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Leisniger schmücken für ein Phantom-Fest

Der Aufruf des Heimatvereins ist "angekommen". Ein paar Anwohner könnten sich allerdings gern noch beteiligen - auch in den Ortschaften.

Hätte Leisnig in diesen Tagen den 975. Jahrestag der Ersterwähnung der Stadt feiern können, wären die Männer der Stadtwache zweifelsfrei dabei gewesen. Die Stadt auch ohne großes Fest zu schmücken, dazu hat der Heimatverein aufgerufen.
Hätte Leisnig in diesen Tagen den 975. Jahrestag der Ersterwähnung der Stadt feiern können, wären die Männer der Stadtwache zweifelsfrei dabei gewesen. Die Stadt auch ohne großes Fest zu schmücken, dazu hat der Heimatverein aufgerufen. © Dietmar Thomas

Leisnig. Mindestens 975 Jahre ist es jetzt her, dass der Stadtname Leisnig auf Urkunden aufgetaucht ist. Das wäre für viele Einwohner ein Grund zum Feiern gewesen. Doch die Corona-Pandemie lässt das nicht zu. Trotzdem soll der Stadtgeburtstag nicht sang- und klanglos untergehen.

Das findet nicht nur der Vorstand des Geschichts- und Heimatvereins. Einige Leisniger folgten dessen Aufruf und zeigen mit geschmückten Häusern, Vorgärten und Schaufenstern: Ja, wir denken an das Jubiläum, auch wenn es nicht groß gefeiert wird. Zu einem möglichen Altstadtfest Ende August ist ein kleiner Festakt oder etwas Ähnliches noch nicht vorm Tisch. „Wir werden irgendetwas machen“, sagte Bürgermeister Tobias Goth (CDU), ohne ins Detail zu gehen.

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Wegen dieses Ausblicks bitten die Initiatoren, nicht nur im Juni zu schmücken, sondern möglichst so zu dekorieren, dass Einheimische und Besucher auch im August noch Freude an diesem Festkleid haben. Der Schmuck sollte also witterungsbeständig sein. Die Heimatfreunde freuen sich über weitere Beteiligungen, die teils schon zugesagt sind.

Klaus-Dieter Reißmann hat den Anfang gemacht und seine Stadtfestdeko von 1996 hervorgekramt, aufpoliert und wieder angebracht.
Klaus-Dieter Reißmann hat den Anfang gemacht und seine Stadtfestdeko von 1996 hervorgekramt, aufpoliert und wieder angebracht. © Lars Halbauer

"Einer muss ja anfangen“, sagt Klaus-Dieter Reißmann lachend, nachdem er ein selbst gestaltetes, überdimensionales Stadtwappen an der Fassade seines Hauses an der Chemnitzer Straße angebracht hat.

Ab 20. Juni soll das Wappen in den Abendstunden auch beleuchtet werden. Das kommt nicht vor ungefähr. Denn Mitte Juni 1996 haben die Leisniger mit großem Aufwand und ebenso großem Erfolg den 950. Jahrestag der Ersterwähnung gefeiert.

Wer noch etwas mehr Zeit braucht, um seine Schmückungsideen umzusetzen, der muss jetzt zumindest deshalb nicht ins Schwitzen geraten. Denn die älteste bisher bekannte Urkunde, auf der der Stadtname steht, ist auf den 8. Juli 1046 datiert. Kaiser Heinrich der III. hat die Stadt damals seiner Frau geschenkt.

Zum Schmücken kann, wie es Klaus-Dieter Reißmann auch getan hat, noch verwendet werden, was von der 950-Jahrfeier vorhanden ist. Er hat das Wappen ein wenig mit Farbe aufgefrischt und zusätzlich mit LEDs versehen.

Familie Schulze aus Meinitz hat Strohpuppen auf ihrem Grundstück platziert. Sie wünscht sich, dass dem Beispiel noch viel Einwohner Leisnigs und der Ortsteile folgen.
Familie Schulze aus Meinitz hat Strohpuppen auf ihrem Grundstück platziert. Sie wünscht sich, dass dem Beispiel noch viel Einwohner Leisnigs und der Ortsteile folgen. © privat

Auch in den Ortsteilen beteiligen sich Anwohner an der Aktion. Dazu gehören Katrin und Rüdiger Schulze aus Meinitz. „Wir verfolgen die Artikel zur Erinnerung an das verschobene Heimatfest in Leisnig und den diesbezüglichen Aufruf unseres Heimatvereines“, sagt Schulze, der auch Stadtrat und in diesem als Vorsitzender der CDU-Fraktion tätig ist.

