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Neue Pläne für alten Gasthof in Ziegra

Der Vorplatz des alten Gebäudes im Döbelner Ortsteil ist zum Teil wild gepflastert. Damit wird ein Stück Geschichte nachempfunden.

Barbara Schwabe hat es sich zur Aufgabe gemacht den Gasthof von Ziegra nach historischem Vorbild wieder herzustellen. Kürzlich wurde über die Leader-Förderung ein teil des Vorplatzes gepflastert.
Barbara Schwabe hat es sich zur Aufgabe gemacht den Gasthof von Ziegra nach historischem Vorbild wieder herzustellen. Kürzlich wurde über die Leader-Förderung ein teil des Vorplatzes gepflastert. © Lars Halbauer

Döbeln. So könnte es vor mehr als 100 Jahren gewesen sein. Wurde Wasser benötigt, mussten die Bewohner vom Wohnhaus des Gasthofes in Ziegra zum elf Meter tiefen Brunnen laufen. Heute wie früher markieren diesen Weg und auch den zum Kuhstall und zum Garten Platten, die von verschieden großem und farbigem Pflaster eingegrenzt werden.

Wie schon bei allen Projekten, die die Eigentümerin des alten Gasthofes Barbara Schwabe umgesetzt hat, legt sie viel Wert darauf, dass historisch stimmig saniert wird. Und so ist ein Vorplatz entstanden, auf dem auch Leute mit einer Gehbeeinträchtigung oder einem Rollator gut vorankommen und so an Veranstaltungen oder anderen Angeboten im alten Gasthof teilhaben können.

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„Der Bereich war sehr holprig. Um Versorgungsleitungen zu verlegen, wurde der Platz oft aufgegraben und nicht fachgerecht verschlossen. Er war schlecht begehbar“, sagte Barbara Schwabe. Schon viele Interessierte hätten angehalten und den nun schönen Vorplatz bestaunt. Im Bereich der Linden wurde allerdings nicht gepflastert, sodass sich die alten Bäume weiterhin prächtig entfalten können.

Pläne für den Kuhstall in Ziegra

Vor den Gebäuden sind einige Pflanznischen angelegt. „Ich freue mich, wenn ich von Leuten aus dem Dorf Pflanzen aus ihren Gärten dafür bekommen könnte. Es ist ja auch ein schöner Gedanke, dass an einem solch historischen Ort etwas Neues gedeiht“, so Barbara Schwabe.

Sie ist mit dem, was entstanden ist, sehr zufrieden. Möglich wurde das zum einen durch die finanzielle Unterstützung aus dem Fond der Leader-Förderung von Sachsenkreuz+ und den Mitarbeitern des Bau Service Mehnert aus Raußlitz.

„Die Bauarbeiter haben hier mit viel Sachverstand, Erfahrung und handwerklichem Geschick gearbeitet. Sie haben gewusst, was sie tun“, sagte Barbara Schwabe. Immerhin ist der Boden im Bereich, in dem der Vorplatz befestigt wurde, 50 Zentimeter herausgenommen worden.

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Anschließend wurde eine Frostschutzschicht eingebaut und zunächst die großen Platten verlegt. Anschließend sind die kleineren, verschiedenfarbigen Natursteine eingebaut worden. Diese wurden zum Teil zuvor ausgebaut oder ergänzt.

„Nun haben wir auch einen schönen Platz für unseren Adventszauber. Wenn es erlaubt ist, soll es ihn in diesem Jahr wieder geben. Das Lindenblütenfest mussten wir absagen“, so Barbara Schwabe.

Für das Lindenblütenfest lassen sich die Akteure immer etwas einfallen. In diesem Jahr musste es wegen Corona abgesagt werden.
Für das Lindenblütenfest lassen sich die Akteure immer etwas einfallen. In diesem Jahr musste es wegen Corona abgesagt werden. © Archiv/Dietmar Thomas

Sie kann sich auch vorstellen, dass künftig auf der gepflasterten Fläche neben dem Brunnen eine Sitzecke zum Verweilen einlädt. Im ehemaligen Kuhstall werden die Voraussetzungen geschaffen, damit dort eine kleine Teeküche entstehen kann. Genutzt werden könnte der Raum mit Gewölbebögen als Café oder als kleiner Hofladen. Doch bis dahin wird noch etwas Zeit vergehen. Derzeit laufen die Sandstrahlarbeiten für die Träger und Säulen.

