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Döbeln

Landvergnügen mit Vogelriesen

In der neue Sommerserie der SZ stellen wird die schönsten Hofläden in Sachsen vor. Heute Teil 4: der Straußenhof im Striegistal.

Um die größten Vögel der Welt dreht sich alles auf dem Striegistaler Straußenhof in Pappendorf. Marcus Reißig führt den Hof mit seinem Vater.
Um die größten Vögel der Welt dreht sich alles auf dem Striegistaler Straußenhof in Pappendorf. Marcus Reißig führt den Hof mit seinem Vater. © Jürgen Lösel

Von Dagmar Doms-Berger

Große Augen, lange Beine, imponierendes Gehabe – Lui und Sit können Besucher beindrucken. Sie sind die beiden stolzen Zuchthähne auf der Straußenfarm von Familie Reißig in Pappendorf in der Gemeinde Striegistal. Insgesamt leben 65 Tiere auf dieser Straußenfarm auf halber Strecker zwischen Dresden und Chemnitz.

Über zwei historische Brücken führt die schmale Mühlstraße zielgenau auf den Striegistaler Straußenhof. Die Anreise ist mit dem Auto möglich, aber zu Fuß durch das Große Striegistal ist sie ein Vergnügen. Die Ankunft bleibt nicht unentdeckt und wird von den neugierigen Tieren genau registriert.

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Fast 70 km/h schnell

Sympathie des Betrachters ist ihnen gewiss. Aber auch Respekt. Die größten Vögel der Welt werden bis zu 2,70 Meter groß und über 100 Kilogramm schwer, können enorm gut sehen (drei Kilometer weit) und sind in ihrer Schnelligkeit mit 70 Kilometern pro Stunde im Sprint für einen Zweibeiner nicht zu überbieten.

Vor 18 Jahren zog das erste Zuchttier bei Familie Reißig auf dem Bauernhof ein. Die Kühe der früheren LPG wurden nach der Wende abgeschafft, die Ställe standen leer. „Wir suchten nach einer zusätzlichen Einnahmequelle“, erinnert sich Vater Wolfgang Reißig. Der 65-Jährige betreibt gemeinsam mit Sohn Marcus (32) den Straußenhof als GbR. Eine Erkundungstour auf einem Straußenhof an der Ostsee brachte die Erkenntnis: Das könnte bei uns auch funktionieren. Im Juni 2003 wurden die ersten Küken gekauft.

Straußenfleisch und -wurst sind bei den Kunden beliebt. In manchen Straußen-Würsten wird statt Schweinefleisch Öl zugegeben. Das mögen viele Kunden. Das Fleisch ist fett- und cholesterinarm. Alle fünf Wochen wird in einer externen Fleischerei geschlachtet
Straußenfleisch und -wurst sind bei den Kunden beliebt. In manchen Straußen-Würsten wird statt Schweinefleisch Öl zugegeben. Das mögen viele Kunden. Das Fleisch ist fett- und cholesterinarm. Alle fünf Wochen wird in einer externen Fleischerei geschlachtet © Jürgen Lösel

Das Straußenfleisch ist wegen seiner Eigenschaften ein Renner: es hat wenig Fett und ist cholesterinarm. „Steaks gehen immer“, sagt Heidi Reißig. In manchen Straußen-Würsten wird statt Schweinefleisch Öl zugegeben. Das schätzen viele Kunden. Alle fünf Wochen wird in einer externen Fleischerei geschlachtet. Bei über 100 Kilogramm Lebendgewicht eines Tieres bleibt aber nur rund ein Drittel an Straußenfleisch übrig.

Der Rest sind Knochen, Haut, Innereien und Steine. Da der Strauß keine Zähne hat, frisst er kleine Steinchen. Diese sorgen dafür, dass mit Hilfe des Muskelmagens die Nahrung zerkleinert wird. Mehr als ein Kilo Steine kann der Vogel mit sich herumschleppen. „Gefüttert werden die Tiere ohne Zusatz von Antibiotika, leistungsfördernden oder Eiweißkomponenten tierischer Herkunft“, sagt Heidi Reißig.

