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Auszeit unter Apfelbäumen in Marschwitz

Auf der Äppel-Ranch finden Individualisten eine Unterkunft und reichlich Entspannung in 200 Jahre alten Mauern.

Entspannen unter Apfelbäumen – inmitten der Natur und umgeben von Tieren. Hier serviert Ramona Scholz (Foto) auch das Frühstück, wenn es das Wetter zulässt. Dazu gehören auch Eier von den eigenen Hühnern, sofern sie legen.
Entspannen unter Apfelbäumen – inmitten der Natur und umgeben von Tieren. Hier serviert Ramona Scholz (Foto) auch das Frühstück, wenn es das Wetter zulässt. Dazu gehören auch Eier von den eigenen Hühnern, sofern sie legen. © Christian Essler/xcitePRESS

Von Dagmar Doms-Berger

Leisnig. Die Klingel bleibt stumm. Bei näherem Hinsehen steht die Lösung darüber: „Kommen Sie einfach herein und rufen Sie.“ Die schwere Haustür ist angelehnt. Einen Schritt weiter befindet man sich im Flur des über 200 Jahre alten Fachwerkhauses in Marschwitz Nr. 3 in der Nähe von Leisnig.

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Der Ruf in den Treppenaufgang zeigt prompt Wirkung. Die Dielen knarren. Die Pensionschefin der Äppel-Ranch steigt eilig die Treppen hinab. „Ich bin Ramona“, sagt sie erfreut. Vor drei Jahren hat die 60-Jährige ihre Pension, die Äppel-Ranch, eröffnet. Äppel-Ranch? Der Name leitet sich ab von Dingen, die es zum einen einmal gab und zum anderen noch gibt.

Hinter dem Haus befindet sich auf dem 5.000 Quadratmeter großen Grundstück eine Plantage mit alten Apfelbäumen. „Ich wollte es sächsisch, eben Äppel.“ Und die Ranch? „Wir hatten früher mal Pferde und eine Schafherde mit 150 Muttertieren“, eben eine kleine Ranch“, sagt Ramona Scholz.

Auf dem Grundstück von Ramona Scholz gibt es eine Menge zu entdecken. Und wenn die Äpfel noch nicht reif sind, dann können sich die Besucher an netten Dekorationen wie dem aus Holz gefertigten Begrüßungsschild erfreuen. Eine Wohltat fürs Auge ist vor alle
Auf dem Grundstück von Ramona Scholz gibt es eine Menge zu entdecken. Und wenn die Äpfel noch nicht reif sind, dann können sich die Besucher an netten Dekorationen wie dem aus Holz gefertigten Begrüßungsschild erfreuen. Eine Wohltat fürs Auge ist vor alle © Christian Essler/xcitePRESS

Farbenfrohe Einrichtung

Im alten Haus, in dem sich früher mal eine Gärtnerei befand, kann Ramona Scholz neun Übernachtungsgäste in vier Zimmern unterbringen. Frühstück ist inklusive. Das Bad nutzen die Gäste gemeinsam. Alle Zimmer, oder besser Kammern, wie sie sie passenderweise genannt hat, haben einen Namen: Luzie, Anna, Layla und Heidi.

Luzie nach Enkelin Luzie, Heidi war ihr allererster Gast, der ihr in liebevoller Erinnerung geblieben ist. Die Räume haben einen individuellen Stil und zeigen die „Handschrift“ ihrer Besitzerin. Alte Schränke hat sie bemalt und mit Mustern versehen.

Im Gemeinschaftsraum, in dem sich auch die Küche befindet, hat sie mit den Komplementärfarben Orange und Blau gearbeitet. Ein moderner knallroter Leder-Sessel korrespondiert mit einem alten Schrank aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in dunkelbrauner Patina.

Auf der Äppel-Ranch übernachten die Gäste in Kammern. Kammer Luzie ist ein Einzelzimmer, während in „Layla“ drei Personen schlafen können. Jedes Zimmer hat dabei einen individuellen Charakter. Ramona Scholz hat ihre Persönlichkeit für die Gestaltung spiel
Auf der Äppel-Ranch übernachten die Gäste in Kammern. Kammer Luzie ist ein Einzelzimmer, während in „Layla“ drei Personen schlafen können. Jedes Zimmer hat dabei einen individuellen Charakter. Ramona Scholz hat ihre Persönlichkeit für die Gestaltung spiel © Christian Essler/xcitePRESS

Ein Platz für Ruhe und Entspannung

Kein Gästezimmer gleicht dem anderen. Jedes hat seine eigene Ausstattung bekommen. Zu fast jedem Bild und Accessoire kann Ramona Scholz eine Geschichte erzählen. Ein Bild, von ihrer schwedischen Freundin gemalt, zeigt sie mit einem Lichtbogen.

