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Kontrabass im Sitzen, vier Hände an der Gitarre

„Schalmei, Pipe & Co“ stand eigentlich auf dem Programm in Kloster Buch bei Leisnig. Mit Musik und Witz entschädigte die kleine Alternative.

Die Fiddle Folk Family begeisterte das Publikum im Kloster Buch. Foto: Dietmar Thomas
Die Fiddle Folk Family begeisterte das Publikum im Kloster Buch. Foto: Dietmar Thomas © Dietmar Thomas

Von Claudia Erbert

Leisnig/Klosterbuch. Wenn mir vor ein paar Monaten jemand gesagt hätte, dass ich im Juli eine Veranstaltung mit tausend Leuten machen darf, sagte Miskus-Geschäftsführer Jörn Hänsel.

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Doch während des Lockdowns überwog die Unsicherheit. Musiker, die bei „Gugge ma – Schalmei, Pipe & Co." aufgetreten wären, hätten nicht sagen können, ob sie aufgrund schwieriger oder ausgefallener Proben spielfähig gewesen wären.

„Darum haben wir die große Veranstaltung abgesagt“, erklärt Hänsel. Der Mittelsächsische Kultursommer (Miskus) organisiert die Veranstaltung im Kloster.

„Aber ganz ohne Musik sollte es nicht gehen, darum haben wir den Bands, die rund um die Schalmeinen gespielt hätten, die Chance zum Auftritt gegeben und auch der Frühschoppen mit dem Brass und Swing-Orchester Ottendorf kann wie geplant stattfinden.“

Der jüngste mit der größten Klappe

Und so sind es am Wochenende statt drei- bis viertausend Besucher zur Guggemusik nur knapp 200 Gäste, die handgemachte Folkmusik hören wollen. Vielleicht auch, weil die Werbung ungewohnt klein ausgefallen ist.

Doch allen Künstlern ist anzumerken, wie sehr sie sich freuen, wieder auf der Bühne zu stehen und werden sie mit reichlich Applaus und Zugabe-Rufen belohnt.

Die „Fiddle Folk Family“, Vater, Mutter und Söhne an Geigen, Gitarren, diversen Flöten und Pfeifen sind keine Unbekannten und begeistern das Publikum wieder mit derb-lustigen Sprüchen, wobei sie sich fast immer selbst auf die Schippe nehmen, und einer breiten Palette an irischen Tänzen, Bluegrass und Countrymusik.

Felix, dem jüngsten Sohn, wird seit Jahren nachgesagt, seine Köpergröße stünde im Gegensatz zu seiner großen Klappe. Und so kann er es auch nicht lassen, das Solo des Vaters zu torpedieren. Erst rückt er ihm auf die Pelle, zieht sich immer wieder das Mikrofon auf seine Seite, singt dazwischen und fängt dann auch noch an, in die Saiten der Gitarre zu greifen.

Was nach einem spontanen Scherz aussieht, hat sicher viel Übung gebraucht, denn beiden spielen vierhändig auf der Gitarre, zeitweise sogar verschiedene Songs. Das Publikum ist begeistert.

Solo fast ohne Instrumente

Doch auch Tim „Doc Fritz“ Liebert weiß mit Witz zu überzeugen. Anders als geplant tritt er alleine auf und hat aufgrund der spontanen Absagen seiner Kollegen auch fast keine Instrumente dabei.

„Ich habe mir von den Roadbrothers ein Banjo ausgeliehen, aber ich konnte ja nicht noch nach einer Gitarre fragen“, so der „Solist“. Kann er doch und schnell gibt ihm Stephan von der Folk Family sein Instrument. Immer wieder überrascht er auch musikalisch, spielt ein ewiges Intro und lässt raten: „Na, was wird der bärtige Mann spielen?“

Es wird „Auf der Mauer, auf der Lauer“ sein und die Gäste singen begeistert mit. „Das wollten wir eigentlich auch noch spielen, aber wir sind ja gewohnt, dass wir kopiert werden“, scherzt Alexander Bäurich von den Roadbrothers.

Die beweisen einmal mehr, dass sie echte Musiker sind und sich von nichts aus dem Konzept bringen lassen. Egal ob Sebastians Mikro nach vorn klappt und er ihm folgend fast im Liegen Banjo spielt und singt oder das Gitarrenband reißt – die Roadbrothers ziehen durch.

Nicht ohne viele Zugaben

Als Alex dann im Sitzen spielen will, weil das geknotet Band viel zu kurz ist („Ich war meiner Gitarre noch nie so nah“), setzen sich auch die anderen beiden, Christian Trautmann legt seinen riesigen Kontrabass wie eine Gitarre über die Knie und spielt seitwärts. Einige Gäste können sich vor Lachen kaum auf den Bänken halten, denn zu seinen sonstigen Grimassen kommen jetzt noch akrobatische Verrenkungen.

Erst nach mehreren Zugaben zusammen mit den anderen Musikern werden sie gegen Mitternacht von der Bühne entlassen. „Erzählen sie ihren Nachbarn, was sie verpasst haben“, beschließt Jörn Hänsel nach einem Dank an die Musiker und das Kloster den Abend.

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