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60 Millionen Euro in Döbelner Flutschutz verbaut

Die Döbelner haben auch eine Liegewiese am Wasser bekommen. Aber jetzt stockt der Weiterbau. (SZ+)

Axel Bobbe (von rechts) und Stefan Dornack von der Landestalsperrenverwaltung haben zusammen mit Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser das symbolische Band zerschnitten. Mit der Flutrinne, die große Mengen Wasser an Döbeln vorbeileiten kann, ist a
Axel Bobbe (von rechts) und Stefan Dornack von der Landestalsperrenverwaltung haben zusammen mit Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser das symbolische Band zerschnitten. Mit der Flutrinne, die große Mengen Wasser an Döbeln vorbeileiten kann, ist a © Lars Halbauer

Döbeln. Das Wetter an diesem Dienstagmittag erinnerte daran, wie schnell das Wasser in der Mulde steigen kann. Es regnete ausgiebig, als sich die Gruppe Menschen unter einem Pavillon sammelte, der am unteren Ende der Flutmulde aufgebaut war. Es war der offizielle Abschluss des umfangreichsten Abschnittes für den Hochwasserschutz in Döbeln – dem Ausbau der Flutmulde.

Außerdem schnippelten Stefan Dornack und Axel Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung mit Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) ein Band durch. Denn zum Flutschutz kommt an dieser Stelle die Freizeitgestaltung der Döbelner. Am Steigerhausplatz ist ein Wiesengelände direkt am Fluss entstanden, das die Landestalsperrenverwaltung an die Stadt Döbeln zur Nutzung übergeben hat. „Wenn schönes Wetter ist, können die Döbelner hier Picknick machen. Und die Stadt Döbeln kann den Rasen pflegen, den wir hier angelegt haben“, meinte Axel Bobbe.

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Wunsch der Döbelner erfüllt

Als es losging mit dem Ausbau der Flutmulde, war es ein Wunsch der Stadt Döbeln, den Fluss für die Bewohner erlebbar zu machen. Die Döbelner können jetzt an teilweise neu angelegten Wegen entlang des südlichen Muldenarms flanieren.

Am Steigerhausplatz ist eine mit niedrigen Terrassen gestaltete Wiesenfläche angelegt worden. Die war so nicht in den Planungen vorgesehen. „Hier sollten Wasserbausteine aufgeschüttet werden“, sagte Bobbe.

Auch die Flutmulde selbst ist im Grunde begehbar. Das Flanieren an dieser Stelle ist vom Bauherrn allerdings nicht explizit vorgesehen. „Wir werden aber auch niemanden herausjagen“, sagte Projektleiter Thomas Zechendorf. Der Spaziergang würde zudem beschwerlich. Wer vom Steigerhausplatz etwa zum Niederwerder will, müsste die Mittelrinne überqueren.

Spaziergang in der Flutmulde?

Zudem besteht zumindest die theoretische Gefahr, dass sich just während des Spaziergangs das Klappenwehr am Schloßberg öffnet. Allerdings gibt es eine halbe Stunde zuvor Ansagen und Lichtsignale vom Warnsystem, dass an allen Brücken über der Flutmulde angebracht ist. Zudem öffne sich das Wehr stufenweise, sodass sich das Bett langsam füllt, sagte Zechendorf.

Rund sieben Jahre hatten mehrere Baufirmen an dem Ausbau der Flutmulde gearbeitet. Fast zwei Kilometer Hochwasserschutzwände seien gebaut worden, sagte Bobbe. Rund 210.000 Kubikmeter Aushub seien aus der Stadt heraus und etwa 10.000 Kubikmeter Beton hereingebracht worden. Dazu seien etwa 9.000 Lkw-Fahrten nötig gewesen.

Die Schutzwände sind als eingefärbter Sichtbeton gegossen, der dem ortstypischen Porphyr nachempfunden ist. „Auch Beton hat eine Ästhetik“, sagte Bobbe. Innerstädtisch gebe es wenig Möglichkeiten, anders zu bauen.

Kosten sind explodiert

Billig war das alles nicht. Rund 60 Millionen Euro sind bisher in Döbeln für den Hochwasserschutz verbaut worden. Als vor Jahren mit dem Bau der Hochwasserschutzanlagen an der Ritterstraße gestartet wurde, war noch von 20 Millionen Euro Gesamtkosten die Rede.

Aber enorme Kostensteigerungen seien auch bei anderen Projekten aufgetreten, sagte Bobbe. Viele Probleme würden sich erst im Laufe der Planungen ergeben. Dazu kämen die gestiegenen Baupreise. Wie Bobbe sagte, werde der Ausbau des gesamten Flutschutzes in Döbeln geschätzte 90 Millionen Euro kosten. „Es könnten am Ende aber auch 100 Millionen werden. Dazu können wir heute noch keine Prognose abgeben.“

„Unser Ziel war, dass in Döbeln immer ein Bagger für den Flutschutz in Aktion ist“, sagte Bobbe. Jetzt wird aber erst einmal eine längere Pause eintreten. Der Grund: Die Finanzierung ist nicht bestätigt. „Ob wir im nächsten Jahr weitermachen können, steht in den Sternen“, sagte Bobbe.

Ausschreibung ist vorbereitet

Allerdings seien die Planungen für den Bauabschnitt von der Oberbrücke bis Sörmitz abgeschlossen und die Ausschreibungsunterlagen vorhanden. „Allerdings dauert die europaweite Ausschreibung auch noch mal ein viertel Jahr“, so Bobbe.

Oberbürgermeister Sven Liebhauser schickte einen dringenden Appell nach Dresden, dass die Finanzierung abgesichert werden sollte. „Schaffen Sie Sicherheit für Döbeln. Es kann nicht sein, dass es nur an kleinen Dingen liegt, dass die Mittel nicht freigegeben werden.“ Mit komplettem Hochwasserschutz wäre Döbeln vor einem Hochwasser geschützt, das statistisch alle 50 Jahre auftritt.

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Positiv sei, dass jetzt das Planfeststellungsverfahren für das Rückhaltebecken in Oberbobritzsch beendet worden ist. „Ich appelliere an alle Beteiligten, dass es mit dem zweiten Rückhaltebecken in Mulda jetzt auch vorangeht“, so Liebhauser. Wenn diese Rückhaltungen realisiert sind, wäre Döbeln vor einem 100-jährlichen Hochwasser geschützt.

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