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Einstige Perle der Bierbraukunst

Albrecht Bergmann führt als Bürgermeister Carl Gottfried Sella durch Waldheim. Die Gäste erfahren viel Wissenswertes.

Die Gäste der Biertour durch Waldheim erfahren jede Menge über die Braukunst. Stadtführer Albrecht Bergmann war im historischen Kostüm unterwegs.
Die Gäste der Biertour durch Waldheim erfahren jede Menge über die Braukunst. Stadtführer Albrecht Bergmann war im historischen Kostüm unterwegs. © Lars Halbauer

Waldheim. Bürgermeister Carl Gottfried Sella, alias Albrecht Bergmann, erzählt vom Bierbrauen. 17 Teilnehmer folgten am Sonntag dem Bürgermeister von 1813 auf eine Bier-Erkundungstour.

Die Gäste waren meist aus Mittelsachsen und gut vorbereitet. Gerald Denhardt aus Waldheim brachte alte Aufnahmen einer Brauerei mit. „Man sollte als Waldheimer seine Stadt doch gut kennen, darum bin ich heute hier“, sagte Michael Fichtner.

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Beim Rundgang wurde geklärt, was der Ausspruch „Fünf Bier“ bedeutet. Dabei handelt es sich um eine Bestellung. Der Spruch geht auf das Braurecht aus dem 17./18. Jahrhundert zurück.

Nur in der Oberstadt wurde gebraut

Im Grund- und Liegenschaftsbuch von 1771 wurde genau geregelt, wer in der Oberstadt das Bier brauen durfte. Immerhin 74 brauberechtigte Häuser gab es seinerzeit. Unter dieser Lizenz durften 120.000 Liter Bier gebraut werden.

„Die wurden auch getrunken, von Jung und Alt. Allerdings hatte Bier damals viel weniger Alkohol als heute“, so Albrecht Bergmann. Er führte kurzweilig und im historischen Kostüm durch die Stadt.

Wer sich noch an den Ausspruch „Heute back ich, morgen brau ich, ….“ erinnern kann, findet nun auch die Erklärung, was hier gebraut wurde. „Mit der Heirat musste die Jungfrau einen Braukessel mitbringen.

Wer das Braurecht hatte, durfte für den Eigenbedarf Bier herstellen. Die Brauorte waren genau vorgegeben. Nur in der Oberstadt, heute an der Grenze Niedermarkt- Niederstadt, wurde das Braurecht ausgesprochen.

Am Brunnenbübchen bat er Renate Hippe, dem Bübchen doch den Kopf zu streicheln, wie durch Zauberei floss das Brunnenwasser.
Am Brunnenbübchen bat er Renate Hippe, dem Bübchen doch den Kopf zu streicheln, wie durch Zauberei floss das Brunnenwasser. © Lars Halbauer

Waldheimer mit viel Humor

An der Künzelgasse legte die Biererkundungstour einen Stopp ein. Vor dem wohl ältesten Haus der Stadt berichtete Bergmann, dass damals Johann August Künzel nicht nur Bier braute, sondern auch vieles für die Stadt tat. Aber er habe auch gerne seinen Schabernack getrieben.

Das Gefängnis, das früher das Zucht- Armen- und Waisenhaus war, durfte den köstlichen und damals lebenswichtigen Gerstensaft brauen. Sogar so gut, dass er reichlich geschmuggelt wurde. Schon damals gab es eine Biersteuer, die im Gefängnis gern umgangen wurde.

Eric Erichson aus Waldheim verfolgte auf der Karte der Tour: „Eigentlich treffen wir uns sonntags mit Freunden zum Elfer-Bier,“ schmunzelt er „Heute machen wir mal Bildung und trinken danach ein Bier.“

Zum Brauen braucht es bekanntermaßen auch Wasser. Das war in Waldheim damals von nicht ganz so guter Qualität. Es wurde aus Brunnen gepumpt und aus der Zschopau gefiltert. „Daher kam auch der unterschiedliche Geschmack der Biere“, so Bergmann. Nach einer guten Stunde endete am Stadt- und Museumshaus die Tour mit einem kühlen Bier, Fettbemmchen und so mancher Fachsimpelei.

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