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Von der Bühne an den Schreibtisch

Max von Gluchowe ist seit 1994 hauptberuflicher Künstler. Doch ab 2021 wechselt er zum Deutschen Roten Kreuz.

Schon mehrfach hat Max von Gluchowe (dritter von links) mit seiner Combi Pampatutti beim Döbelner Heimatfest mit mittelalterlicher Musik die Zuschauer verzaubert. Auch im kommenden Jahr will er das wieder tun. Allerdings hat er dann das hauptberufliche D
Schon mehrfach hat Max von Gluchowe (dritter von links) mit seiner Combi Pampatutti beim Döbelner Heimatfest mit mittelalterlicher Musik die Zuschauer verzaubert. Auch im kommenden Jahr will er das wieder tun. Allerdings hat er dann das hauptberufliche D © Pampatutti

Region Döbeln. Und plötzlich war da Nichts mehr. Als die Pandemie im Frühjahr ihren Anfang nahm und alles, was Kultur betraf, beendet wurde, war das auch für Max von Gluchowe ein starker Einschnitt. Seit 14 Jahren ist der 49-jährige freischaffende Künstler, als Musiker und Entertainer auf Mittelaltermärkten präsent. Bereits mehrfach war er beim Döbelner Heimatfest mit von der Partie. Doch seinen Beruf hängt der Vater einer inzwischen 18-jährigen Tochter jetzt an den Nagel. Wegen Corona.

„Im Januar werde ich hauptberuflich beim Deutschen Roten Kreuz anfangen, aber nicht im Rettungsdienst, sondern im Verwaltungsbereich“, schildert von Gluchowe. Anstatt nur als Solokünstler oder Teil seines Duos Pampatut sowie der Gruppe Pampatutti mit mittelalterlicher Musik auf den Bühnen zu stehen, wird er zukünftig mehr am Schreibtisch sitzen. Er werde eine Sanitäterausbildung absolvieren und wolle später selbst Schulungen durchführen.

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Plötzlich wertlos gefühlt

Mit kleineren Jobs hat sich der Künstler in diesem Jahr bisher über Wasser gehalten. Denn Unterstützung vom Amt gab es für ihn nicht. Aufgrund ihrer beruflichen Situation benötigt die Familie zwei Wohnungen. „Dadurch habe ich kein Hartz-IV bekommen“, so von Gluchowe.

Als sich mit der Kunst kein Geld mehr verdienen ließ, fand er zunächst noch eine Beschäftigung im Security-Bereich. „Das war ein sehr undankbarer Job“, berichtet der Musiker. Bis Ende des Jahres ist der 49-Jährige noch in einem Baumarkt tätig, auf geringfügiger Basis. Dort kümmert er sich zurzeit um den Verkauf der Weihnachtsbäume.

Dass der ehemalige Soloselbstständige in dem Markt zumindest für dieses Jahr Fuß fassen konnte, dafür ist er sehr dankbar. Als er fürs Publikum keine Musik mehr machen durfte, habe er sich erst einmal wertlos gefüllt. „Mein Beruf war für mich eine Berufung. Von heute auf morgen hatte ich plötzlich keine Wertigkeit mehr. Aber die ist wichtig. Jetzt, im Baumarkt, da habe ich wieder das Gefühl, gebraucht zu werden“, beschreibt der Glauchauer. Auch aus diesem Grund musste er sich nun einen festen Job suchen.

Dass er beim DRK gelandet sei, sei mehr oder weniger Zufall gewesen. Die Stelle wurde zur richtigen Zeit ausgeschrieben. Den Bezug hatte der 49-Jährige schon zuvor, hat sich als Ehrenamtler engagiert, unter anderem bei den Vorbereitungen für die Blutspende mitgeholfen. „Neuland ist das für mich daher nicht.“ Er werde beim DRK auch weiterhin beruflich viel mit Menschen zu tun haben. Und das sei ihm wichtig.

Die Kunst wird zum Nebenjob

Doch was ist mit der Kunst? Was ist mit seinen beiden Bands?Die Musik, sie war bisher der Hauptbestandteil seines Lebens. Seit 1996 hat er sich damit seinen Lebensunterhalt verdient. „Musik hab ich schon vor 1994 gemacht, aber dann angefangen, Gitarrenlaute zu spielen“, erzählt er.

Bei einem Event auf Burg Schönfeld sei er schließlich gefragt worden, ob er für einen ausgefallenen Musiker einspringt. „In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich das gemacht, und Blut geleckt.“ Seitdem habe er sich zu einem „gefragten Spezialisten für historische Unterhaltungsprogramme“ entwickelt, heißt es in der Beschreibung des Künstlers auf der Internetseite der Band Pampatutti. Sein Kennzeichen sei eine Trilogie von Musik, Schauspiel und Animation.

Auch im kommenden Jahr will Max von Gluchowe mit Pampatutti unter anderem wieder beim Döbelner Heimatfest auftreten, aber auch mit seinem Duo Pampatut und als Solokünstler aktiv sein. Die Musik werde er nicht aufgeben, trotz des neuen Jobs. Er hofft zumindest, dass es 2021 auch mit der Kunst „wieder losgehen kann.“

„Aber ich habe auch große Angst davor, dass alle Beschränkungen verlängert werden und die Veranstalter es nicht überleben, dass alles noch länger auf null heruntergefahren wird.“ Zu seinem Metier gehörte es bisher auch, in gastronomischen Einrichtungen Ritteressen durchzuführen. Aber ob dies wieder möglich sein wird, das könne keiner sagen.

Und gerade diese Unsicherheit sei es auch, die viele Leute zurzeit unzufrieden mache. „Es gibt kein Ventil, keinen Ausgleich mehr. Keine Vereine. Kein Sport. Keine Kunst und Kultur. Aber das macht doch auch Lebensqualität aus“, sagt von Gluchowe. Für ihn seien diese Bereiche daher auch systemrelevant.

Und kann er sich vorstellen, einmal wieder in die Selbstständigkeit zurückzukehren? „Das glaube ich nicht mehr. Man hat immer das Gefühl nicht systemrelevant zu sein, nicht anerkannt zu werden, obwohl man die ganze Zeit ein guter Steuerzahler war.“ Vor allem jetzt fühle er sich, wie viele andere Künstler, alleingelassen und enttäuscht.

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