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Zeitungsboten werden zu Lebensrettern

Patrick Ziera und seine Freundin entdeckten den Dachstuhlbrand in Neuschönberg bei Waldheim. Ohne sie hätte es dramatisch enden können.

Die Freundin des Zeitungszustellers Patrick Ziera aus Waldheim hämmerte in der Brandnacht an die Tür des Eigenheims in Neuschönberg, um die Bewohner darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich in großer Gefahr befinden.
Die Freundin des Zeitungszustellers Patrick Ziera aus Waldheim hämmerte in der Brandnacht an die Tür des Eigenheims in Neuschönberg, um die Bewohner darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich in großer Gefahr befinden. © Lars Halbauer

Waldheim. Immer wieder haben Patrick Ziera und seine Freundin die Bilder vor Augen, die sie am zeitigen Sonnabendmorgen sahen. Aus dem Dachstuhl eines Hauses im Ortsteil Neuschönberg schlugen Flammen. Auch der Dachkasten brannte lichterloh.

Durch ihr schnelles Handeln haben sie mit hoher Wahrscheinlichkeit drei Menschenleben gerettet, das eines Rentnerehepaares (76 und 78 Jahre alt) und ihres zehnjährigen Enkelkindes.

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Als Held fühlt sich Patrick Ziera nicht, aber stolz, Leben gerettet zu haben, ist er schon. Er habe schon oft anderen Leuten geholfen, wenn sie in Not waren, aber bisher sei es noch nie um Leben oder Tod gegangen. Die Polizei sieht das, was der Waldheimer und seine Freundin ohne lange zu überlegen taten, schon als etwas Besonderes an.

Waldheims Bürgermeister würdigt Handeln

Auch Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) würdigt das vorbildliche Verhalten von Patrick Ziera und seiner Freundin: „Es ist schon bewegend, am Anfang des Jahres zu erfahren, dass eine Familie bei einem Brand einen Großteil ihres Hab und Gutes verloren hat. Wichtig ist jedoch, dass keine Menschenleben zu beklagen sind. Das haben wir den beiden Zeitungszustellern zu verdanken. Sie haben in kurzer Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen. Das finde ich sehr lobenswert.“

Die Stadt Waldheim werde sich mit den beiden Lebensrettern in Verbindung setzen und sich etwas einfallen lassen, um ihr umsichtiges Handeln zu würdigen, so das Stadtoberhaupt.

Großen Rummel um seine Person erlebt Patrick Ziera zurzeit in den Medien. Dabei sollten diese Tage etwas ruhiger werden, denn das Paar hat zurzeit Urlaub. „Ich musste schon einige Interviewanfragen ablehnen“, so der Waldheimer.

Die Erinnerungen kommen immer wieder

Immer wieder erzählt er, was er am Sonnabendmorgen erlebte. Wie gewöhnlich holte das Paar die Zeitungen, die in der Florena-Passage gelagert werden, zwischen 1.30 und 1.45 Uhr ab.

„Die erste Tour ging wie immer nach Neuschönberg. Dort bemerkten wir ein Feuer. Zunächst nahmen wir an, dass es sich um eine Feuerschale handelt, und wunderten uns. Doch dann entdeckten wir, dass Flammen aus dem Dachstuhl des Hauses schlugen. Wir hielten kurz den Atem an. Meine Freundin rannte los und hämmerte an die Tür des Hauses, damit deren Bewohner munter werden und sich retten konnten. Ich ging zum Auto und rief die 112 an", erzählt Patrick Ziera.

Patrick Ziera und seine Freundin tragen in fünf Regionen die Tageszeitung aus. Damit diese am frühen Morgen im Briefkasten sind, beginnen sie bereits gegen 2 Uhr mit dem Austragen.
Patrick Ziera und seine Freundin tragen in fünf Regionen die Tageszeitung aus. Damit diese am frühen Morgen im Briefkasten sind, beginnen sie bereits gegen 2 Uhr mit dem Austragen. © Lars Halbauer

"Ich habe dem Mitarbeiter der Leitstelle gleich gesagt, dass sie unbedingt die Reinsdorfer Feuerwehr alarmieren sollen, weil diese am schnellsten vor Ort sein könne. Noch bevor das Telefonat zu Ende war, hörte ich die Sirene im nahegelegenen Ort. Kurze Zeit später erhielt ich einen Rückruf der Polizei, die noch einige Fragen hatte. Meine Freundin hatte derweil erreicht, dass das Rentnerehepaar und ihr Enkel aus dem Haus kamen. Als diese die Tür öffneten, kam eine Menge Qualm mit heraus. Unsere Rettungsaktion war zwar beendet, aber wir mussten noch Fragen der Polizei und der Feuerwehr beantworten."

80 Helfer von Feuerwehr und Rettungsdienst im Einsatz

Dann setzten die beiden Zeitungsboten ihre Arbeit fort. Weil es in Neuschönberg wegen der vielen Fahrzeuge keinen Zweck hatte, die Zeitung weiter auszutragen, ging es zunächst in Reinsdorf, Massanei, Schönberg und Hartha weiter. Immerhin verteilen Patrick Ziera und seine Freundin von Montag bis Samstag jeden Morgen etwa 300 Tageszeitungen.

Normalerweise sind sie zwischen 5.30 und 6 Uhr zurück. Am Samstag wurde es nach einem langen Fußmarsch in Neuschönberg dann 8.30 Uhr. Währenddessen hatten die Kameraden aus der Region alle Hände voll zu tun, um den Brand zu löschen. Daniel Seifert, der Waldheimer Feuerwehrchef, spricht von 80 Helfern von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr, die vor Ort gewesen sind.

Neben den Waldheimer Feuerwehrleuten rückten auch Ehrenamtliche aus Hartha, Geringswalde und Limmritz aus. „Vom Haus konnten wir wenig retten“, bedauert Daniel Seifert.

Vom Haus des Rentnerehepaares konnte nicht viel gerettet werden.
Vom Haus des Rentnerehepaares konnte nicht viel gerettet werden. © Dietmar Thomas

Mit vielen Nachbarn, Freunden und auch einigen Feuerwehrleuten hat das Ehepaar später Dinge wie Mobiliar aus dem Haus tragen können, die auf den ersten Blick noch zu verwenden sind. Nach Angaben eines Reporters vor Ort sind die Rentner erst einmal bei der Tochter, die in Reinsdorf wohnt, untergekommen.

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Nicht nur die Rentner und deren Tochter hatten sich bei dem Zeitungsboten für den Einsatz und das umsichtige Handeln bedankt, „sondern auch Leute, die mich kennen“, so Patrick Ziera.

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