Trotzdem hat Barbara Schwabe schon genaue Vorstellungen, wie der ehemalige Kuhstall einmal gestaltet werden könnte. So soll es einen Ofen mit Sichtfenster geben, der nicht nur für Wärme, sondern auch für Gemütlichkeit sorgt.

Objekt war einsturzgefährdet

„Es ist ein guter Ort, um sich zu treffen. Denn nicht alle können die Treppe zum Saal überwinden“, so die pensionierte Lehrerin. Sie hat auch aus historischen Platten einen Windfang errichten lassen, damit die Wärme im Winter beim Öffnen der Tür nicht entweichen kann.

Das Grundstück befindet sich seit fünf Generationen in Familienbesitz. Barbara Schwabe, die in Ziegra geboren wurde und als Kind mit ihren Eltern nach Hamburg zog, erhielt im Jahr 2014 für die Sanierung des Gasthofes den Denkmalpreis des Landkreises Mittelsachsen.

Ihr Ziel ist es, Ursprüngliches sichtbar zu machen und zu erhalten. Die Würde des Hauses steht dabei im Vordergrund. Alles müsse historisch stimmig sein, sagte Schwabe. So auch die zehn neuen Fenster, die extra angefertigt wurden. Der große Unterschied zu den alten Fenstern ist lediglich die doppelte Verglasung.35 Jahre lebte Barbara Schwabe in Hamburg.

„Nach der Wende haben wir uns überlegt, was wir mit dem Gasthof machen“, sagt Barbara Schwabe. Als sie pensioniert wurde, kehrte sie nach Ziegra zurück und nahm die Sanierung in Angriff. Beginnen musste sie mit einer Notsicherung des Objektes, denn es war einsturzgefährdet. Viel Energie und Herzblut hat sie bisher in den Gasthof gesteckt.

Sanierung nach historischem Vorbild

So wurden verschiedene Sanierungsarbeiten bereits abgeschlossen, alle in alter Handwerkstechnik. Beispielsweise wurde das Fachwerk originalgetreu mit Lehm verputzt und Fenster samt Gewände aufgearbeitet beziehungsweise durch solche ersetzt, die den alten gleichen.

Das sei nicht einfach, weil es keine Dokumentationen gibt. Dafür befragte die agile Seniorin Familienmitglieder, Verwandte und Freunde, die das Gasthaus von früher kennen. Auch viele Familienfotos wurden gesichtet.

„Ich könnte so viele Geschichten erzählen, wie wir das eine oder andere entdeckt oder erforscht haben.“ In dem Flügel des Fachwerkgebäudes, der quer zur Döbelner Straße steht, befanden sich früher im unteren Bereich die Gastwirtschaft und darüber der Wohnbereich der Gastwirte sowie das Vereinszimmer.

Im anderen Flügel waren der Stall und darüber der Saal. Der ist saniert worden. Mit seinem Parkettfußboden, den Holzbalken und den vielen Fenstern ist er ein echter Blickfang und ein guter Kompromiss zwischen Historischem und Modernem.

Der alte Gasthof Ziegra hatte zum Tag des offenen Denkmals im vergangenen Jahr seine Pforten geöffnet. In der Mitte Barbara Schwabe, die mit viel Herzblut den Gasthof am Leben hält.
Der alte Gasthof Ziegra hatte zum Tag des offenen Denkmals im vergangenen Jahr seine Pforten geöffnet. In der Mitte Barbara Schwabe, die mit viel Herzblut den Gasthof am Leben hält. © Archiv/Lars Halbauer

Der Wunsch von Barbara Schwabe ist es, mit dem Gasthof einen Ort zu schaffen, an dem sich die Dorfbewohner generationsübergreifend treffen und sich austauschen können. Dass sie bei der Umsetzung dieses Wunsches schon viel erreicht hat, zeigt sich beim Lindenblütenfest oder dem Adventszauber.

Diese beiden Feste werden vom Dorfklub Ziegra in Zusammenarbeit mit der Gasthof-Besitzerin organisiert. Sie stellt den Saal und den Garten auch für Familienfeiern und Veranstaltungen zur Verfügung.

So wird es als erste öffentliche Veranstaltung in diesem Jahr ein Gartenkonzert am 29. August um 17 Uhr geben. Es gibt auch einen „Freundeskreis Gasthof Ziegra“. Für Barbara Schwabe und ihre Mitstreiter gilt das Motto „Mach es möglich“.

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