merken
PLUS Döbeln

Landkreis gibt Millionen für Jugendprojekte frei

Der Jugendhilfeausschuss fördert nach mehreren Jahren wieder eine Stelle für offene Jugendarbeit in Leisnig. Aber auch andere Kommunen profitieren.

Nach bisherigen Plänen soll im Nebengebäude des Schützenhauses ein offener Freizeittreff für Kinder und Jugendliche aus Leisnig und Umgebung entstehen.
Nach bisherigen Plänen soll im Nebengebäude des Schützenhauses ein offener Freizeittreff für Kinder und Jugendliche aus Leisnig und Umgebung entstehen. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Ins ehemalige Fitnessstudio des Schützenhauses in Leisnig könnte bald wieder Leben einziehen. In den Räumen soll ein offener Freizeittreff für Kinder ab zehn Jahren entstehen. Den will der Verein Regenbogenbus einrichten. Die Finanzierung dafür ist jetzt geklärt.

Vor einiger Zeit hat der Verein einen Antrag auf Projektförderung beim Landkreis Mittelsachsen gestellt. In dieser Woche wurde dieser Antrag als einer von mehr als 60 im Jugendhilfeausschuss behandelt. Der gab Fördergeld in einer Gesamthöhe von 2,6 Millionen Euro für Angebote der Kinder- und Jugendhilfe frei. Dazu gehören Jugendeinrichtungen, Präventionsmaßnahmen des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes oder der Jugendverbandsarbeit.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Stadt Leisnig steuert einen Teil dazu

In die Rubrik „offene Jugendarbeit“ fällt das, was der Regenbogenbus in Leisnig wiederbeleben will. Dafür hat der Landkreis rund 40.000 Euro bewilligt. Das Geld reicht nicht ganz für eine Vollzeitstelle. Aber es ist ein Anfang. Das haben sich auch die Stadträte von Leisnig gesagt. Sie waren vor allem wegen ihrer finanziellen Beteiligung in einer angespannten Haushaltssituation hin und hergerissen. Letztlich stimmten sie zu, aus der Stadtkasse in diesem Jahr 15.000 Euro und 2022 noch einmal 25.000 Euro für die Betriebskosten des neu aufzubauenden Jugendtreffs beizusteuern.

Einem Antrag von Stefan Orosz (Die Linke) kamen die übrigen Ratsmitglieder nicht nach. Er wollte die finanzielle Beteiligung der Stadt auf unbestimmte Zeit festschreiben. „Denn Jugendarbeit braucht Kontinuität und Perspektiven“, so seine Begründung.

CDU-Fraktionschef Rüdiger Schulze begründete seine und die Zurückhaltung seiner Fraktion damit, dass ruhig erst einmal geschaut werden könnte, wie das Angebot angenommen wird. So wünschen sich die Räte seit Jahren einen größeren Zuspruch für das Alternative Jugendzentrum (AJZ). Das wird sich in Nachbarschaft des neuen Freizeittreffs befinden, spricht allerdings das schon etwas ältere Klientel an. Auch für das AJZ gibt es eine Fachkraftförderung. Die Anleitung übernimmt bereits das Team des Regenbogenbusses.

Kinder sollen sich ausprobieren

Der neue Treff im Schützenhaus soll für die Kinder offenstehen, die keinen Hort mehr besuchen und sich vielleicht noch nicht für einen Sport- oder anderen Verein entschieden haben. Sie bekommen die Möglichkeit, sich ausprobieren, entdecken dabei vielleicht neue Hobbys.

Eine Stelle für offene Kinder- und Jugendarbeit steht Leisnig mit einer entsprechenden Einwohnerzahl und Zahl an Kindern und Jugendlichen zu. Das Geld hält der Landkreis schon seit Jahren vor. Bis vor zwei, drei Jahren ist es in einen offenen Treff geflossen, den der Spielträume-Verein im Keller der Leisniger Oberschule betrieben hat. Seitdem sich die Spielträumer von dieser Arbeit zurückgezogen haben, ist es der Kommune nicht gelungen, einen neuen Träger zu finden. Deshalb wurde die Fachkraftförderung beim Landkreis nicht abgerufen.

Annett Voigtländer, Abteilungsleiterin beim Landratsamt Mittelsachsen, stellte es den Leisniger Räten als Glücksfall dar, dass die Stadt auf dieses Förderangebot zurückgreifen und somit etwas für die Jugend und die Zukunft der Stadt tun kann (wir berichteten). Sie appellierte, diese Chance nicht länger ungenutzt verstreichen zu lassen. Denn das Angebot richte sich auch an jene Kinder und Jugendlichen, die nicht immer einen Ansprechpartner haben, für gewöhnlich nicht oder selten in den Urlaub fahren, also aus sozial schwachen Familien kommen.

SPD bemängelt Streichung

Ein Thema der Sitzung des Jugendhilfeausschusses war das Projekt „Alternative Beschulung Mittweida“. Dieses richtet sich an Schulverweigerer der 6. bis 10. Klasse der Ober- und Förderschulen. Es will diesen jungen Menschen in ihren schwierigen Lebenssituationen die Möglichkeit geben, ihre Schulpflicht zu erfüllen und ihnen gleichzeitig durch berufspraktische Erprobungen vertiefte Kenntnisse im Rahmen der beruflichen Orientierung geben.

Seit 2016 förderte der Landkreis die Stelle des Schulsozialarbeiters. Diese Förderung wurde nun bereits zum 1. Januar 2021 beendet. Aus Sicht der SPD-Fraktion im Kreistag Mittelsachsen ein falsches Signal. „Befremdlich ist, dass der Landkreis zum 1. Januar die Förderung eingestellt hat, aber erst mehr als vier Monate später die Gremien des Kreistages dazu einbezieht und sich seine Entscheidung legitimieren lassen will“, erklärt Fraktionsvorsitzender Axel Buschmann.

„Die Personal- und Sachkostenförderung einer sozialpädagogischen Fachkraft für die außerschulische Betreuung und Begleitung der Projektteilnehmenden inklusive Elternarbeit war bisher direkt beim VfB Mittweida angesiedelt. Dieser Projektbestandteil wird ab sofort in die Schulsozialarbeit der Fichte-Schule integriert“, sagt Landkreissprecher André Kaiser. Das Jugendamt gewährleiste als langjähriger Kooperationspartner auch weiterhin die Förderung über die Schulsozialarbeit und die fachliche Begleitung durch die Fachberatung des Jugendamtes im ABM-Projekt.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln