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Altenhofer "Ökotante" zieht weiter

Seit 2006 hat sich Patricia Geyer auf dem Land bei Leisnig verwirklicht. Jetzt packt sie ihre Koffer. Eine Art ökologischen Fußabdruck hinterlässt sie auf jeden Fall.

Patricia Geyer hat das, was sie sich in Altenhof vorgenommen hat, umgesetzt. Jetzt geht die gebürtige Mannheimerin in ihre alte Heimat zurück – ohne genau zu wissen, wohin und was sie dort tun wird. „Gärten planen, kann ich überall“, sagt sie.
Patricia Geyer hat das, was sie sich in Altenhof vorgenommen hat, umgesetzt. Jetzt geht die gebürtige Mannheimerin in ihre alte Heimat zurück – ohne genau zu wissen, wohin und was sie dort tun wird. „Gärten planen, kann ich überall“, sagt sie. © Dietmar Thomas

Leisnig. Auch auf dem ehemaligen Seifertschen Hof in Altenhof ist der Herbst Erntezeit. Die rotwangigen Äpfel leuchten in der Morgensonne, die Apfelquitten dürfen noch ein paar Tage am Baum hängen. Für Patricia Geyer ist es die letzte Ernte auf ihrem Grundstück am Rande des kleinen Leisniger Ortsteiles. Die Entscheidung steht.

Wie bei vielen, die sich auf die Reise machen, ist auch die 53-jährige gebürtige Mannheimerin hin- und hergerissen: Nach ihrem per Rundmail angekündigten Abschied habe sie viele Rückmeldungen erhalten von Leuten, die ihren Fortgang bedauern, ihr danken. Auf der anderen Seite freue sie sich, in ihre alte Heimat zurückzukehren, ihrer Familie wieder näher zu sein.

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Erben schauten sich Hofinteressenten genau an

Wo genau ihr neuer Lebensmittelpunkt sein wird, kann Patricia Geyer noch gar nicht sagen. Vorstellen könne sie sich den Pfälzer Wald genauso wie den Odenwald. Doch eines weiß sie genau: Auch ihr neues Zuhause wird einen Garten haben – ein Stück Natur, mit der sie im Einklang leben und das sie gestalten möchte.

Mit der Intension, genau das zu tun, ist die heute 53-Jährige vor knapp 20 Jahren losgezogen und hat sich ein geeignetes Grundstück auf dem Land gesucht. Sie wollte an der Gartengestaltung Interessierten Anleitung geben und ihnen zeigen, wie das geht, ganzheitlich betrachtet.

In Altenhof wurde sie schließlich fündig. Noch heute freut sie sich, dass sie die Erben des Hofes „ausgewählt“ haben. Sie hatte gehört, dass sie nicht an einen „Wessi“ verkaufen wollten.

Doch genau das haben sie schließlich getan. Offenbar mochten sie diese Interessentin – was Patricia Geyer nicht von jedem behaupten kann, der ihren Lebensweg in Sachsen in den nächsten Jahren kreuzte.

Die Verwandtschaft des Ortes zu Gast

Zunächst sanierte sie das frühere Wohn- und Stallgebäude, von dem eigentlich nur noch die Grundsubstanz übrig ist. Ein Bauernhaus mit Charme ist es dennoch geblieben. Die blau gestrichene Fassade gefällt nicht nur den Gästen der Pension, die Patricia Geyer führt.

Jeder in Altenhof, der eine Familienfeier mit vielen Gästen hat, hat seine Verwandtschaft zum Übernachten zur „Ökotante“ geschickt. Dass die Nachbarn sie anfangs so nannten und oft lange Hälse am Gartenzaun machten, statt sie konkret anzusprechen, daran erinnert sich Patricia Geyer noch genau. Die Skepsis habe sich nach einem Zeitungsartikel, in dem über ihre Gartenseminar-Pläne berichtet worden ist, relativ rasch gelegt.

Inzwischen schwärmt die lange im Osten lebende Südwestdeutsche von Altenhof: „Ein tolles, familiäres Dorf, in dem die Bewohner sich respektieren und sich gegenseitig helfen.“ Was sie ebenso prima findet, ist, dass sich Nachbarn immer noch zuhören, selbst wenn sie unterschiedlicher Meinung sind.

Für den Naturschutz gern auch unbequem

Mit ihrer ist Patricia Geyer so manches Mal angeeckt. Als gelernte Gärtnerin, die später Landschaftsbau studiert und sich schon immer für Natur- und Umweltschutz engagiert hat, war es beispielsweise für sie undenkbar, dass Feldwege betoniert werden. Das sahen Flurneuordnungspläne ursprünglich vor.

Mit dem Kompromiss, die Wege mit Ökopflaster zu gestalten, ist die Altenhoferin zufrieden. So blickt sie auch auf eine ihrer ersten Aktionen im Raum Leisnig zurück. Damals ging es darum, eine Biogasanlage zu verhindern. „Dagegen habe ich vom Prinzip her nichts, aber nicht in einem Landschaftsschutzgebiet.“

Seinerzeit war sie die Einzige in der Region, die im Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) engagiert war. Die später gegründete 15-köpfige Ortsgruppe ist auf 80 Mitglieder gewachsen. Den Vorsitz hat Jens Lübeck aus Hetzdorf übernommen.

Ein gutes Gefühl: Es bleibt etwas

Das ist aber nicht das Einzige, was der Region von Patricia Geyers Engagement bleibt. Sie freut sich, dass Biogärtnerin Eva Rockmann weiterhin ein großes Stück Land, das die 53-Jährige auch nicht verkaufen will, bewirtschaftet und dort Gemüse anbaut.

Und sie ist glücklich, ein junges Paar aus dem Raum Dresden gefunden zu haben, das ihr Grundstück kauft und auch die Pension fortführen will. „Den Garten hier zu entwickeln, das war die bislang schönste Zeit meines Lebens“, gibt Patricia Geyer zu.

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Sie wünscht sich, dass die wunderschöne Landschaft, die reiche Kulturlandschaft hier erhalten bleibt, weiter entwickelt und bei mancher Entscheidung höher bewertet wird, als dies bisher der Fall gewesen ist.

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