merken
PLUS Döbeln

2.000 Arbeiter bauten die A 14

Der 75 Kilometer lange Abschnitt wurde in 30 Monaten fertiggestellt. Bauleiter Dr. Hermann Gärlich erinnert sich.

Dr. Hermann Gärlich hat den Bau der Autobahn im Abschnitt Engelsdorf bis Deutschenbora vor 50 Jahren als Bauleiter begleitet.
Dr. Hermann Gärlich hat den Bau der Autobahn im Abschnitt Engelsdorf bis Deutschenbora vor 50 Jahren als Bauleiter begleitet. © Dietmar Thomas

Döbeln/Leipzig. Es sei eine schöne und spannende Zeit gewesen, sagt Dr. Hermann Gärlich. Er erinnert sich an viele Details, obwohl der Bau des knapp 75 Kilometer langen Abschnitts der Autobahn 14 zwischen Engelsdorf bei Leipzig und Deutschenbora bereits 50 Jahre her ist. Die Eröffnung der Strecke wurde am 7. Oktober 1971 an der Abfahrt Döbeln Nord gefeiert.

In den drei Jahren davor sorgte Hermann Gärlich als Bauleiter für einen reibungslosen Ablauf. „Die Autobahn war bereits im Dritten Reich geplant“, sagt er. Deshalb hätte es auch schon einige Brückenpfeiler gegeben. Mehr jedoch nicht. Ende der 1960er-Jahre habe man sich dann auf die noch immer vorhandenen Pläne besonnen. Und von der Idee, die Autobahn zu bauen, bis zum Start sei kein halbes Jahr vergangen. Das war im März 1969.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Technik aus dem Westen im Einsatz

Dieser Abschnitt der Autobahn sei derjenige gewesen, der am weitesten vorbereitet war. Unter anderem seien der Baugrund untersucht und die Lage von Kiesgruben bekannt gewesen. „Die ursprünglichen Zeichnungen waren noch vorhanden, wurden übernommen und unseren Maschinenbreiten angepasst“, so der Bauleiter.

Teilweise seien auch die Brücken verbreitert, der vier Meter breite Mittelstreifen aber auf drei Meter verengt worden. Somit konnten die Fahrstreifen etwas breiter gebaut werden, ohne dass auf tausenden Metern Erdarbeiten notwendig waren.

„In der DDR wurde bei den Autobahnen aus militärrischen Gründen auf die Ost-West-Richtung orientiert“, so Gärlich. „Und weil der Bau strategisch wichtig gewesen ist, bekamen wir dafür auch Geräte aus dem Westen.“ Eine Betoniermaschine stammte beispielsweise aus Belgien. Deren Funktionsweise sei vor dem Einsatz auf der künftigen A 14 auf einem einspurigen Stück Autobahn zwischen Stollberg und Plauen getestet worden.

Sieben tödliche Arbeitsunfälle

Zudem stand eine Betonmischanlage mit einem Volumen von 5.000 Litern zur Verfügung, die je nach Baufortschritt in Ammelshain, Bockelwitz und Starbach zum Einsatz kam. Bei voller Auslastung konnte pro Tag ein Kilometer der Autobahn betoniert werden.

Die Ingenieure hätten weitestgehend freie Hand gehabt. „Es gab nicht so viele Vorschriften wie heute“, meint Gärlich. Zwar habe der eine oder andere aus der Partei und den Behörden, „der schon mal einen Nagel in die Wand geschlagen hat, versucht reinzureden.

Aber je weiter wir uns mit dem Bau von deren Sitz entfernt haben, umso besser wurde es, weil ihr Spritkontingent nicht ausreichte, um auf die Baustelle zu kommen“, erklärt Gärlich.

  • Nachrichten aus der Region Döbeln von Sächsische.de gibt es auch bei Facebook und Instagram

Die Baustelle sei in drei Abschnitte aufgeteilt gewesen, auf denen rund 2.000 Menschen gearbeitet haben – und zwar rund um die Uhr. Die Arbeiter seien neun Tage am Stück, jeweils zwölf Stunden lang auf der Baustelle gewesen. Danach fuhren sie für fünf Tage nach Hause. „Die Maschinen haben sich auf der Autobahn immer gedreht“, so Gärlich. Dabei habe es leider auch sieben tödliche Arbeitsunfälle gegeben – drei „richtige“ und vier durch das Vernachlässigen des Arbeitsschutzes.

