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Autokauf bringt Roßweiner vor Gericht

Sie sollen das Fahrzeug in dem Wissen erworben haben, es nicht bezahlen zu können. Doch das Problem war ein ganz anderes.

Symbolfoto: Nachdem ein Auto den Besitzer gewechselt hat, landen die Käufer vor Gericht.
Symbolfoto: Nachdem ein Auto den Besitzer gewechselt hat, landen die Käufer vor Gericht. © Norbert Millauer

Döbeln/Roßwein. Ein Sprichwort sagt: Wer billig kauft, kauft zweimal. Bei einem Paar aus Roßwein waren es sogar dreimal.

Der Staatsanwalt wirft den beiden Betrug vor. Sie sollen im April vergangenen Jahres von einem Privatmann aus Altmittweida einen VW Golf 3 Gt Special erworben haben. Dabei sei die Hälfte des Betrages in bar bezahlt worden. Der Rest sollte innerhalb von drei Wochen auf das Konto des Käufers überwiesen werden. Allerdings sei diese Zahlung nicht erfolgt.

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Die Frau schweigt während der gesamten Gerichtsverhandlung. Der Mann lässt erst seinen Verteidiger Martin Göddenhenrich für sich sprechen, erklärt einige Zusammenhänge dann aber doch selbst. Dass die beiden Roßweiner das Fahrzeug gekauft haben, sei Fakt. 

Dabei habe der Mann die Verhandlungen geführt und sich das augenscheinlich tiefer gelegte Auto angesehen. Das habe äußerlich einen gepflegten Eindruck gemacht. Auch bei der kurzen Probefahrt sei nichts zu beanstanden gewesen. Sie habe den Vertrag unterschrieben und die Anzahlung geleistet.

Golf ist nur noch Schrott

Aber schon bei der Heimfahrt hätten sich die ersten Mängel offenbart. „Alle vier Räder waren locker. Die Hinteren haben sich gar nicht mehr festschrauben lassen. Die Schrauben haben wir mit Metallkleber festgeklebt“, erzählt der Mann.

Seine Frau habe für den Weg zur Arbeit dringend ein Auto gebraucht. Das sollte einen gewissen preislichen Rahmen nicht überschreiten und eine Anhängerkupplung haben. 

Und dieser Golf sei unter den Angeboten auf Internetplattformen das einzige Auto gewesen, dass die Voraussetzungen erfüllt habe. Doch schon am nächsten Tag, sei seine Frau mit dem Auto auf dem Heimweg von der Arbeit liegengeblieben. Die Vorderachse war durchgerostet.

In einer Werkstatt sei dann auf einer Hebebühne das komplette Ausmaß der Schäden an dem Fahrzeug sichtbar geworden. Die Karosse habe zahlreiche Löcher gehabt, die mit Klebeband verschlossen und schwarz überstrichen worden waren. 

Der Tüv war nur noch drei Monate gültig, einen neuen hätte das Auto in diesem Zustand nicht erhalten. „Allein die Schweißarbeiten hätten 2.000 bis 3.000 Euro gekostet“, so der Mann.

Verkäufer nimmt Auto nicht zurück

Er habe mehrfach mit dem Verkäufer Kontakt aufgenommen, um ihn zu bewegen, das Auto zurückzunehmen. Doch der habe sich darauf nicht eingelassen und den Whatsapp-Verkehr mit dem Angeklagten letztendlich geblockt. 

Auch zur Verhandlung, zu der er als Zeuge geladen war, erschien der Altmittweidaer nicht. Fotos belegten jedoch den schlechten Zustand des Fahrzeuges. Für das haben die Roßweiner später „den Schrottwert in Höhe von 50 Euro“ erhalten.

Übergangsweise kauften sie ein anderes Fahrzeug für 900 Euro und letztendlich einen Renault für 24.000 Euro. Für beide legen sie Belege vor, die beweisen, dass sie die Raten stets pünktlich bezahlen. Auch den Restbetrag für den Golf zahlen sie ab.

Der Staatsanwalt sieht den Vorwurf, dass das Paar das Auto gekauft hat, obwohl es wusste, dass es den vollen Betrag nicht bezahlen kann, als nicht erwiesen an. Er beantragt für beide Freispruch. Dem schließen sich sowohl der Verteidiger als auch Richterin Nancy Weiß an. Die Verfahrenskosten trägt die Staatskasse.

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