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Abwasseranlagen aus der Schule Choren

Die Firma Wassertechnologie Richter wird das Schulhaus kaufen. Der Unternehmer hatte lange nach einer passenden Immobilie gesucht.

Marko Richter, Geschäftsführer der Firma Wassertechnologie Richter, mit einer Wasseraufbereitungsanlage, die im Firmensitz, einem Bauernhof in Gruna bei Nossen, gefertigt wurde. Die Firma will sich vergrößern und hat vor, die Schule in Choren zu kaufe
Marko Richter, Geschäftsführer der Firma Wassertechnologie Richter, mit einer Wasseraufbereitungsanlage, die im Firmensitz, einem Bauernhof in Gruna bei Nossen, gefertigt wurde. Die Firma will sich vergrößern und hat vor, die Schule in Choren zu kaufe © Dietmar Thomas

Döbeln. Nach der Wende war die nagelneue Chorener Schule nur kurze Zeit in Betrieb gewesen. Heute, fast 30 Jahre später, soll sie ein zweites Leben erhalten. Der Stadtrat hat dem Verkauf der Immobilie zugestimmt.

Die Firma Wassertechnologie Richter aus dem nur fünf Kilometer entfernten Gruna bei Nossen will Gebäude und ein 7.000 Quadratmeter großes Grundstück erwerben. Bisher produziert die Firma in einem alten Bauernhof in Gruna.

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Das Seitengebäude, ehemals Stall, Scheune und Heuboden, sei komplett ausgenutzt, sagte Geschäftsführer Marko Richter. Der Platz wird knapp. „Seit siebeneinhalb Jahren mache ich das jetzt. Wir wachsen zweistellig“, sagte der Geschäftsführer. „Ich hätte gerne ein lange abgerissenes Seitengebäude wieder aufgebaut. Aber wegen des Denkmalschutzes ist das nur unter hohen Auflagen möglich.“

Seit fast 30 Jahren steht die Schule in Choren leer. Ende 2015 hatte der Landkreis das Haus beschlagnahmt, um eine Notunterbringung für bis zu 200 Flüchtlinge einzurichten. Dazu kam es dann allerdings nicht.
Seit fast 30 Jahren steht die Schule in Choren leer. Ende 2015 hatte der Landkreis das Haus beschlagnahmt, um eine Notunterbringung für bis zu 200 Flüchtlinge einzurichten. Dazu kam es dann allerdings nicht. © Dietmar Thomas

Seit fast drei Jahren sei er auf der Suche nach einem anderen Standort gewesen. Eine Ansiedlung im Nossener Gewerbegebiet war dabei für den Geschäftsmann keine Option – wegen der finanziellen Belastungen, die der Kauf des Grundstücks und der Neubau mit sich bringen würde. „Wir brauchen keine Hochglanzimmobilie. Ich wollte immer etwas, das schon steht und in das wir das Geld so reinstecken, wie wir es verdienen“, sagte Richter.

Bei der Schule in Choren sind die finanziellen Risiken für den Unternehmer deutlich überschaubarer. Die Stadt will 156.000 Euro für Gebäude und Grundstück. Die Firma bringt Produktion, Vertrieb und Büros auf drei Etagen unter. Die vierte Etage bleibt vorerst ungenutzt und in Reserve für spätere Erweiterungen.

An die Schule soll ein Lastenaufzug angebaut werden. Geplant ist zudem der Abriss des ehemaligen Heizhauses. An seiner Stelle will die Firma eine Lagerhalle errichten. Am Standort sollen künftig zwölf bis 14 Mitarbeiter beschäftigt sein.

Ausbereitungsanlagen für viele Zwecke

Die Firma Wassertechnologie Richter stellt Wassereinigungsanlage für sehr spezielle Ansprüche her. Mit ihnen werden zum Beispiel Abwässer von Leimherstellern und der Möbelindustrie gesäubert. Oder die Abwässer von Flughäfen, die durch Metallpartikel belastet sind. Die Anlagen bereiten Abwässer aus Waschanlagen für Autos und Züge auf. Auch Betonwerke greifen auf die Technik der Nossener Firma zurück, um ihre stark alkalischen Abwässer zu neutralisieren. Die Standortanlagen hätten etwa die Größe von Euro-Paletten, sagte Richter.

Die Aufbereitungsanlagen werden zum großen Teil nicht aus Metall, sondern aus Kunststoffkomponenten gebaut. „Wir beschäftigen deshalb Kunststoffschweißer“, sagte Richter. Die Fertigungstiefe der Firma ist ziemlich hoch. Sie baut auch die benötigten Schaltschränke selbst und schreibt sogar die Programme für die Steuerung der Anlagen.

Vertriebsfirma soll umziehen

Zudem vertreibt die Firma die für den Betrieb benötigten Verbrauchsmittel. Eine weitere Firma in Wetter an der Ruhr, die mit Filterstoffen für Wasseraufbereitungsanlagen handelt, soll später auch noch in Choren angesiedelt werden, sagte Richter. „Vielleicht bauen wir dann noch eine zweite Halle.“

Mit dem Umzug ins neue Domizil hat es der Unternehmer nicht sonderlich eilig. „Vielleicht zum Jahreswechsel“, sagte er. In den nächsten Monaten ist einiges zu tun. Um das Objekt kommt eine Einzäunung. Das Gebäude braucht eine neue Dachhaut, die alten Fenster sind aufzuarbeiten. „Wir bringen die Schule in diesem Jahr auf einen Stand, dass sie für uns nutzbar ist.“

Produktion aus abgewandter Seite

Mit der Stadt sei vereinbart, dass die Räume, in denen produziert wird, auf der vom Ort abgewandten Seite eingerichtet werden. Auf die Südseite kommen vor allem Büroräume, sagte Marko Richter. In einer zweiten Ausbaustufe will er auf dem kleinen Schulhof einen Parkplatz für die Mitarbeiter einrichten.

Bei der Stadt Döbeln hatte es noch zwei weitere Anfragen von Kaufinteressenten für das Objekt gegeben. Dabei handelte es sich um eine Initiative zur Gründung einer freien Schule. Vertreter hatten sich das Haus schon im vorigen Jahr angeschaut, aber keinen Kaufantrag gestellt.

Andere Interessenten abgesprungen

Außerdem hatte sich ein Physiker für das Gebäude interessiert, der ein Labor für Material- und Oberflächenuntersuchungen einrichten wollte. Im Erdgeschoss sollte eine Holzwerkstatt eingebaut werden, so die Stadtverwaltung. Einen vereinbarten Termin habe der Kaufinteressent jedoch nicht wahrgenommen und es habe keinerlei Rückmeldung gegeben.

Die Stadt verkauft nur die Schule mit der dazugehörigen Fläche. Die Sporthalle behält sie in ihrem Besitz. Sie wird weiter dem Vereinssport zur Verfügung stehen.

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