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Ab Dienstag steht der nächste Laden in Roßwein leer

Dass es schwer werden dürfte, das Geschäft neu zu vermieten, weiß keiner besser als Roßweins Bürgermeister. Er stand dort selbst mal hinterm Ladentisch.

Einige Roßweiner werden sich noch daran erinnern, wie ihre Kinder mit strahlenden Augen die Auslagen des Geschäftes „Spielewelt Lindner“ am Markt bewundert haben. Das ist nun vorbei.
Einige Roßweiner werden sich noch daran erinnern, wie ihre Kinder mit strahlenden Augen die Auslagen des Geschäftes „Spielewelt Lindner“ am Markt bewundert haben. Das ist nun vorbei. © Dietmar Thomas

Roßwein. Alles hat seine Zeit – diese Worte fallen Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) auch ein, wenn er aus seinem Amtszimmer über den Marktplatz auf das gegenüberliegende Ladengeschäft blickt: die Spielewelt Lindner. Kathrin Heilfort, seit 2012 Inhaberin des Ladens, schließt das Geschäft am Montag zum letzten Mal auf und dann endgültig zu.

„Ja, auch die Spielewelt hatte ihre Zeit“, sagt Veit Lindner mit ein wenig Wehmut. Fast schelmisch lächelt er, wenn er an die Anfänge dieses Geschäfts zurückdenkt. Mit der Wende hatten sich seine Zukunftspläne überholt. Am liebsten hätte Lindner sein DJ-Hobby zum Beruf gemacht. Doch das hatte sich erledigt.

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Barbie-Puppen förmlich aus der Hand gerissen

„Neu aufkommende Computer waren im Gegensatz zu Tontechnik und Schallplatten nicht so mein Ding. Daher hab ich gedacht, ich versuche es mal mit dem Spielwarenverkauf. Spielsachen gab es bis dahin nur in kleiner Auswahl bei Korbmacher Backofen“, erinnert sich Lindner. Das erste Geschäft eröffnete er im November 1991, fünf Jahre später folgte der Umzug in das Ladenlokal am Markt.

Lindners Eltern hätten mit Mitarbeitern dann immer öfter das Tagesgeschäft übernommen. Er selbst war mit Gründung des Geschäftes gerade Student an der Ingenieurschule Roßwein – der späteren Hochschule Mittweida/Roßwein – geworden. Deshalb war seine Zeit hinterm Ladentisch begrenzt.

Übervolle Regale und eine rege Kundenfrequenz - so sah es in der Spielewelt Linder noch vor ein paar Jahren aus. Die Corona-Pandemie hat dem kleinen Spezialgeschäft in Roßwein den Stoß ins Aus gegeben. Die Inhaberin gibt auf.
Übervolle Regale und eine rege Kundenfrequenz - so sah es in der Spielewelt Linder noch vor ein paar Jahren aus. Die Corona-Pandemie hat dem kleinen Spezialgeschäft in Roßwein den Stoß ins Aus gegeben. Die Inhaberin gibt auf. © Archivfoto: privat

An den anfänglichen Run auf Spielzeug kann sich Lindner trotzdem noch gut erinnern. „Manches brauchten wir gar nicht auspacken. Barbie-Puppen oder Kampfkreisel zum Beispiel, die haben uns die Kunden förmlich aus den Kartons und Händen gerissen.“

Am neuen Standort an der Döbelner Straße 1 konnte dann auch der Service für die Deutsche Post mit übernommen werden. „Damit hatten wir als erster Privatladen in der Region eine Postagentur“, sagt er. Nun sucht die Post einen neuen Partner. Denn mit der Geschäftsschließung von Kathrin Heilfort geht auch dieses Dienstleistungsangebot verloren.

Seit 2001 ist Veit Lindner Bürgermeister von Roßwein. Das Spielwarengeschäft hatte er 2012 an seine Nachfolgerin übergeben. Heute würde er keines mehr führen wollen. Der Druck des Internethandels gerade für kleinere Geschäfte sei hoch existenzgefährdend, begründet er.

Gleich am Markteingang hat sich die Spielewelt befunden. Wenn sie am Montagabend schließt, dann gibt es noch eine Geschäft weniger in Roßwein, und auch die Post kann ihr Dienstleistungsangebot an dieser Stelle nicht mehr anbieten.
Gleich am Markteingang hat sich die Spielewelt befunden. Wenn sie am Montagabend schließt, dann gibt es noch eine Geschäft weniger in Roßwein, und auch die Post kann ihr Dienstleistungsangebot an dieser Stelle nicht mehr anbieten. © Dietmar Thomas

Dass sich so schnell ein Nachmieter für das Ladenlokal findet, wünscht sich Lindner zwar, aber so richtig glauben kann er daran nicht. Dafür brauche es ein starkes Sortiment, findet er.

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Doch das sei im Moment in kleineren Städten schlecht umzusetzen. Schade für Roßwein findet Veit Lindner als Stadtchef, dass der Markt vom Einzelhandel her immer mehr an Attraktivität verliert. Daran und am geänderten Kaufverhalten der Kunden können aber weder er noch die Stadträte etwas ändern.

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