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Wenn Denkmäler offen stehen

Am Denkmaltag empfangen viele Hausbesitzer und Einrichtungen Besucher. Auch Preise gibt es wieder.

Kantor René Michael Röder hatte seine transportable Orgel in der Sommerkirche in Mochau aufgebaut. Die Kirche hatte im vergangenen Jahr ein Notdach erhalten, das die Umfassungsmauern vor dem weiteren Verfall bewahrt.
Kantor René Michael Röder hatte seine transportable Orgel in der Sommerkirche in Mochau aufgebaut. Die Kirche hatte im vergangenen Jahr ein Notdach erhalten, das die Umfassungsmauern vor dem weiteren Verfall bewahrt. © Lars Halbauer

Carmen und Axel Friedrich führten Neugierige durch das Döbelner Klostergut. Es ist ein Tag des offenen Denkmals unter anderen Umständen. „Wegen Corona sind nur Außenbesichtigungen möglich“, sagte Friedrich. Das Klostergut, eigentlich die Probstei des alten Döbelner Nonnenklosters, ist ein Paradebeispiel dafür, was man aus einem Denkmal machen kann. 

Im Jahr 2000 hatte die Familie das heruntergekommene Anwesen vom Freistaat Sachsen gekauft. Friedrich war auf der Suche nach einem Haus im Sachsen. „Ich habe das Klostergut damals in einem Buch des Freistaats mit Bürger- und Bauernhäusern entdeckt“, sagte er. Das Haus, das 1570 im Renaissancestil umgebaut worden war, wurde aufwendig saniert. „Ostern 2002 war es fertig. Im August kam die Flut“, sagte Carmen Friedrich.

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Barbara Schwabe empfing im Alten Gasthof in Ziegra Gäste. Sie hat sich der Sanierung des Denkmals verschrieben. Auf dem Programm stand auch ein Vortrag zur Geschichte des Ortes und ein Auftritt der Gruppe „Die Meierei“.
Barbara Schwabe empfing im Alten Gasthof in Ziegra Gäste. Sie hat sich der Sanierung des Denkmals verschrieben. Auf dem Programm stand auch ein Vortrag zur Geschichte des Ortes und ein Auftritt der Gruppe „Die Meierei“. © Lars Halbauer

Die Familie wohnt im Klostergut. Dazu gibt es mehrere Wohnungen. Es sei kein Problem, sie zu vermieten, sagte Axel Friedrich. Das alte Gemäuer, das nie ein modernes Wohnhaus sein wird, polarisiert. Es finden sich immer Leute, die in dem Denkmal wohnen wollen. „Andere lehnen das ab.“

Friedrich hat mit dem Nachbarhaus Staupitzstraße 1 ein neues Projekt begonnen. Das denkmalgeschützte Haus von 1820 ist mittlerweile zu einem großen Teil saniert. Bis auf eine Etage, die noch nicht fertig ist, sind alle Wohnungen vermietet, sagte er. Das Haus ist in den Hang hineingebaut. Das hat aber den Charme, dass selbst die Mieter im zweiten Stock einen eigenen Ausgang haben.

Auch Barbara Schwabe hat in ihrem alten Gasthof in Ziegra Gäste empfangen. Sie war als Ruheständlerin aus Hamburg in das Haus ihrer Vorfahren zurückgekehrt und saniert es seitdem Stück für Stück. Eine wichtige Zwischenetappe ist jetzt erreicht. „Der Saal ist fertig und der ehemalige Kuhstall ist in Arbeit“, sagt sie. Der Saal im ersten Stock kann für Familienfeiern, Treffen und Veranstaltungen genutzt werden. 

Der Gasthof sei von Anfang an als eine Begegnungsstätte für die Bewohner des Ortes geplant, sagte Barbara Schwabe. Der alte Kuhstall soll vermietet werden, denn Einnahmen seien auch nötig. Es könnten ein Laden, eine Werkstatt oder ein Ort für Workshops darin eingerichtet werden, so Barbara Schwabe. Wohnen und arbeiten am gleichen Ort seien möglich, denn im Haus sei noch eine Wohnung frei.

Den nächsten Schritt hat die Inhaberin schon ins Auge gefasst. Das Außengelände vor dem Gasthof soll im kommenden Jahr mit Fördermitteln neu gestaltet werden. Dort gab es mal einen Biergarten. Auf 100 Jahre alten Fotos ist zu sehen, dass der Platz einmal gepflastert war. In diesem Zusammenhang könnte auch der alte elf Meter tiefe Brunnen aus dem Jahr 1769 aktiviert werden, sagte Barbara Schwabe. Für ihr Engagement um den alten Gasthof war sie 2014 mit dem Denkmalpreis des Landkreises Mittelsachsen ausgezeichnet worden.

Der Döbelner Heimatfreund Jürgen Dettmer führte Interessierte durchs Klosterviertel. Das Haus Staupitzstraße 1 wird gerade durch die Familie Friedrich saniert, die auch Besitzer des denkmalgeschützten Klostergutes ist.
Der Döbelner Heimatfreund Jürgen Dettmer führte Interessierte durchs Klosterviertel. Das Haus Staupitzstraße 1 wird gerade durch die Familie Friedrich saniert, die auch Besitzer des denkmalgeschützten Klostergutes ist. © Lars Halbauer

Auch in diesem Jahr gibt es wieder Bauherren, die vom Landkreis auf diese Art geehrt werden. Die Preise wurden am Sonntag von Landrat Matthias Damm in Frauenstein vergeben.

Der Preis für denkmalgerechte Sanierung ging an den Unternehmer Thomas Hellwig aus Großschirma, der einen alten Gasthof mit Saal zur Betriebsstätte umgebaut und dabei wesentliche historische Elemente gerettet hat. Familie Wittenburg rettete in Kleinschirma ein ehemaliges Wohnstallhaus auf einem Vierseithof „denkmalpflegerisch beispielhaft“ und bewahrte es vor dem Abriss.

Für ihr Engagement wurde auch Kerstin Strenske für den Denkmalpreis des Landkreises ausgewählt. Vor 20 Jahren startete sie mit der Sanierung des ehemaligen Bahnhofs Auerswalde-Köthensdorf. Das Ensemble ist mit viel Aufwand umgenutzt worden. Das Hauptgebäude dient nun als Wohnhaus.

In Mittelsachsen gibt es rund 12.000 Denkmäler, sagte Damm. Er begrüßte, dass die Förderung zum Erhalt der historischen Substanz vom Freistaat erhöht wurde. Bis zum 30. Oktober können die Anträge für Maßnahmen im kommenden Jahr beim Landratsamt eingereicht werden. Rund 800.000 Euro stehen zur Verfügung.

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