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Bei Helios in Leisnig: Das Aus in Raten

Für Patienten hat es in diesem Jahr große Einschnitte gegeben. Die Schließung der Geburtsklinik ist nur der Anfang gewesen.

Von Heike Heisig & Cathrin Reichelt
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Vom Mutter-Kind-Haus der Helios-Klinik Leisnig ist nichts mehr übrig. Nach der Geburtsklinik hat die Frauenklinik geschlossen, zum Jahresende folgt die Kinder- und Jugendklinik.
Vom Mutter-Kind-Haus der Helios-Klinik Leisnig ist nichts mehr übrig. Nach der Geburtsklinik hat die Frauenklinik geschlossen, zum Jahresende folgt die Kinder- und Jugendklinik. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Das Helios-Krankenhaus in Leisnig hat in diesem Jahr mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Für gute, weil auch dort Ärzte im Kampf gegen Corona und andere Krankheiten erfolgreich waren. Aber auch für schlechte, weil 2021 insgesamt drei Kliniken am Standort geschlossen haben, die letzte davon schließt am Silvestertag.

Fast ein halbes Jahrhundert haben Kinder, die im Altkreis Döbeln geboren worden sind, das Licht der Welt in Leisnig erblickt. Ende Dezember 2020 war damit Schluss.

Trotz Proteste und Hilfsangeboten kein Zurück

Zunächst teilte Helios mit, dass diese Einschränkungen wegen Personalmangels nur über den Jahreswechsel nötig sind, kurz vor Silvester dann die traurige Nachricht, dass die Geburtsklinik nicht wieder öffnen wird. Das sorgte für Aufregung und Unverständnis und löste bei Politikern von Stadträten bis zu Bundestagsabgeordneten Aktionismus aus. Doch ein Zurück gab es nicht.

So sieht es auch in den anderen Bereichen aus. Mitte Oktober hat Helios die Abteilung Gynäkologie und die gynäkologische Ambulanz geschlossen. Das teilte die Klinikleitung erst auf Nachfrage mit. Als Grund für die Schließung gab sie einen Mangel von Fachkräften im medizinischen Bereich an. Dass Ärzte und Hebammen fehlen, damit erklärte der Konzern schon die Aufgabe der Geburtenstation.

Grund immer gleich: kein Personal

Diese war in einem Haus mit der Kinder- und Jugendmedizin untergebracht. Die Kombination war lange Zeit ein Aushängeschild und wurde auch von der Klinik gern genutzt, um für das Entbinden in Leisnig zu werben.

Bei Komplikationen waren Fachärzte sozusagen in kürzester Zeit vor Ort. Darin hatten viele Mediziner, die dieses Angebot in Leisnig mit aufgebaut hatten, über Jahre hinweg einen Standortvorteil gesehen.

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Als letztes bricht von diesem Eltern- beziehungsweise Mutter-Kind-Haus nun auch noch die Kinder- und Jugendklinik weg. Ab dem 31. Dezember 2021 wird es keine medizinisch-stationäre Versorgung mehr an der Helios-Klinik in Leisnig geben.

Das bestätigte Helios relativ rasch, nachdem die Mitarbeiter über diesen Schritt unterrichtet worden sind. Auch diesen begründete der Konzern damit, dass die Versorgung mangels Fachpersonals nicht mehr permanent sichergestellt werden könne.

Mittelsachsens Landrat: Standort wird geschwächt

Wenn aus einer Kette zusammenhängender medizinischer Bereiche ein Glied herausfällt, seien die anderen nicht arbeitsfähig, meint Landrat Matthias Damm (CDU). Die Dienstpläne könnten nicht mehr eingehalten und das Personal nicht mehr vorgehalten werden.

Nach der Schließung der Entbindungsstation sei also absehbar gewesen, dass weitere Bereiche folgen würden. Das sei ein Verlust und der Leisniger Standort werde geschwächt. Aber er werde insgesamt nicht in Gefahr sein.

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„Ich sehe diese Entwicklung aber sehr kritisch. Es ist nicht das erste Mal, dass im Landkreis Mittelsachsen so etwas passiert ist“, erklärt Damm. Er wisse, dass sich Helios um eine andere Lösung bemüht habe. Aber kaum jemand wolle auf dem Land arbeiten. Ärzte in Ausbildung suchten dafür Kliniken in großen Städten. Der Landkreis versuche deshalb, gegenzusteuern.

Seit 2020 bietet Mittelsachsen jährlich drei angehenden Ärzten ein Stipendium an, mit der Maßgabe, dass sich die jungen Leute nach ihrem Studium in Mittelsachsen als Ärzte niederlassen.

Herber Einschnitt in der medizinischen Versorgung

Trotzdem bezeichnet Matthias Damm die Schließung von gleich drei medizinischen Bereichen in der Helios-Klinik Leisnig als herben Einschnitt in der Versorgung der Bevölkerung. Die anderen Kliniken im Kreis könnten diesen zwar auffangen, was jedoch mit weiteren Wegen für die Patienten verbunden ist.

Zum Beispiel müssen Familien, deren Kinder stationär behandelt werden müssen, jetzt auf Kliniken in Mittweida, Freiberg, Riesa und Borna ausweichen. Frauenkliniken gibt es in der Nähe unter anderem an den Krankenhäusern in Mittweida und Freiberg.

Letztere ist erst Mitte November nach Renovierung und Erweiterung wieder eröffnet worden. In Mittweida wird im Januar das Ärzteteam erweitert. Beide Häuser sind auf Patientinnen aus der Region Döbeln eingestellt.