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Lockdown macht Geschäften zu schaffen

Viele kleine Händler in Döbeln haben mit den Auswirkungen der Krise zu kämpfen. Die spüren sie nicht nur am Umsatz.

Claudia (links) und Yvonne Roßberg von der gleichnamigen Weinhandlung sind froh, dass sie für ihre Kunden da sein dürfen. „Die Pandemie schlägt vielen Leuten aufs Gemüt“, sagen sie.
Claudia (links) und Yvonne Roßberg von der gleichnamigen Weinhandlung sind froh, dass sie für ihre Kunden da sein dürfen. „Die Pandemie schlägt vielen Leuten aufs Gemüt“, sagen sie. © Dietmar Thomas

Döbeln. Anstehen vor einem Geschäft ist in Corona-Zeiten nichts Ungewöhnliches. Wenn der Laden denn öffnen darf, ist die Personenzahl begrenzt. Doch wie wirken sich die Beschränkungen auf den Umsatz aus? Bleiben die Kunden weg oder treu? Antworten auf diese und andere Fragen hat Sächsische.de bei einem Rundgang durch Döbeln gesucht.

Vor dem Geschäft der Familie Roßberg in der Döbelner Innenstadt stehen an diesem Vormittag einige Leute. „Bis zum Mittag ist es oft so, dass die Leute draußen warten müssen, weil die Personenzahl auf zwei begrenzt ist. Nachmittags ist das kaum der Fall“, sagt Claudia Roßberg. Es sei schwierig, die Warenbestellung zu planen. Die Ungewissheit zehre an den Nerven. „Die Pandemie schlägt offenbar vielen Leuten aufs Gemüt. Es kommt schon mal vor, dass uns Kunden oder auch Lieferanten ihr Herz ausschütten“, so Claudia Roßberg. Sie und ihre Familie wollen nicht klagen. „Wir sind froh, dass wir für unsere Kunden da sein dürfen.

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“Im Geschäft für Tee, Kaffee und Schokolade von Gisela Hitzschke ist der Kundenbesuch in Corona-Zeiten deutlich geringer. „Der Umsatz ist um die Hälfte gesunken“, sagt die Inhaberin. Auch sie tut sich mit der Planung schwer. Es sei nicht einfach, die richtigen Mengen zu bestellen. Ihren Laden am Niedermarkt darf jeweils nur ein Kunde betreten. „Schwierig wird es, wenn zum Beispiel Paare gemeinsam hereinkommen. Die sehen es teilweise nicht ein, dass nur einer von ihnen hereindarf“, so Hitzschke.

Schwierig für Kunden und Ladeninhaber

Weil es für viele Kunden schwierig ist, Geschenke zu besorgen, bietet Gisela Hitzschke kleine Präsente an. Eine Auswahl davon ist beim Betreten des Geschäftes nicht zu übersehen. „Die Leute nehmen das gern an und nutzen auch unseren Lieferservice“, so Hitzschke.

Offenbar nahezu ohne Auswirkungen ist die Corona-Krise für den Presseshop von Katrin Becker am Obermarkt geblieben. „Die Kunden kommen nach wie vor ins Geschäft“, sagt die Inhaberin.

Dagegen spürt Thorsten Petzold vom Döbelner Kartoffelhaus die Auswirkungen deutlich. „Die Leute können sich nicht mehr bei uns hinsetzen, um ihr Essen zu verzehren. Das macht sehr viel aus“, sagt Petzold. Zwar gibt es noch genügend Kunden, die sich ihr Mittag bei ihm abholen, das Frühstücksangebot habe er jedoch ganz streichen müssen. Demnach sei der Umsatzverlust deutlich spürbar. „Wir können nur froh sein, dass es noch Firmen und Büros gibt, die auf eine Mittagsversorgung angewiesen sind“, so Petzold, der darauf hofft, dass sich die Lage möglichst schnell wieder normalisiert.

Caroline Bothin, Inhaberin der Suppenküche „Kleine Auszeit“, zeigt die Pappbecher, in die sie das Essen für ihre Kunden füllt.
Caroline Bothin, Inhaberin der Suppenküche „Kleine Auszeit“, zeigt die Pappbecher, in die sie das Essen für ihre Kunden füllt. © Dietmar Thomas

Auch Caroline Bothin vom Suppenimbiss „Kleine Auszeit“ hat einen deutlichen Umsatzeinbruch festgestellt. „Das bewegt sich zwischen 30 und 40 Prozent“, sagt sie. Dennoch wolle sie nicht klagen. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 habe sie die Situation als schlimmer empfunden, weil damals auch viele Firmen geschlossen waren. „Jetzt kommen die Mitarbeiter aus den umliegenden Büros regelmäßig, um sich etwas zu essen zu holen. Dafür bin ich dankbar“, so Caroline Bothin.

Eva Pötzsch aus Zschochau ist mit ihrem Stand für Obst, Gemüse und Eier mittwochs und freitags auf dem Döbelner Wochenmarkt zu finden. Sie hat festgestellt, dass während des Lockdowns viel mehr junge Leute bei ihr einkaufen als sonst. „Viele kochen zu Hause und holen sich dafür frisches Gemüse“, sagt Eva Pötzsch. Zudem sei der Besuch auf dem Wochenmarkt eine gute Gelegenheit, mal an die frische Luft zu kommen.

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Augenoptiker Sebastian Kühne verzeichnet deutlich weniger Kunden als zu „normalen“ Zeiten. Viele wüssten gar nicht, dass Optiker geöffnet haben. Während er in Döbeln die Öffnungszeiten weitgehend belassen hat, ist die Filiale in Ostrau nur an zwei Tagen in der Woche geöffnet. Generell setzt er aber darauf, Termine zu vergeben. „Das machen wir auch bei kleineren Sachen, wie zum Beispiel, wenn etwas abgeholt werden kann“, sagt Sebastian Kühne. Er hoffe, dass bald wieder alle Geschäfte öffnen dürfen. „Dann sind wieder mehr Leute in der Stadt und die Läden sind belebter“, so Kühne.

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