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Partnerschaft mit Landsberg: "Segen für Waldheim"

Seit 30 Jahren sind Landsberg und Waldheim verbandelt. Die Idee für die Partnerschaft wurde schon vor der Wende geboren.

Vor 30 Jahren hat der damalige Bürgermeister Karl-Heinz Teichert (rechts) die Partnerschaftsurkunde mit Landsberg unterzeichnet. Sie hängt jetzt im Rathaus neben dem Dienstzimmer von Bürgermeister Steffen Ernst.
Vor 30 Jahren hat der damalige Bürgermeister Karl-Heinz Teichert (rechts) die Partnerschaftsurkunde mit Landsberg unterzeichnet. Sie hängt jetzt im Rathaus neben dem Dienstzimmer von Bürgermeister Steffen Ernst. © Lars Halbauer

Waldheim. Es war vor 30 Jahren, Mitte Juni, in der Landsberger Kirche. Bei diesem Termin haben der damalige Waldheimer Bürgermeister Karl-Heinz Teichert (FDP) und sein Amtskollege Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle aus dem bayrischen Landsberg die Partnerschaftsurkunde in Landsberg unterzeichnet.

„Diese Verbindung war ein Segen für Waldheim“, sagt Karl-Heinz Teichert heute. Die Hilfe, die aus Bayern ins sächsische Waldheim kam, sei riesengroß gewesen.

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Bereits im November habe es ein die Partnerschaft betreffendes wichtiges Ereignis gegeben, sagt Bürgermeister Steffen Ernst (FDP). Denn im November 1990 ist die Partnerschaft in Waldheim besiegelt worden.

Corona durchkreuzt Pläne von Waldheim und Landsberg

„Eigentlich wollten wir uns mit den Landsbergern aus diesem Grund im vergangenen Jahr treffen. Wegen der Corona-Pandemie ist daraus aber nichts geworden“, so Ernst.

Seit Mai 2020 hat die bayrische Stadt eine neue Oberbürgermeisterin: Doris Baumgartl. „Leider konnte ich sie noch nicht persönlich kennenlernen“, so Ernst. Vor der Pandemie habe es regelmäßig Stammtische zu verschiedenen Themen gegeben. Auch die mussten jetzt ausfallen.

Gewürdigt werden soll die Partnerschaft anlässlich des runden Geburtstages aber trotzdem. Teichert und Ernst sind sich sicher: Hätte es diese Städtepartnerschaft nicht gegeben, wäre vieles ganz anders und vielleicht nicht so gut gelaufen.

Wenn Karl-Heinz Teichert an die ersten Jahre seiner insgesamt elfjährigen Amtszeit und die Verbindung zu Landsberg zurückdenkt, kommt er schnell ins Schwärmen. „Die Landsberger haben uns damals bei allem geholfen“, erzählt er.

Ärzte, Rechtsanwälte, Lehrer, Handwerker – aus nahezu jeder Branche seien Vertreter nach Bayern gereist und haben dort gelernt, wie die bis dato ungekannte Marktwirtschaft funktioniert. „Aber die Landsberger sind auch zu uns gekommen und haben vor Ort geholfen.“

Der FDP-Bundespolitiker Otto Graf Lambsdorff habe bei einem Besuch in der Zschopaustadt einmal gesagt, diese Partnerschaft sei beispielhaft für ganz Europa. „Es war ein Geben und Nehmen“, so Teichert heute.

Die Landsberger haben Waldheim auch finanziell unterstützt. Vieles sein in dieser Form heute gar nicht mehr machbar. Als Beispiele nennt Teichert den Bau von rund 850 Wohnungen oder des Waldheimer Gewerbegebiets. „Ich muss sagen, zu DDR-Zeiten wusste ich nicht, was ein Gewerbegebiet ist. Auch das musste ich erst lernen.“

Investoren standen 1991 Schlange

Zahlreiche Investoren hatten im Jahr 1991 angefragt, wo sie denn in Waldheim bauen könnten. „Da war schnell klar, wir brauchen ein Gewerbegebiet. Aber wir hatten kein Geld“, sagt er. „Die Bauern, die ihr Land dafür verkauften, wollten schnellstens ihre D-Mark haben und die Ansiedlung von Betrieben war ja hinsichtlich der Arbeitslosigkeit auch von der Stadt gewollt.“

Erschwerend sei dazugekommen, dass es für derartige Geschäfte in Ostdeutschland gar keinen Notar gab. Schließlich habe jemand einen holländischen Notar in Dresden ausfindig machen können. „Ich habe in Landsberg um die Entsendung des Kämmerers für die Unterstützung bei diesen schwierigen Verhandlungen gebeten, und sofort kam die Zusage“, so der Ex- Bürgermeister.

Im Eiltempo seien damals die Umgehungsstraße und die zweite Zschopauquerung, die sogenannte Niederstadtbrücke, in Waldheim geplant und gebaut worden. „Aus heutiger Sicht in der Kürze der Zeit undenkbar“, sind sich Ernst und Teichert einig. Wie in vielen Prozessen haben sich auch dafür die Landsberger eingesetzt.

Beide Städte haben viele Gemeinsamkeiten

Doch wie ist der Kontakt nach Bayern überhaupt zustande gekommen? Durch zwei Freunde aus Kinderzeiten, die in Waldheim lebten – Jost Handtrack und Dietmar Hack. Karl-Heinz Teichert bezeichnet die beiden in seinen „Waldheimer Heimatblättern“, die er anlässlich des 25. Jubiläums verfasst hat, als Väter der Städtepartnerschaft.

Josts Eltern verließen im Jahr 1958 die DDR. Der Junge war damals sieben Jahre alt. Während er in Bayern Fuß fasste, blieb Dietmar in Waldheim. Die beiden Freunde lebten in zwei Staaten, hielten aber Verbindung, trafen sich in Ungarn und hatten schließlich im Jahr 1987 – also noch vor der Wende – erste Gedanken einer Städtepartnerschaft. Bis zur Umsetzung dauerte es ein paar Jahre.

„Bei der Faschingsveranstaltung im Jahr 1990 in der Schelle habe ich als damaliger Präsident des Karnevalsclubs erstmals einem Landsberger gegenübergestanden, denn Jost Handtrack war meiner Einladung gefolgt.“

Wie Teichert erst später recherchiert hat, haben Waldheim und Landsberg einiges gemeinsam: Beide erhielten zur gleichen Zeit das Stadtrecht, und beide profitierten vor dem Mittelalter vom Salzhandel. Jede Stadt hat ihren Fluss und viel Wald rundherum. Die Eisenbahn wurde in beiden Städten zur gleichen Zeit gebaut und in Landsberg wie in Waldheim gibt es ein Gefängnis, so Teichert.

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