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Döbeln

So kommt mehr Kultur nach Roßwein

Ein mobiler Kulturkreis will weitere Angebote organisieren. Auf dem Hartenberg soll wieder gesungen werden. Auch ein Ehrenamtscafé ist im Gespräch.

Das Hartenbergsingen war jahrelang Tradition in Roßwein und bei vielen Chören der Region. In viel kleinerer Form und etwas anders konzipiert soll es wieder aufleben, so die Idee.
Das Hartenbergsingen war jahrelang Tradition in Roßwein und bei vielen Chören der Region. In viel kleinerer Form und etwas anders konzipiert soll es wieder aufleben, so die Idee. © Archiv/Döbelner Anzeiger

Roßwein. Eine Debattierrunde ist das Zukunftsforum am Mittwochabend nicht geblieben. Vielmehr gab es mit einem spontan gegründeten mobilen Kulturkreis - so der vorläufige Arbeitstitel - auch gleich ein Ergebnis zum Thema Kultur. 

Damit hatten sich die Ehrenamtlichen an diesem Abend fast ausschließlich beschäftigt. In der Zukunftswerkstatt arbeiten vor allem, aber nicht ausschließlich Vertreter von Vereinen und durchaus auch schon einige Künstler mit. Offen steht sie allen, die am Vorwärtskommen Roßweins und der Ortsteile interessiert sind.

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Ansprechpartner für den neuen Kulturkreis sind Astrid Sommer vom Bürgerhausteam sowie Alexej Vancl, Schauspieler im Roßweiner Figurentheater und Gründungsmitglied des Vereins Freiraum, der im vergangenen Jahr in Roßwein ins Leben gerufen wurde und die Förderung von Kunst und Kultur im ländlichen Raum zum Ziel hat.

Kultur anbieten, aber auch annehmen

Für die einen ist "nüscht los in Roßwein", dem anderen fehlen Angebote, die ihn interessieren. Zwischen 150 und 180 Veranstaltungen können Roßweiner und Gäste jedes Jahr nutzen, hat Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) einmal recherchiert - in normalen Jahren, ohne Einschränkungen durch Corona.

"Da ist natürlich das Skatturnier genauso dabei wie ein Handarbeitsnachmittag und der Kabarettabend", so der Rathauschef. Zwei Probleme haben sich trotz der Vielfalt herauskristallisiert: Es muss sich jemand vor den Karren spannen, also organisieren und gegebenenfalls auch mal ein Risiko eingehen, und die Leute müssen Angebote auch annehmen. 

Letzteres sei so eine Sache. Aber in Roßwein durchaus kein aussichtsloses Unterfangen, wie Lindner meint. Das beweise der Dreiklang: Eine kleine Konzertreihe zwischen Rathaus und Kirche als Ersatz dafür, dass es 2020 kein Weinfest gibt, spontan von der Kommune organisiert. "Wir brauchen mehr Macher", so Lindners Resümee.

Ein Trägerverein wäre schön

Für Astrid Sommer ist es die Vielfalt der kleinen Dinge, die Roßwein kulturell ausmachen. "Wir haben keine Hochglanzveranstaltungen, brauchen wir möglicherweise auch gar nicht", meint sie. 

Was ihrer Meinung nach fehlt, ist ein kleines Café, in das man als Familie oder Freundeskreis gehen, abends noch ein wenig zusammensitzen, Musik hören, plaudern und etwas trinken kann. Sie könne sich vorstellen, dass die Roßweiner so etwas wirklich vermissen und auch deshalb ein wenig unzufrieden sind.

Das Café könnte durchaus von Ehrenamtlichen geführt werden, gern auch in Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Diakonie oder dem Verein Freiraum. Eventuell gebe es dafür zunächst eine Fördermöglichkeit, bis sich vielleicht sogar die Chance auftut, eine feste Stelle zu schaffen.

Nächste Schritte überlegen

Astrid Sommer und Alexej Vancl wollen als nächstes überlegen, wem sie ansprechen und dafür gewinnen können, kleinere Kulturprojekte in Roßwein und gegebenenfalls auch den Ortsteilen anzubieten. 

Ein fester Ort für den Kulturkreis, dessen Angebote und später möglicherweise auch einen Trägerverein wäre für Nina Pohl, in Roßwein lebende Autorin und Musikerin, aber trotzdem wichtig. 

Leerstehende und für einmalige Angebote nutzbare Objekte gibt es wohl einige. Für eine dauerhafte Nutzung kommen allerdings nur wenige infrage - zumindest ohne vorher viel Geld zum Beispiel in das Erfüllen von Brandschutzauflagen stecken zu müssen.

Zunächst kleine Veranstaltungen mit wenig Aufwand

Als Bürgerhausteam haben Astrid Sommer und Franziska Riedel schon eine Menge Erfahrungen im Planen von Veranstaltungen gesammelt. Eine nächste Idee soll möglichst noch im September umgesetzt werden. "Wir haben uns überlegt, ein wenig an die Tradition des Hartenbergsingens anzuknüpfen", erzählte Astrid Sommer. 

Auf Einladung von damals noch zwei Roßweiner Chören haben fünf bis sechs Chöre aus der Region auf einer Freisitzfläche auf dem Hartenberg mitten im Wald und später in der Kirche Roßwein angestimmt.

Eher als Singekreis bezeichnet Astrid Sommer das, was sie sich jetzt vorstellt. Für vielleicht 50 Zuhörer und Mitsänger, auch wegen der Corona-Regelungen. Ein noch zu findender Musiker, vorzugsweise ein Gitarrist, sollte vielleicht ein paar Titel anstimmen, eventuell auch mal den einen oder anderen Wunschsong spielen. Die Wirtsleute der Hartenbergbaude haben schon spontan zugesagt, die Gastronomie zu übernehmen und die sanitären Anlagen zur Verfügung zu stellen. 

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