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„Ständige Maskenpflicht sehen wir kritisch“

Die verschärften Corona-Schutz-Maßnahmen treffen nun auch die Schulen in Mittelsachsen. Der Kreiselternrat begrüßt nicht jede Regel.

In Gebieten mit hohen Corona-Fallzahlen müssen zukünftig alle Schüler ab der siebten Klasse eine Maske tragen.
In Gebieten mit hohen Corona-Fallzahlen müssen zukünftig alle Schüler ab der siebten Klasse eine Maske tragen. © dpa

Mittelsachsen. Aufgrund der noch immer hohen Corona-Fallzahlen in Mittelsachsen geraten nun auch die Schulen immer mehr in den Fokus. Die Rede ist von Einschränkungen im Präsenzunterricht und einer Ausweitung der Maskenpflicht. Doch was sagen die Eltern dazu? Sächsische.de sprach mit der Vorsitzenden des Kreiselternrates Mittelsachsen, Nicolle Möller.

Begrüßen Sie es als Kreiselternrat (KER), dass der Freistaat Sachsen bisher am normalen Betrieb der Schulen festgehalten hat?

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Die Eltern sehen die Weiterführung des regulären Schulbetriebes um jeden Preis kritisch. Nach wie vor steigen die Infektionszahlen an den Schulen. Mit der neuen Allgemeinverfügung, die am 1. Dezember in Kraft tritt, werden die Schulen bei ihren Bemühungen, die Kinder und das Personal zu schützen, unterstützt.

Wie stehen Sie zu einem Wechselmodell, im Zuge dessen die Klassen geteilt werden und wechselweise zu Hause beziehungsweise in der Schule lernen?

Mit dem Modell wird großer Druck von den Schulen und Schulleitern genommen und die Schüler der weiterführenden Schulen haben die Möglichkeit, sich an die Mindestabstände zu halten und somit einer Infektionsverbreitung vorzubeugen. Den Pädagogen und Schülern wird Vertrauen entgegengebracht. Sie können jetzt zeigen, was sie aus dem Lockdown im letzten Schuljahr gelernt haben. Wir Eltern werden unsere Kinder bestmöglich unterstützen.

Sollte die Maskenpflicht im Unterricht für alle Schüler ausgeweitet werden?

Eine ständige Maskenpflicht in den Schulen betrachten wir kritisch. Die Kinder müssen mehrmals am Tag die Masken wechseln, da diese durch die Atemluft feucht werden. Die entstehenden Kosten sind nicht von der Hand zu weisen.

Klausuren, Klassenarbeiten oder Abiturprüfungen mit dem Mund-Nasen-Schutz zu schreiben, ist schwierig. Im Selbstversuch habe ich verschiedene Arten getestet. Die oberen Ränder liegen im Sichtfeld der Schüler.

Nicolle Möller ist die Vorsitzende des Kreiselternrates. Ihre beiden Töchter besuchen das Gymnasium in Brand-Erbisdorf.
Nicolle Möller ist die Vorsitzende des Kreiselternrates. Ihre beiden Töchter besuchen das Gymnasium in Brand-Erbisdorf. © privat

Wie betrachtet der Kreiselternrat die vorgezogenen Weihnachtsferien?

Wir sehen in der zweitägigen Verlängerung der Ferien keine nachhaltige Maßnahme, den Kindern 2021 einen sicheren Schulbesuch zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, sollten die an einen Tisch geholt werden, von und mit denen Schule lebt, nämlich Vertreter der Lehrer, Schüler und auch Eltern. All diese Personen sind jeden Tag am Geschehen und können mit ihren Erfahrungen zu einer für alle verträglichen Unterrichts- und Schulgestaltung in dieser herausfordernden Zeit beitragen.

Wir fordern stimmige Konzepte, die unsere Kinder schützen. Dazu gehört, dass nicht nur im privaten Umfeld die sozialen Kontakte eingeschränkt werden, sondern auch der Schülerverkehr noch umfangreicher entzerrt und den vorherrschenden Pandemiebedingungen angepasst wird.

Die Schule muss ein sicherer Ort werden. Dies kann nur gelingen, wenn ein Wechsel zwischen digitalem und Präsenzunterricht in kleineren Klassen stattfindet.

Regiobus Mittelsachsen setzt zur Verstärkung einzelner Fahrten bereits weitere Fahrzeuge ein. Entlastet das?

Der Einsatz von sechs Bussen, die Regiobus jetzt mehr einsetzt, ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die meisten weiterführenden Schulen in Mittelsachsen leben von ihren Fahrschülern. Das sind oft die einzigen Verbindungen, die übervoll besetzt sind.

Es ist zu prüfen, ob Unternehmen, die aufgrund der Pandemie ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und die Busse stilllegen mussten, eingesetzt werden können.

Gab es aus Sicht der Eltern eine positive Entwicklung in Bezug auf das HomeSchooling?

Schon während des Lockdowns im letzten Schuljahr gab es Schulen, bei denen das Home-Schooling unproblematisch verlief, ebenso wie Schulen, bei denen diese Form der Unterrichtsvermittlung mit massiven Problemen behaftet war.

Ähnlich stellt sich die Situation jetzt dar. Die Lernplattform Lernsax gibt den Pädagogen und Schülern die Möglichkeit, unproblematisch und sicher miteinander zu kommunizieren und Lerninhalte zu vermitteln beziehungsweise zu bearbeiten.

Jeder Lehrer und Schüler in Sachsen hat einen Zugang mit E-Mail-Adresse erhalten. Nun liegt es an jedem selbst, mit dem vorhandenen Rüstzeug adäquat umzugehen.

Ist es den Schulen gelungen, den versäumten Stoff wieder aufzuarbeiten?

Den Unterrichtsstoff aufzuarbeiten ist etwas anderes als den Unterrichtsstoff zu verstehen. Wir beobachten, dass im neuen Schuljahr Themen im Schnelldurchlauf abgearbeitet werden, ein Leistungsnachweis erbracht wird, um dann möglichst schnell das nächste Thema zu bearbeiten.

Wir sehen die Gefahr, dass es auch dieses Schuljahr Schüler gibt, die aufgrund der veränderten Lernbedingungen das Klassenziel nicht erreichen und womöglich ohne Abschluss die Schule verlassen müssen.

Es müssen vom Kultusministerium in Zusammenarbeit mit den Landesämtern für Schule und Bildung und Vertretern der Schulen Lösungswege erarbeitet werden, um solche Schüler aufzufangen und zu unterstützen.

Die Verbandsversammlung des Kreiselternrates, die für November geplant war, ist abgesagt worden. Welche Themen standen auf der Tagesordnung?

Die Entscheidung, die Vollversammlung Anfang November abzusagen, war eine Entscheidung für unsere Sicher- und Gesundheit. Neben der Wahl der Delegierten in den Landeselternrat war hauptsächlich Zeit für den Austausch über Erfahrungen des letzten Schuljahres und ein Ausblick auf die Weiterführung des Unterrichts unter Pandemiebedingungen in diesem Schuljahr geplant. Eingeladen war die Referatsleiterin des Referats Bildung in Mittelsachsen Frau Carmen Randhahn-Renner.

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