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Region Döbeln: Haare schneiden im Akkord

Die meisten Friseure haben ihre Öffnungszeiten erweitert. Aber nicht für jeden Kunden gibt es einen neuen Schnitt.

Alexandra Feil kurz vor der Wiedereröffnung der Hair Factory im Mai. Nun muss sie erneut ihr Studio schließen.
Alexandra Feil kurz vor der Wiedereröffnung der Hair Factory im Mai. Nun muss sie erneut ihr Studio schließen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Erst Erleichterung, dann am Sonntag doch der Rückschlag – die Friseursalons werden auch schließen. Obwohl der Freistaat im harten Lockdown das Haare schneiden noch erlaubt hat, kommt der Hammer mit den bundesweiten Maßnahmen ab Mittwoch. Das hat bereits am Sonntag für Wirbel bei den Inhabern und deren Mitarbeitern gesorgt.

Die Mehrheit der Kollegen an der Schere hat sich bereiterklärt, in den zwei Tagen bis Mittwoch alles zu geben und so vielen Kunden wie möglich noch einmal einen frischen Schnitt zu verpassen. Denn die meisten Salons waren zumindest bis Weihnachten ausgebucht. Sobald am Sonntag feststand, welches Personal zur Verfügung steht, wurden die Kunden angerufen und Termine umgebucht.

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Im Studio statt im Büro

Normalerweise wäre Alexandra Feil von der Hair Factory in der Döbelner Ritterstraße am Montag im Büro gewesen, ein Teil des Teams schichtbedingt Zuhause. Aber aufgrund der aktuellen Entwicklung haben sich alle dazu bereiterklärt, auch am Montag zu arbeiten. Jeder hat seine Kunden angerufen und Termine geändert.

Am Dienstag wollen Feil und ihre Mitarbeiter noch einmal so viele Kunden wie möglich frisieren. Doch alle werden nicht zu schaffen sein. Den Mitarbeitern steht nun wieder Kurzarbeit bevor. „Anderes bleibt mir nicht übrig. Entlassen wird bei mir aber keiner“, sagt Feil.

Kräfte und Kapazitäten an der Grenze

Auch für die Friseure ist es der zweite Lockdown. Im Frühjahr waren die Haarstudios schon einmal für sechs Wochen geschlossen. Trotz verlängerter Öffnungszeiten nach der Wiedereröffnung im Mai, die Verluste waren nicht mehr aufzuarbeiten.

Auch in den Geschäften von Friseure Central in Döbeln würden die Mitarbeiter von Jana Kettner alles geben, was möglich sei. „Doch irgendwo sind die Kapazitäten und Kräfte auch an einer Grenze“, sagt die Inhaberin und Chefin von 29 Mitarbeitern, die nach der Nachricht über die bevorstehende Schließung der Friseure am Sonntag erst einmal Chaos im Kopf gehabt habe.

Kettner sei froh, dass alle Kollegen die zwei Tage mitziehen. Jeder habe für sich mit den Kunden Termine neu ausgemacht. Auch Montagnachmittag standen die Friseure noch in den Salons und haben gearbeitet, obwohl eigentlich 13 Uhr Schluss gewesen wäre.

„Wir arbeiten jetzt letztendlich durch bis Dienstagabend“, sagte Katja Immerthal vom Hairpoint in Waldheim. Normalerweise hat der Salon montags geschlossen. Nicht so in dieser Woche. Schon am Vormittag stand Immerthal mit ihren zwei Kolleginnen in der Filiale an der Schloßstraße. Einige der Kunden, die bis Ende der Woche einen Termin hatten, konnten so noch drangenommen werden. Aber auch hier bei weitem nicht alle. Für ihre Mitarbeiter wird Immerthal nun wieder Kurzarbeit anmelden. „Was bleibt mir auch anders übrig“, meint die Chefin.

Friseure im Dauereinsatz

Bereits seit der vergangenen Woche sind Ines Rhode und ihr Team vom Hairplus in Hartha zwölf Stunden täglich im Einsatz. „Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis auch für uns die Schließung kommt“, begründet Rhode. Auch ihr Geschäft sei zumindest bis Weihnachten ausgebucht gewesen. Und auch sie wird es bis Dienstagabend nicht schaffen, allen Kunden die Haare zu schneiden. Hinzu kommt, dass eine ihrer Kolleginnen ausfällt, weil sie ihre Kinder betreuen muss. „Nun sind wir zu zweit im Dauereinsatz“, sagt Rhode.

Verlängerte Arbeitszeiten hatte die Chefin schon einmal in diesem Jahr, im Mai, als die Filiale an der Straße des Friedens nach dem ersten Lockdown wieder öffnen durfte und der Ansturm der Kunden groß war. „Da hatten wir gut zu tun.“ Doch die Umsätze aus dem Frühjahr waren verloren. „Das konnten wir nicht mehr reinholen.“ Über den Sommer habe sich die Lage wieder normalisiert.

Viel in Hygieneauflagen investiert

Das Hin und Her, die Friseurgeschäfte betreffend, hat Antje Reinwardt von Elite Friseure in Leisnig mehr als wütend gemacht. „Das ist ganz schlimm.“ Sie fühle sich verarscht hoch zehn. „Wir haben so viel in die Hygieneauflagen investiert“, so die Inhaberin am Montag. „Dann bekommen wir so eine Klatsche ins Gesicht. Das ist unverschämt.“ Mit drei Mitarbeitern stemmt die Mutter den Ansturm am Montag sowie Dienstag. Ihre Kinder werden derweil von ihrem Mann betreut. „Er muss die Zeit an den anderen drei Tagen dann wieder rausarbeiten“, sagt Antje Reinwardt. Dass sie keine Notbetreuung in Anspruch nehmen kann, sorgt ebenfalls für Frust. Die Verluste aus dem Frühjahr habe sie nicht wieder aufarbeiten können. „Das Jahr ist ganz schlecht gelaufen.“

Gleich, in welcher Filiale die Kunden am Montag versucht hatten, ihre Friseure zu erreichen. Die meisten Haarstudios waren besetzt. Für Gespräche zwischendurch blieb nur wenig oder gar keine Zeit. Zu zweit hat Claudia Allert mit ihrer Mitarbeiterin im Salon an der Mittelstraße in Roßwein Haare im Akkord geschnitten. Normalerweise hat auch sie am Montag geschlossen. „Wir wollen noch so viele Kunden wie möglich schaffen“, sagte Allert.

Bis mindestens 20 Uhr werden Simone Richter und ihre Kolleginnen Montag und Dienstag im Salon stehen. Den ganzen Sonntag habe sie Kunden hin und her gebucht. „Meine Mitarbeiter sind alle im Einsatz“, so Richter, die zwei Haarstudios in Ostrau betreibt. Selbst ihre Tochter, deren Freund die Kinderbetreuung übernimmt, sei mit im Studio.

Nach der Entscheidung am Sonntag sei Simone Richter baff gewesen. „Den ganzen Sommer über war Zeit, Maßnahmen zu treffen und Regeln aufzustellen. Dann wäre das Weihnachtsgeschäft gerettet gewesen“, meint Richter. Das Hin und Her bezüglich der Geschäfte habe dazu geführt, dass sie nun „gar nichts mehr“ glaube.

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