Lieber nicht im feinen Zwirn

Im hofeigenen Laden zeigt sich die ganze Vielfalt an Straußenprodukten. Straußenei-Nudeln, Staubwedel aus Straußenfedern mit hoher antistatischer Wirkung, Straußenölseife für sensible Haut, Handtaschen und Brillenetuis aus Straußenleder – gefertigt von Partner-Manufakturen. Straußeneier sind nach wie vor als Deko beliebt, als Lampe oder Pyramide im Straußenei.

Bei Führungen über den Hof lässt sich viel Wissen rund um die Tiere und Produkte sammeln. Dafür sollte man nicht unbedingt im besten Ausgeh-Zwirn erscheinen. Strauße picken gern mal durch den Draht. Aber bitte achtgeben: Strauße sind keine Kuscheltiere, aber sehr interessiert, besonders an allem, was glänzt und glitzert. Bei einem Spaziergang über die Farm wird man auch Kühe, Schafe, Hühner, Schweine, Katzen und selbst Schwalben entdecken.

Das Sprühbild eines Straußes ist nicht zu übersehen am Straußenhof Striegistal, der im Wandergebiet Striegistäler liegt. Von hier aus lassen sich herrliche Rundwanderungen unternehmen. Auch einen Camper-Stellpatz gibt es auf dem Hof sowie weitere Tiere wi
Das Sprühbild eines Straußes ist nicht zu übersehen am Straußenhof Striegistal, der im Wandergebiet Striegistäler liegt. Von hier aus lassen sich herrliche Rundwanderungen unternehmen. Auch einen Camper-Stellpatz gibt es auf dem Hof sowie weitere Tiere wi © Jürgen Lösel

Nicht selten schauen Wanderer auf dem Straußenhof vorbei. „Wir profitieren sehr von den ausgebauten Wanderstrecken des Striegistales“, sagt Heidi Reißig. Auch Camper aus Freiberg und Dresden entspannten hier schon für ein Wochenende von der Hektik der Städte. Seit 2014 ist der Straußenhof beim Landvergnügen-Stellplatzführer gelistet, der seinen Mitgliedern beim Kauf eines Kataloges gleich eine Jahresvignette mitgibt. In diesem Jahr haben sich besonders viele angemeldet.

Zum gesellschaftlichen Leben auf dem Straußenhof gehört der Knaupelabend, der dreimal im Jahr veranstaltet wird. „Dann gibt es Straußenhälse zum Abknabbern“, sagt Heidi Reißig. Ein Straußenhals wiegt um die eineinhalb Kilogramm, das Fleisch ist sehr mager und zart.

Geldbörsen aus Straußenleder, Straußeneier als Lampe und Pyramide, Staubwedel aus Straußenfedern und weitere Produkte aus Partner-Manufakturen wie der Kaffeerösterei und Senfmühle oder der Feinbrandmanufaktur – Geschenkideen finden sich reichlich im Hofla
Geldbörsen aus Straußenleder, Straußeneier als Lampe und Pyramide, Staubwedel aus Straußenfedern und weitere Produkte aus Partner-Manufakturen wie der Kaffeerösterei und Senfmühle oder der Feinbrandmanufaktur – Geschenkideen finden sich reichlich im Hofla © Jürgen Lösel

Am vierten Advent wird alljährlich zum Weihnachtsmarkt eingeladen. In diesem Jahr ist es der 19. Dezember. Mit dabei sind auch andere Anbieter von Manufakturen, die das ein oder andere feine Weihnachtsgeschenk bereithalten.

Alles hausgemacht

Der Hofladen des Straußenhofes bietet neben eigenen Produkten Erzeugnisse anderer Manufakturen aus dem Striegistal im Kreis Mittensachsen.

In unserer Sommerserie stellen wir Hofläden, Manufakturen und Erzeuger regionaler Produkte in Sachsen vor.

Noch mehr lokale Produkte, kulinarische Köstlichkeiten und Manufakturwaren aus Sachsen finden Sie in den DDV Lokalen und im Onlineshop.

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Alle bisher erschienenen Teile der Serie "So schmeckt Sachsen" finden Sie hier

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