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Leisniger mit Denkmalspreis geehrt

Thomas Schmidt wird zum Tag des offenen Denkmals ins Schloss Rochsburg eingeladen. Erst während der Veranstaltung erfährt er den Grund.

Thomas Schmidt und Diana Berger-Schmidt haben das Pfarrhaus in Wendishain zu einem Gästehaus umgebaut. Auch dafür ist Thomas Schmidt mit dem Denkmalpreis geehrt worden.
Thomas Schmidt und Diana Berger-Schmidt haben das Pfarrhaus in Wendishain zu einem Gästehaus umgebaut. Auch dafür ist Thomas Schmidt mit dem Denkmalpreis geehrt worden. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Der Leisniger Restaurator Thomas Schmidt ist neben Martin Günther aus Hartmannsdorf und Tony Wagner aus Hainichen mit dem Denkmalpreis des Landkreises Mittelsachsen geehrt worden.

Eigentlich hätte Thomas Schmidt bei der zentralen Eröffnung des Tages des offenen Denkmals in der Lutherstadt Wittenberg dabei sein sollen. Doch unter einem Vorwand wurde er zur Denkmalfeier des Landkreises Mittelsachsen auf Schloss Rochsburg eingeladen. Sein Sohn Oskar, der an diesem Tag 16 Jahre alt geworden ist, habe als Trompeter einen Auftritt mit dem Kirchenchor Leisnig, so die Legende.

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„Bis zum Schluss habe ich nichts geahnt. Erst als während der Laudatio ein Kinderfoto von mir erschien, war mir alles klar“, sagte Schmidt. Er habe befürchtet, mit seiner Absage für Wittenberg die Kollegen dort zu verärgern. „Doch selbst die waren eingeweiht“, so der Leisniger.

Bereits heute Bleibendes hinterlassen

Der Landkreis Mittelsachsen würdigt damit das Wirken von Thomas Schmidt als Restaurator in der Region, wie im Kloster Buch, auf Burg Mildenstein oder dem Pfarrlehen Wendishain. „Der 51-Jährige hinterlässt seit mehr als einem Vierteljahrhundert seine Spuren und hat durch seine Arbeit und sein Wesen bereits heute Bleibendes hinterlassen“, betont Laudator und erster Sachbearbeiter für Denkmalschutz Jörg Liebig.

Auch außerhalb des Landkreises sei seine Kompetenz gefragt, wie beim Erhalt der Priesterhäuser in Zwickau. Sie zählen zu den ältesten erhaltenen Wohngebäuden in Deutschland.

Jörg Liebig zeichnete in seiner Laudatio auch einige persönliche Stationen von Thomas Schmidt nach. „Obwohl, und das bis zum heutigen Tag, aufs Engste mit seiner Familie und seinem Heimatort Minkwitz bei Leisnig verbunden, verlässt er 1989 die DDR und lernt nach dem Abitur Kirchenmaler in Bayern“, so Liebig. Nach Sachsen zurückgekehrt, studierte Schmidt bis 1997 in Dresden an der Hochschule für bildende Künste bei Prof. Möller Restaurierung und schließt als Diplom-Restaurator ab.

Elterliche Scheune ausgebaut

Erste Spuren habe Schmidt beim Ausbau der denkmalgeschützten elterlichen Scheune in Minkwitz, auf Schloss Colditz oder im ehemaligen Kloster Buch bei Leisnig hinterlassen. „Dort treffen wir beide erstmals aufeinander, lernen die Zusammenarbeit mit Prof. Rentsch schätzen und Thomas begegnet berufsbedingt italienischen Restauratoren. Sie entzünden die bis heute bei beiden Schmidts vorhandene Affinität zu dieser Sprache. Weitere Projekte werden auf der Burg Mildenstein oder in der Marienkirche Pirna realisiert“, verrät Jörg Liebig.

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Das Lieblingsprojekt von Thomas Schmidt sei aber in Gernrode im Harz zu finden. „Die um 1100 entstandene älteste erhaltene Nachbildung des heiligen Grabes von Jerusalem stellt den Übergang ottonischer Plastik zu romanischer Bildhauerkunst dar – hier mitwirken zu dürfen ist schon eine hohe Würdigung der eigenen Leistungen und präferiert für weitere anspruchsvolle Aufgaben“, so Liebig.

2008 erwarben Thomas Schmidt und seine Partnerin Diana Berger-Schmidt das Pfarrhaus in Wendishain. Um Gutes zu tun – das Projekt sollte ein Kindergarten in freier Trägerschaft werden. Doch die Umstände und der katastrophale Zustand des Gebäudes ließen diesen Plan scheitern.

300-jähriges Gebäude zu Gästehaus umgestaltet

Das 300-jährige Gebäude wurde über die Jahre gesichert, um es in mehrjähriger intensiver Sanierung zu einem Gästehaus umzugestalten. Mehrfach prämiert ist es heute ein sehr beliebter Ort für niveauvolles Nächtigen im Muldental und weit über die Grenzen der Region bekannt.

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„Dass dieses Projekt die Familie stark belastet hat, ist nicht vergessen. Aber die Gäste danken es und die Auslastung des Familienbetriebes im Nebenerwerb, schließlich sind beide selbstständige Restauratoren in der Denkmalpflege, verheißt für die Zukunft nur Gutes“, so Liebig.

Landrat Matthias Damm (CDU) zeigte sich beeindruckt, welches Engagement immer wieder bei dem Erhalt von Denkmalen gezeigt wird. „Damit wird ein Teil unserer Heimatgeschichte bewahrt“, so Damm. Zahlreiche Menschen identifizieren sich mit den historischen Gebäuden, was deren Bedeutung zeige.

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„Aber zur Wahrheit gehört auch, dass der Erhalt beziehungsweise die Sanierung der alten Bausubstanz eine enorme Herausforderung darstellt“, so Damm. Der Bereich Denkmalschutz des Landkreises sei dabei ein wichtiger Partner, der seine Aufgabe mit Verantwortung und dem nötigen Pragmatismus wahrnehme.

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