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Farbe auf grauem Beton: Graffiti-Künstler sprühen in Döbeln

An der Fichtestraße sprühen Graffiti-Künstler ganz legal. Das ist sonst in Döbeln schwierig.

Sprüher Stefan kommt aus Berlin und wurde zu der Veranstaltung in Döbeln eingeladen.
Sprüher Stefan kommt aus Berlin und wurde zu der Veranstaltung in Döbeln eingeladen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Stefan hatte die weiteste Anreise. Jetzt steht der Berliner vor einem verschnörkelten Schriftzug an einer Betonwand, tritt ein paar Schritte zurück für den Gesamteindruck, zieht mit der Spraydose gekonnt eine weiße Linie nach, setzt daneben eine neue. Stefan, der seinen Nachnamen nicht nennen will, ist einer von etwa 40 Sprayern, die die grauen Wände am Parkplatz des WelWel an der Fichtestraße in eine Freilichtgalerie verwandeln.

Das Sprühen betreibt er professionell. „Ich bin selbstständiger Fotograf und betreibe als zweites Standbein Wandgestaltung für Firmen und Privatleute“, erzählt er. Corona hatte auch die Sprüherszene lahmgelegt. Aber jetzt gebe es wieder Veranstaltungen, erzählt er. „Manchmal muss man sich bewerben. Manchmal hat man das Glück, eingeladen zu werden.“

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Regenpausen wurden in Döbeln genutzt

Die Sprüher in Döbeln sind alle eingeladen worden, sagt Lukas Spreer, der zusammen mit Tom Händler und Christoph Krämer die Veranstaltung organisiert hat. Mit Bangen hatten die drei auf die Wetter-App geschaut. Zumindest am Sonnabend sind die schlimmsten Befürchtungen eingetreten. Den ganzen Tag über hatte es geregnet. „Aber keiner hat abgesagt. Wir haben dann eben die Regenpausen genutzt“, sagt er.

Nass wurde keiner, denn neben dem Getränkewagen war ein kleines Bierzelt aufgebaut, unter das die Graffiti-Künstler vor dem Regen flüchten konnten. Am Sonntagnachmittag wurde das Wetter dann doch noch, wie es werden sollte.

Da hatten die meisten Sprayer ihre Arbeiten schon fertig. Stefan zog die letzten Linien ohne Unterbrechung. „Gestern konnte ich mal zehn Minuten am Stück sprühen und musste dann wieder unters Zeit. Das war ein ständiges Ein- und Auspacken.“

Die Farben stellte der Veranstalter den Sprühern zur Verfügung. Die Herstellerfirma hatte sie günstig abgegeben. Etwas hatte auch die Sparkasse Döbeln dazugegeben, der Rest wurde privat von den Veranstaltern finanziert, sagte Lukas Spreer.

Die Sparkasse ist zum Dank mit zwei Logos an einem Döbeln-Graffiti an der Fichtestraße verewigt. Spreer hatte es schon in den vergangenen Tagen gesprüht, um als Gastgeber am Wochenende Zeit zu haben.

Die Veranstaltung war auch professionell gefilmt worden. Bis der Streifen aber geschnitten und auf verschiedenen Kanälen veröffentlicht ist, werde es noch eine Weile dauern, so Spreer.

Sprühernachwuchs an der Übungswand

Am Sonntag kam dann auch noch der Sprühernachwuchs zu seinem Recht. An der Übungswand konnten die Kinder selbst zur Dose greifen. „Damit sie merken, wie schwierig es ist, eine Linie an die Wand zu bringen. Das ist ein Handwerk, das hier ausgeübt wird“, sagte Spreer.

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Legal ist das Sprühen in Döbeln schwierig. Die Wände an der Fichtestraße hatte das WelWel zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gebe es keine legalen Wände in der Stadt, stellte Spreer fest. „Es wäre schön, wenn wir durch unser Projekt die Stadt darauf aufmerksam machen. Jeder Sprüher freut sich über legale Wände“.

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