereins kennen. „Ganz am Anfang ihrer Krankheit hat uns Alena erzählt, dass sie gern einmal fliegen würde“, so Vater André Riedel.

Nach dem Anruf des Vereins habe die Familie nicht lange überlegen müssen, welcher Herzenswunsch Alena erfüllt werden soll. Und es kam noch eine weitere Überraschung dazu.

Ein Fernsehteam des MDR meldete sich bei Familie Riedel an. Es wollte dabei sein, wenn Alena erfährt, dass sie, ihre Eltern und Geschwister in einem Oldtimer-Flugzeug über Flöha fliegen darf. Die Filmaufnahmen hätten die Fünfjährige sehr interessiert. Sie durfte auch mal hinter die Kamera oder das Mikrofon bedienen. Dann kam der Tag, für den der Flug angesetzt war. „Alena war total aufgeregt und aufgedreht“, so André Riedel. 

Die Familie fuhr zum Flughafen nach Jahnsdorf bei Chemnitz. Dort wurden sie von Mitgliedern des Vereins Lukas Stern und Vertretern von Oldtimerflug.de empfangen. Auf dem Startplatz stand schon die AN-2 , ein vielseitiger und unverwüstlicher Flieger. Es war die „alten Dame“ die die Oldtimerflieger „Tante Anna“ nennen.

„Alena konnte es kaum erwarten, in den Flieger zu steigen. Als wir die Flughöhe erreicht hatten, durfte sie sich abschnallen. Dann wurde von ihr alles inspiziert. Sie schaute aus jedem Fenster und machte Fotos“, erzählte ihr Vater. Die Fünfjährige sei so glücklich und ausgelassen gewesen. Und nicht nur den Flug mit der Anna hatte der Verein Lukas Stern organisiert. Im Frühjahr2021 ist die Familie zu einem Ballonflug eingeladen. 

Außerdem gab es noch eine Finanzspritze für die neue Spielecke auf dem Gelände des umgebauten Hauses.20 Minuten dauerte der Flug von Jahnsdorf, am großen Schornstein vorbei, den Alena wiedererkannte, bis nach Flöha, Augustusburg und wieder zurück. Während sich die große Schwester von Alena, Samira über den Flug gefreut hat, hatte Marilén immer ein Grummeln im Bauch. Aber schön war es für alle.

Nicht nur Alena durfte mit dem Oldtimerflugzeug fliegen, sondern die ganze Familie Riedel. Für alle war es ein tolles Erlebnis.
Nicht nur Alena durfte mit dem Oldtimerflugzeug fliegen, sondern die ganze Familie Riedel. Für alle war es ein tolles Erlebnis. © privat

Dass nicht nur der Verein Menschen glücklich machen kann, zeigte sich wenige Minuten später auf dem Flughafen. Die bekannte Moderatorin Inka Bause, die auch schon in der Hartharena aufgetreten ist, gesellte sich dazu. Sie übergab Daniela Lieberwirth die „Goldene Henne“. 

Diese Auszeichnung ist der 1991 gestorbenen DDR-Entertainerin Helga „Henne“ Hahnemann gewidmet. Der Publikumspreis wird jährlich vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und der Zeitschrift „Super-Illu“ verliehen. 

Der Chemnitzer Verein, der Herzenswünsche erfüllt, erhielt diesen Preis in der Kategorie Charity und 25.000 Euro vom Ostdeutschen Sparkassenverband. „Der Preis ist eine tolle Anerkennung unserer Arbeit. Als wir unseren Verein 2016 gegründet haben, stemmten wir zwei Projekte. Ein Jahr später waren es schon elf, 2018 haben wir 45 Herzenswünsche erfüllt und 2019 waren es schon 60“, erzählte Daniela Lieberwirth. Trotz Corona haben die 15 Vereinsmitglieder in diesem Jahr schon 60 Menschen glücklich gemacht. Und es werden noch mehr. 

„Wir sind fast jedes Wochenende unterwegs. Doch das Lächeln der Menschen, die wir, wenn auch nur für kurze Zeit glücklich machen können, entlohnt uns dafür“, so die Vorstandsvorsitzende.

 Einen Teil der 25.000 Euro soll für eine Spezialbehandlung für ein schwerbehindertes Kind eingesetzt werden.Das Geld, das der Verein für die Erfüllung der Herzenswünsche benötigt, stammt aus Spenden. „Die Menschen unterstützen uns gern, weil wir das, was wir machen bei Facebook sehr transparent darstellen“, so Daniela Lieberwirth. Der Verein lasse die Familien ihre Geschichte erzählen und welche Glücksmomente sie bei der Erfüllung ihres Herzenswunsches erlebt haben.

Erika und Wolfgang Janasek aus Waldheim sind glücklich, dass es ihrer Urenkelin besser geht. Gespannt schauten sie sich den Beitrag zur Verleihung der Goldenen Henne an.
Erika und Wolfgang Janasek aus Waldheim sind glücklich, dass es ihrer Urenkelin besser geht. Gespannt schauten sie sich den Beitrag zur Verleihung der Goldenen Henne an. © Dietmar Thomas

Das große Schweigen

Weil der Verein die „Goldene Henne“ am vergangenen Freitag überreicht bekam, durfte vorher niemand von den Dreharbeiten mit Familie Riedel erfahren – auch Uroma und Uropa in Waldheim nicht. Alle haben dicht gehalten – bis zum Anruf.

„Wir haben uns so gefreut. Es ist toll, dass es Menschen gibt, die so etwas auf die Beine stellen“, sagte Erika Janasek. Bei ihr und ihrem Mann wird Familie groß geschrieben. Mindestens aller 14 Tage ist ein Treffen angesagt. Täglich kommen auf dem Handy von Oma Erika, wie sie von allen genannt wird, Fotos und aktuelle Meldungen an.

Trotz der vielen schönen Erlebnisse wissen alle, dass ihnen noch ein schwieriger und langer Weg bevorsteht. Doch sie sind voller Hoffnung, dass alles wieder in Ordnung kommt. Für den Fall, dass schnell gehandelt werden muss, wird immer noch nach einem Spender gesucht

Eltern und Geschwister kommen nicht infrage, da die genetische Übereinstimmung zu gering ist. In der Datenbank der DKMS gibt es derzeit keinen idealen Spender für Alena.

Die Online-Registrierung erfolgt im Internet unter www.dkms.de/de/better-together/alena.

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