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Bauhof räumt einen Biberdamm

Es gibt nur wenige Fälle, in denen der Mensch dem Biber in die Quere kommen darf. In Naußlitz ist das passiert.

Ob sich der Biber mit einer „Kaninstergirlande“ davon abhalten lässt, einen neuen Damm zu bauen, wird sich in Naußlitz zeigen. An zwei Stellen durften die Bauhofmitarbeiter einen Biberdamm anfassen.
Ob sich der Biber mit einer „Kaninstergirlande“ davon abhalten lässt, einen neuen Damm zu bauen, wird sich in Naußlitz zeigen. An zwei Stellen durften die Bauhofmitarbeiter einen Biberdamm anfassen. © Lars Halbauer

Roßwein. Meist wird der Mensch für Tiere zur Gefahr. Im Roßweiner Ortsteil Naußlitz drohte der umgekehrte Fall. 

Deshalb durfte die Kommune eingreifen. Dabei war Eile geboten. Denn bis zu einem bestimmten Termin mussten die von der Unteren Naturschützbehörde des Landratsamtes Mittelsachsen genehmigten Arbeiten abgeschlossen sein. Das hat der stellvertretende Bauhofchef Ingolf Kirschstein mit seinem Team geschafft. 

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Sichtbares Zeichen dafür sind Kanister – ähnlich einer Girlande oder Wimpelkette –, die inzwischen im Kaiserbach hängen. „Sie sollen verhindern dass der Biber dort einen neuen Damm baut“, erklärt Ingolf Kirschstein, was es mit dieser ungewöhnlichen Konstruktion auf sich hat. Ob das klappt oder sich der Nager davon nur kurze Zeit beeindrucken lässt, das wird sich im Laufe der Zeit zeigen.

Schutz der Bäume als Beweggrund

An dieser Stelle des Kaiserbaches durfte der Biberdamm komplett entfernt werden, weil er sich unterhalb des Einlaufes einer Kläranlage befunden hat. Das erklärt Peggy Hähnel, Pressereferentin im Landratsamt Mittelsachsen, auf Anfrage. „Damit soll die Funktionsfähigkeit der Kleinkläranlage erhalten werden“, begründet sie. 

An einer anderen Stelle, und zwar in einem Seitenarm des Kaiserbaches, habe die Behörde gestattet, dass der von den Bibern errichtete Damm teilweise abgetragen wird. „Dadurch sollen die vorhandenen Bäume geschützt werden“, so Peggy Hähnel. Die Befürchtungen seien dahingegangen, dass die Bäume durch die Staunässe ihre Standsicherheit verlieren und umstürzen könnten.

Insgesamt haben die Mitarbeiter des Bauhofes die Ladefläche des Kleinlasters, der zu ihrem Fuhrpark gehört, anderthalb Mal mit dem Baumaterial gefüllt, das der oder die Biber im Kaiserbach und im Seitenarm aufgestapelt hatten.

Grenzen halten die Nager nicht auf

Die Untere Naturschutzbehörde geht davon aus, dass zwei Biber in diesem Revier leben. Neue Erkenntnisse darüber dürfte erst die Fortschreibung des Bibermanagements liefern. Doch Peggy Hähnel zufolge laufe die Auswertung des Managements für 2019/2020 im Augenblick noch. Mit Ergebnissen sei in den nächsten Wochen zu rechnen.

Nach der demnach noch aktuellen Statistik von 2019 ist der Nager im Landkreis Mittelsachsen weiter auf dem Vormarsch. Insgesamt wurden 109 Reviere abgegrenzt, wovon neun landkreisübergreifend sind. An Grenzen scheinen sich die Biber demnach nicht zu halten oder zu stören. Im Vergleich zur Erfassung 2018/2019 sind sieben neue Reviere dazugekommen. 2013/2014 sind es sogar schon einmal 13 neue Reviere gewesen.

Wie viele Tiere in den rund 90 besetzten Revieren leben, das lässt sich nicht genau sagen, aber mit verschiedenen Modellen durchaus hochrechnen. Der Landkreis geht von 235 bis 275 Tieren aus. Bei der Ersterfassung in den Jahren 2008/2009 waren es 100 Tiere.

Hohe Strafen drohen

Außer am Kaiserbach leben Biber noch an der Freiberger Mulde in Mahlitzsch, in Roßwein sowie Gersdorf-Gleisberg. Ähnliche Probleme wie im Ortsteil Naußlitz sind der Naturschutzbehörde nicht bekannt, so die Pressereferentin.

Um Konflikten vorzubeugen oder diese aus der Welt zu schaffen, gehen die Mitarbeiter der Naturschutzbehörde auch vor Ort und schauen sich an, was der Biber „so treibt“. Das ist bei der vorliegenden Fortschreibung des Bibermanagements in etwa 80 Fällen passiert. Und jetzt auch in Naußlitz, ehe es die Genehmigung zum Einschreiten gab.

 Im Zeitraum 2018/2019 hat die Behörde gerade einmal fünf solcher Rückbauten gestattet. Acht bis zehn Dämme wurden allerdings ungenehmigt, also illegal, entfernt. Das kann teuer werden. Sachsen ahndet bestimmte Vergehen gegen den Tierschutz mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro.

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