merken
PLUS Döbeln

Drogendealer kommt glimpflich davon

Ein Geringswalder hat mit Drogen gehandelt. Nun stand er vor dem Döbelner Amtsgericht. Nach Erwachsenstrafrecht müsste er eigentlich ins Gefängnis.

Der Angeklagte ist am Amtsgericht Döbeln nach Jugendstrafrecht verurteilt worden.
Der Angeklagte ist am Amtsgericht Döbeln nach Jugendstrafrecht verurteilt worden. © André Braun

Döbeln. Der junge Mann, der mit seinem Anwalt zur Verhandlung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Döbeln erschienen ist, wirkt auf den ersten Blick, als könnte er kein Wässerchen trüben.

Dennoch wiegen die Vorwürfe gegen den 23-jährigen Geringswalder schwer. Der Angeklagte soll gemeinsam mit zwei anderen jungen Männern Betäubungsmittel – insbesondere Marihuana – in Geringswalde verkauft haben. Zu diesem Zweck verschaffte sich das Trio erhebliche Mengen der Droge, um diese weiterzuverkaufen. Das Geld aus diesen Verkäufen sei in eine gemeinsame Kasse geflossen, die der Angeklagte zeitweise verwaltet habe.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region! Attraktive Arbeitgeber Ihrer Region suchen Sie!

Mittäter in abgetrennten Verfahren verurteilt

Am 12. Juni 2018 kauften die beiden Komplizen des Angeklagten, der diese Entscheidung mittrug, in Gütersloh ein Kilogramm Marihuana zum Preis von 6.500 Euro. Dieses Rauschgift sei in unterschiedlichen Mengen an verschiedene Personen verkauft worden. „Der Angeklagte wird beschuldigt, als Heranwachsender mit Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge unerlaubt Handel getrieben zu haben und dabei als Mitglied einer Bande gehandelt zu haben“, sagt die Staatsanwältin.

Die beiden Mittäter, die schon in gesonderten Verfahren verurteilt wurden, sind als Zeugen geladen. Auf ihre Anhörung wird aber letztendlich verzichtet. Richterin Marion Zöllner schlägt ein Rechtsgespräch vor. Damit ist Mario Thomas, der Verteidiger des Angeklagten, einverstanden.

Den Inhalt des Gesprächs gibt die Richterin insofern wieder, dass eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht möglich ist, wenn der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ablegt. Dabei hat der Geringswalder Glück, denn zum Zeitpunkt der Taten war er noch keine 21 Jahre alt.

Keine Gedanken über Folgen gemacht

Zu dem Geständnis ist der Angeklagte bereit. Sein Anwalt bestätigt, dass er die vorgeworfenen Taten begangen hat. „Man kannte sich schon länger und kam auf die Idee, ins Betäubungsmittelgeschäft einzusteigen. Über die Folgen hat man sich keine Gedanken gemacht“, so schildert der Rechtsanwalt die Sachlage. 

Ob er selbst Drogen konsumiert habe, wird der Angeklagte von Richterin Zöllner gefragt. Dies räumt er ein. Er habe persönliche Probleme gehabt, auch weil er mit der Trennung seiner Eltern nicht klargekommen sei.

Nach dem Erhalt der Anklage sei ihm aber klar geworden, was er aufs Spiel setze, so der Angeklagte. Seit einem halben Jahr nehme er keine Drogen mehr. Zu seiner beruflichen Situation erklärt der Geringswalder, dass er 2018 eine Ausbildung zum Mechatroniker abgeschlossen hat und auch in diesem Beruf arbeitet.

Suchtberatung als Auflage

Insgesamt macht er einen gefestigten Eindruck. Staatsanwaltschaft und Verteidigung sind sich einig, dass eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht angemessen ist. Der Angeklagte erhält eine Strafe von einem Jahr und zwei Monaten, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. 

Im Rahmen der Vermögenseinziehung muss er 4.650 Euro zahlen, davon 3.250 gemeinsam mit seinen Mittätern. Außerdem erhält er die Auflage, drei Termine bei einer Suchtberatung wahrzunehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln