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Alte Bäckerei in Hartha steht zum Verkauf

Das Gebäude soll 15.000 Euro kosten. Die Stadt überlegt das Haus, das auch eine kriminelle Vergangenheit hat, zu kaufen.

Der Gebäudekomplex, in dem sich früher auch eine Bäckerei befand, soll verkauft werden.
Der Gebäudekomplex, in dem sich früher auch eine Bäckerei befand, soll verkauft werden. © Dietmar Thomas

Hartha. Das ehemalige Bäckereigebäude an der Goethestraße ist seit Jahren dem Verfall preisgegeben. Im vergangenen Jahr sollte das Gebäude inklusive Konsum noch 62.000 Euro kosten. Deshalb gab es für das etwa 1.630 Quadratmeter große Grundstück keinen Interessenten.

Jetzt ist das Ensemble für 15.000 Euro zu haben. Nun sollen die Stadträte in den Ausschüssen beraten, ob die Stadt das Grundstück für diesen Preis kauft, so Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos). „Wir sind schon zwei oder drei Jahre an dem Objekt dran.

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Doch bisher war es einfach zu teuer, weil das Maklerbüro dachte, es noch zu einem guten Preis verkaufen zu können. Erst standen 62.000 Euro, dann 45.000 Euro zu Buche. Nun soll bei 15.000 Euro Schluss sein“, so der Bürgermeister.

Gebäude in Hartha stark beschädigt

Falls die Räte einem Kauf zustimmen, muss die Stadt noch mehr investieren. Denn bei dem Zustand der Gebäude bleibt nur der Abriss, und auch der kostet viel Geld. Hinzu kommt, dass sich in der Bäckerei noch zwei alten Öfen befinden, bei deren Abriss mehrere Tonnen Baumaterial entsorgt werden müssen.

„Als Stadt können wir jedoch Fördergeld beantragen. Wenn dies bewilligt wird, müsste die Kommune selbst zurzeit 20 Prozent der Kosten tragen“, so Ronald Kunze. Das Areal könnte seiner Meinung nach für die Entwicklung der Quartiere in der Altstadt genutzt werden und eventuell ein Parkplatz für die Anwohner und Gäste entstehen.

Zur Bäckerei gehört auch das Gebäude, in dem sich zu DDR-Zeiten ein Konsum befand. Das Haus wurde um 1902 in massiver Bauweise als Wohngeschäftshaus errichtet. „Das vollunterkellerte Gebäude weist aufgrund langen Leerstandes erhebliche Schäden auf und befindet sich in einem nicht mehr bewohnbaren Zustand. Im Hinterhof findet sich illegal abgelegter Müll.

Die Nutzfläche von Keller- und Erdgeschoss umfasst etwa 450 Quadratmeter. Die Obergeschosse und das ausgebaute Dachgeschoss verfügen über 630 Quadratmeter Wohnfläche. Weiterhin befinden sich ein abbruchreifes Lager- und ehemaliges Bäckereigebäude auf dem Grundstück. Der Preis wird mit 62.000 Euro angegeben“, so ist das Grundstück im Internet bei Immo Scout 24 beschrieben.

Im Einkaufstempel ging es heiß her

Der Harthaer Peter Faust, der sich viel mit der Geschichte seiner Heimatstadt befasst, berichtet, dass im Jahr 1887 der Konsumverein in Hartha gegründet wurde. „Im Mittelstadtkern wurden viele Häuser um das Jahr 1900 herum gebaut, darunter auch dieses Gebäude“, so Faust. Das Haus an der Goethestraße sei immer eine Konsumniederlassung gewesen.

Monika Schirmer hat von 1977 bis 1995 in dem Einkaufstempel gearbeitet. „In der ersten Etage gab es Lampen, unten waren die Haushaltsgeräte und die Abteilung Rundfunk und Fernsehen untergebracht“, erinnert sich die Harthaerin. Hinter dem Gebäude war die Bäckerei. Monika Schirmer erinnert sich gern an die damaligen Zeiten. „Ich habe mich mit den Kollegen gut verstanden und hatte viel Spaß bei der Arbeit“, sagt sie.

Auch wenn es manchmal heiß herging. Wie bei der Lieferung von Fernsehern zum Beispiel. „Wir haben fünf Geräte bekommen, aber 30 Leute standen vor dem Geschäft“, so Schirmer. Oft habe es da auch „Theater“ gegeben, weil sich die Kunden benachteiligt fühlten.

1995 sei das Geschäft geschlossen worden. Das Grundstück fand einen neuen Besitzer. „Der hat aber nie etwas an dem Haus gemacht“, so Monika Schirmer, die es schade findet, dass das Gebäude verfällt.

Cannabisplantage durch Polizei ausgehoben

So richtig Leben kam in den Nachmittagsstunden des 11. März 2003 in die stille Goethestraße. Bei einem bundesweiten Einsatz in Sachen Wirtschaftskriminalität stieß das Landeskriminalamt Sachsen in den ehemaligen Räumen der Konsum-Bäckerei auf eine Cannabisplantage großen Stils.

Die Goethestraße war über Stunden selbst für Anwohner gesperrt. Drei Männer wurden verhaftet. Einer von ihnen war der Polizei bereits bekannt. Aus der Region stammte niemand.

Sie hatten etwa 1.000 Cannabispflanzen gezüchtet und diese mittels einer vollautomatischen Anlage versorgt. Per Zufall kam ihnen die Polizei bei einer Razzia wegen eines anderen Verdachts auf die Spur. Seinerzeit lag der Kilopreis für Cannabis zwischen 3.500 und 4.000 Euro.

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