Fernsehgeräte gibt es hier nicht. Das würde nicht hierher passen, so Ramona Scholz, die selbst auch keinen Fernseher besitzt. „Gäste, die zu uns kommen, suchen Entspannung, wollen abschalten von den täglichen Dingen und Informationen.“

Der große Garten mit seinen Apfelbäumen und dem naturnahen Areal bietet ein vorzügliches Plätzchen, um mit den Gedanken abzuschweifen und ganz sich selbst zu überlassen.

Ihre Gäste sind vor allem Urlauber, die für ein paar Tage Landluft schnuppern wollen. Frauen aus Leipzig, Dresden oder Berlin, die sich für ein Wochenende lang aus dem Familienrummel ausklinken.

Montagehandwerker kämen ab und an. Die Handwerker suchten vor allem während des Lockdowns eine Unterkunft. „Das war gut so, denn so bin ich gut durch den monatelangen Lockdown gekommen“, so Ramona Scholz.

Von Leipzig aufs Land

Von ihren Gästen kommen die meisten wieder. „Hier steht die Zeit still“, ist nur ein Kommentar, den die Gastgeberin öfters hört. Manche von ihnen bedanken sich mit einem Brief für die schönen Tage in ihrem Haus.

„Genau das ist es, was so schön ist“, sagt sie. Die Briefe hat sie gesammelt und in einem Bilderrahmen konserviert. Vielleicht kommen sie mal ins Gästebuch. Momentan kann sie gar nicht allen Gästen eine Übernachtung bieten, die bei ihr anfragen.

Noch vor 25 Jahren konnte sich Ramona Scholz nicht vorstellen, auf dem Land zu leben. Das Pulsieren der Großstadt war Lebenselixier. Heute sagt sie: „Ich bin angekommen.“ Sie lerne nette und interessante Menschen kennen, das sei wunderbar.

Aus manchen Begegnungen entwickelten sich Freundschaften. Damals suchte sie mit ihrem damaligen Mann und den beiden Töchtern eine neue Wohnung. Sie wohnten und arbeiteten in Leipzig.

Die markante Holztür mit Rundbogen ist für Ramona Scholz Symbol für die Fluthilfe. Nach dem Hochwasser 2002 spendeten Kinder aus der Schule ihrer Tochter in den alten Bundesländern Geld. Mit dessen Hilfe konnte die aus Wien kommende, schwere Holztür aus d
Die markante Holztür mit Rundbogen ist für Ramona Scholz Symbol für die Fluthilfe. Nach dem Hochwasser 2002 spendeten Kinder aus der Schule ihrer Tochter in den alten Bundesländern Geld. Mit dessen Hilfe konnte die aus Wien kommende, schwere Holztür aus d © Christian Essler/xcitePRESS

Verborgenes ans Licht geholt

Dass es ein Haus auf dem Land sein würde, dachten sie zunächst nicht. Dann aber stand Ramona Scholz im Flur, sah die bunten Steinfliesen, die niedrigen Decken und die kleinen Zimmer. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Das Haus wurde um 1830 gebaut. Ein Balken in der Scheune verweist auf eine noch davor liegende Zeit. Er war noch mit einer Axt bearbeitet worden. Das Wohnhaus steht unter Denkmalschutz. Als sie es damals kauften, war das Fachwerk nicht sichtbar. Es war verborgen hinter Tapete und Putz.

2002 kam das Hochwasser. Die untere Etage war gerade ausgebaut. Jahrelang bauten sie am Haus, bis es zu dem wurde, was es heute ist. „Ohne meinen jetzigen Mann Haitham hätte ich dies nicht geschafft.“

Die Äppel-Ranch

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  • Die Pension: Übernachten in einem über 200 Jahre alten Fachwerkhaus mit dem Charme vergangener Zeiten, individuell eingerichtete Zimmer.
  • Vier gemütliche Kammern bieten neun Schlafplätze,Gemeinschaftsküche und gemeinsames Badezimmer.

Internetseite: www.aeppel-ranch.de

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