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Ärztin kritisiert Corona-Politik

Sie hält den Inzidenzwert als Grundlage für Entscheidungen für falsch. Sie fordert mehr Fürsorge für die Gesunden.

Dr. Annelie Jordan war seit 2008 Amtsärztin und Leiterin des Gesundheitsamtes Mittelsachsen und geht nun in den Ruhestand.
Dr. Annelie Jordan war seit 2008 Amtsärztin und Leiterin des Gesundheitsamtes Mittelsachsen und geht nun in den Ruhestand. © Foto: Landratsamt

Mittelsachsen. Sie sei keine Frau der großen Reden, meint Dr. Annelie Jordan. Bei ihrer Verabschiedung als Amtsärztin und Leiterin des Gesundheitsamtes Mittelsachsen im Kreistag trat sie aber doch ans Mikrofon – und machte ihrem Herzen Luft.

Die 50 Berufsjahre hätten sie geprägt. Sie habe auch Akzeptanz und Toleranz gelernt. Diese wünsche sie auch den Kreisräten. Die sollten immer wieder über den Tellerrand schauen.

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„Auch andere dürfen mal recht haben“, sagt sie und appelliert, die Redezeit zu minimieren. Die Konzentration eines Erwachsenen drifte nach zehn Minuten dahin. Bei einer Power-Point-Präsentation schwinde die Aufmerksamkeit nach 18 bis 20 Minuten.

Kinder sind keine Pandemieträger

Noch mehr bewegt Annelie Jordan das Thema Corona und wie damit umgegangen wird. Besonders die Kinder leiden, sagt sie und fragt: „Wie viele Kinder und Lehrer sind bisher an Corona gestorben?“ Ihr seien drei Kinder bekannt, „die alle vorgeschädigt waren.“

Jedes dritte Kind sei inzwischen verhaltensauffällig. „Die Kinder haben keine Lust mehr, und sie sind nicht die Pandemieträger“, so die Ärztin. Sie habe fünf Enkel im Alter zwischen zwei und 18 Jahren, die sie jetzt zeitweise betreue – einschließlich Homeschooling. „Ich ziehe den Hut vor allen Eltern, die das durchstehen“, sagt sie.

Unverständlich ist ihr, dass bei Pandemie-Entscheidungen der Inzidenzwert zugrunde gelegt wird. Denn Inzidenzen sind neu auftretende Krankheitsfälle. Bei Corona werde aber jeder positiv Getestete gezählt, auch wenn er keinerlei Symptome hat. „Als Mediziner fehlen mir basierte Daten. Wo bleiben die Obduktionsergebnisse?“, so die Ärztin.

Zeit, neue Wege zu gehen

Es sei Zeit, neue Wege zu gehen. „Wir haben auch eine Fürsorgepflicht für die Gesunden, nicht nur für die Kranken.“ Mit diesen Worten trifft sie den Nerv der Kreisräte, die ihr teilweise stehend applaudieren.

Ende März verlässt Annelie Jordan das Landratsamt, für das sie seit 2008 tätig war. Sie habe den Beruf von der Schwester bis zur Approbation gelernt und gelebt sagt Landrat Matthias Damm (CDU). Sie sei stets verantwortungsvoll gewesen, habe aber auch Maßstäbe gesetzt.

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