„Wir haben bei uns auch ein kleines Strohpuppenensemble dekoriert“, so der Meinitzer. Er und auch seine Nachbarn würden sich freuen, wenn sich noch mehr Einwohner die Mühe machen und festlich dekorieren würden. „Es wäre doch in dieser Zeit mal wieder ein Zeichen der Verbundenheit, wenn sich viele mit unserem schönen Ort identifizieren und diese schöne Aktion begleiten“, so Katrin und Rüdiger Schulze.

„Wir hoffen natürlich, dass wir dann das Heimatfest noch nachholen können.“ Dazu ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. In den nächsten Tagen geht es erst einmal darum, ob und in welcher Form es ein Altstadtfest 2021 gibt.

Im Schaufenster des ehemaligen Gästeamtes an der Kirchstraße ist eine kleine Sammlung dessen zu sehen, was sich Leisniger als Erinnerung an zurückliegende Jubiläen aufgehoben haben.
Im Schaufenster des ehemaligen Gästeamtes an der Kirchstraße ist eine kleine Sammlung dessen zu sehen, was sich Leisniger als Erinnerung an zurückliegende Jubiläen aufgehoben haben. © Dietmar Thomas

Die Kirchstraße könnte im Moment auch Museumsstraße heißen. In mehreren Schaufenstern können Passanten Interessantes entdecken, so zum Beispiel Erinnerungsstücke an altes Handwerk, das es früher einmal in Leisnig gegeben hat. Das hat Klaus-Dieter Reißmann namens der Handwerkerstraße, die sich bei Altstadtfesten regelmäßig auf dem Burglehn präsentiert, zusammengetragen und als Heimafestbeitrag dekoriert.

Nur ein paar Schritte weiter lohnt es sich, am Schaufenster des ehemaligen Gästeamtes stehen zu bleiben. Dort hat sich Bibliotheksleiterin Kerstin Otto als „Museologin“ versucht. Zu sehen ist, was Sammler von zurückliegenden Jubiläen aufbewahrt haben.

Darunter ist Kurioses wie ein Trinkbecher, der mehr Inhalt „schluckt“, als zu sehen ist. Der ist vor 25 Jahren extra für die Feier in Leisnig in der Keramikwerkstatt Rückert in Großpelsen angefertigt worden. An Museen schließen sich das Technikmuseum Andrä, das Stiefelmuseum und Burg Mildenstein an.

Gabi Janke (links) hat ihrer Schwester Katrin Gaumnitz bei der Gestaltung der Schaufenster des früheren Schlecker-Marktes geholfen. Dort zeigt Katrin Gaumnitz auch, womit sie ihre Freizeit verbringt: mit Aquarellmalerei. Darunter sind auch Heimatmotive..
Gabi Janke (links) hat ihrer Schwester Katrin Gaumnitz bei der Gestaltung der Schaufenster des früheren Schlecker-Marktes geholfen. Dort zeigt Katrin Gaumnitz auch, womit sie ihre Freizeit verbringt: mit Aquarellmalerei. Darunter sind auch Heimatmotive.. © Dietmar Thomas

In den Schaufenstern des ehemaligen Schlecker-Marktes an der Niedermarktgasse herrscht nicht mehr gähnende Leere. Dafür hat Hausbewohnerin Katrin Gaumnitz (rechts) gesorgt. Dem Aufruf des Heimatvereins folgend, hat sie sich dafür entschieden, das Leisniger Stadtwappen mit dem Gründungs- und dem Jubiläumsjahr zu zeigen.

Überdies hängen in beiden Schaufenstern einige Zeichnungen, die die Physiotherapeutin in ihrer Freizeit angefertigt hat. Unter anderem ist die Burg Mildenstein zu sehen – in Acryl. Solche Farben nimmt Katrin Gaumnitz, wenn es um ihr Hobby geht, am liebsten zur Hand.

Beim Gestalten der Schaufenster half ihre Schwester Gabi Janke. Sie wohnt zwar nicht mehr in der Stadt, kommt aber immer gern „nach Hause“, wenn ein Altstadtfest ansteht. Die Jubiläumsfeier hätte sie genau so wenig verpassen wollen. Deshalb werden sich die Schwestern den möglichen Ersatztermin vormerken. Bis dahin bleibt auch die Jubiläumsdeko im Schaufenster.

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