Mit dem Gerät im oberen Teil des Bildes wurde ein Paraffinfilm auf den Beton gesprüht, damit er nicht austrocknet.
Mit dem Gerät im oberen Teil des Bildes wurde ein Paraffinfilm auf den Beton gesprüht, damit er nicht austrocknet. © Hermann Gärlich
Mit dem Gerät, Marke Eigenbau, das der Traktor ZT 300 zog, wurde Kalk verteilt und eingefräst.
Mit dem Gerät, Marke Eigenbau, das der Traktor ZT 300 zog, wurde Kalk verteilt und eingefräst. © Hermann Gärlich
Bei Fuchshain quert die A 14 einen Bachlauf. Etwas weiter entsteht später die Abfahrt Naunhof.
Bei Fuchshain quert die A 14 einen Bachlauf. Etwas weiter entsteht später die Abfahrt Naunhof. © Hermann Gärlich
Zwischen zwei Leitdrähten hat ein Fertiger die Asphaltschicht eingebaut.
Zwischen zwei Leitdrähten hat ein Fertiger die Asphaltschicht eingebaut. © Hermann Gärlich
Die Pfähle neben der Autobahn wurden für eine Stromleitung gesetzt, die aber nicht rechtzeitig fertig wurde..
Die Pfähle neben der Autobahn wurden für eine Stromleitung gesetzt, die aber nicht rechtzeitig fertig wurde.. © Hermann Gärlich
Die Betonmischanlage hatte ein Volumen von 5.000 Litern und wurde an drei Standorten eingesetzt.
Die Betonmischanlage hatte ein Volumen von 5.000 Litern und wurde an drei Standorten eingesetzt. © Hermann Gärlich
Der Planumsfertiger hat die verdichtete Kiesschicht abgefräst und seitlich mit dem Förderband abgesetzt.
Der Planumsfertiger hat die verdichtete Kiesschicht abgefräst und seitlich mit dem Förderband abgesetzt. © Hermann Gärlich

Was nötig war, wurde unkompliziert beschafft

Die Arbeiter waren in Wohnlagern untergebracht, von denen sich eins in Leisnig befand. Dort und in einem rollenden Baustellenkonsum erhielten sie Lebensmittel, die es im normalen Handel nur sehr selten oder gar nicht gab. „Das Motto war: Die Autobahnarbeiter müssen wir unterstützen, damit sie gut arbeiten und schnell wieder weg sind“, sagt Gärlich.

Das Projekt sei so hoch angebunden gewesen, dass die Ingenieure nur zu sagen brauchten, was sie benötigen und es wurde beschafft. Das ging sogar von der Baustelle aus auf kurzem Weg telefonisch, obwohl es noch keine Handys gab.

„Die Mitglieder der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) haben entlang der Autobahn eine Telefonleitung verlegt und im Abstand von jeweils einigen hundert Metern wurden Telefonhäuschen aufgestellt. In denen befanden sich Kurbeltelefone für die Materialbestellung und für Notrufe“, erklärt der heute 79-jährige Bauleiter.

Ein anderes Vorhaben hat dagegen etwas zu lange gedauert. Aufgrund der Ölknappheit sollten alle Maschinen auf der Baustelle mit Strom betrieben werden. Dazu wurden entlang der Autobahn Strommasten aufgestellt und Leitungen gezogen. Als die Trasse fertig war, sei aber auch der Autobahnbau beendet gewesen. „Und die Masten wurden wieder ausgegraben.“

Grimmaer Brücke besondere Herausforderung

Eine besondere Herausforderung sei der Bau der Stahlbetonbrücke bei Grimma gewesen. Außerdem habe es in der dortigen Region eine Morastebene gegeben, in der sich der Bau schwierig gestaltet habe. Aber es sei eine Lösung gefunden worden, sodass dort jetzt quasi zwei Autobahnen übereinander liegen.

Weiterführende Artikel

Riesenbrücke der A14 bei Grimma wird neu gebaut

Riesenbrücke der A14 bei Grimma wird neu gebaut

Die A14-Brücke über das Muldetal wird durch einen Neubau ersetzt. Die Arbeiten dauern voraussichtlich fünf Jahre. Der Bund gibt dafür 68 Millionen Euro aus.

Mit Tatra und Wolga zur Eröffnung der A14

Mit Tatra und Wolga zur Eröffnung der A14

Am Bau der Autobahn waren 45 Firmen beteiligt. Dazu gehörten auch vier aus der Region Döbeln. Warum die Autobahn für Döbeln so wichtig ist.

Und es gibt noch eine Besonderheit. Da im Winter der Kies eingefroren war, sei solcher aus den Braunkohlerevieren geholt und an der Autobahn abgekippt worden. Als er verarbeitet werden sollte, stellte er sich jedoch als nicht brauchbar heraus. Damit die vielen Tonnen Kies nicht wieder abtransportiert werden mussten, sei kurzerhand damit ein Parkplatz angelegt worden.

Abgesehen von der Versuchsstrecke zwischen Stollberg und Plauen war es die erste Autobahn, die nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde. Und das in einer Rekordzeit von 30 Monaten.

Mehr zum Thema Döbeln