merken
PLUS Döbeln

Wild West in Trebanitz

Auf einem kleinen Platz in Trebanitz bei Ostrau ist ein kleines Zeltdorf entstanden. Die Bewohner bleiben allerdings nur ein paar Tage.

Beim Western-Treffen in Trebanitz haben die Teilnehmer mit einem Tag der offenen Tür Einblick in ihr Hobby gewährt.
Beim Western-Treffen in Trebanitz haben die Teilnehmer mit einem Tag der offenen Tür Einblick in ihr Hobby gewährt. © Frank Korn

Ostrau. Aus drei langen Stöcken hat Lutz Gerber ein Dreibein gebaut. Von oben hängt ein Kessel über dem Feuer, in dem der Kesselgulasch vor sich hin köchelt. Auf dem kleinen Platz in Trebanitz – Gerber nennt ihn „White Wolves Ranch“ – sind Zelte aufgebaut. Die Leute laufen in Kleidung herum, wie sie im Wilden Westen der Vereinigten Staaten getragen wurde.

Lutz Gerber ist in den 1990er-Jahren durch Bekannte zu seinem Hobby gekommen. „Wir stellen das Leben nach, wie es die Siedler im 19. Jahrhundert in Amerika erlebten“, erklärt Gerber. Der 61-Jährige organisiert seit 20 Jahren solche Camps. Zunächst in der Nähe von Annaberg-Buchholz, wo er her stammt, seit dem vergangenen Jahr in Trebanitz. In der gesamten Bundesrepublik gibt es Hunderte solcher Treffen, weiß Lutz Gerber.

Anzeige
Berufsakademie Sachsen wird 30
Berufsakademie Sachsen wird 30

Die Staatliche Studienakademie Bautzen ist eine von sieben Einrichtungen der Berufsakademie. In Bautzen wird noch 70 Jahre Ingenieurstudium gefeiert.

Mehrere Tage sind die Western-Fans dann vor Ort, leben ohne Strom, das Wasser muss aus Bächen oder Flüssen geholt werden, gekocht wird über offenem Feuer. Ganz wollen die „Siedler“ der heutigen Zeit aber nicht abschwören, denn auch ein Grill gehört zur Ausrüstung. „Wir erkunden dann die Gegend, verbringen einfach ein paar ruhige Tage miteinander“, so Gerber.

Teilnehmer kommen aus ganz Sachsen

Um anderen Menschen ihr Hobby näher zu bringen, gehört auch immer ein Tag der offenen Tür zu ihren Camps. „Die Gäste konnten mit einer Winchester schießen, die natürlich nur mit Platzpatronen geladen war“, erklärt Gerber, den alle nur Puma rufen. Der neunjährige „Killer-Jo“ brachte den Besuchern bei, wie man Pfeil und Bogen baut und dann damit schießt.

Susanne Kubovy und Hans Lunze sind aus Leipzig nach Trebanitz gekommen, anderre kommen aus Dresden, Gröditz oder Hoyerswerda. „Schon mein Vater war stark an der amerikanischen Geschichte der Western-Zeit interessiert“, sagt Susanne Kubovy. Acht- bis zehnmal im Jahr sind sie und ihr Partner bei Western-Treffen dabei. „Dazu gehört auch, dass wir unsere Kleidung selbst nähen. So wie das damals üblich war“, so die Leipzigerin.

Eine besondere Rolle im Lagerleben spielt der Prediger. „Amos Black“ heißt er unter den Westernfreunden, sein bürgerlicher Name ist Martin Lenk. Er sei gläubiger Christ und spiele den Prediger gern. „Dabei erfülle ich Aufgaben wie sie die Prediger damals auch hatten, halte zum Beispiel eine kleine Morgenandacht“, so Lenk. Gekleidet seien die Prediger damals wie andere Leute auch gewesen.

„Die Soutane wurde nur für den Sonntag herausgeholt“, sagt Lenk. Auch eine Trauung habe er schon mal durchgeführt. „Das Paar kam mit seinen Kindern zu mir und wollte seine Zusammengehörigkeit nach Western-Sitte bekräftigen. Das ganze Lager war dabei und viele zu Tränen gerührt“, berichtet er nicht ohne Stolz. Als der Reporter das Camp verlässt, bekommt er den Segen des Predigers mit auf den Weg. „Gehe mit Gott, mein Sohn.“

Mehr zum Thema Döbeln