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Bergsänger gibt in Naundorfer Schule den Ton an

Tobias Leißner ist Chef und Musiker. In den letzten 36 Jahren hat er noch nie so wenig gesungen wie 2020.

Tobias Leißner ist seit 2015 Geschäftsführer der Evangelischen Werkschule Naundorf. Er hat mit seinem Team schon viel erreicht und hat noch viele Pläne für die Zukunft.
Tobias Leißner ist seit 2015 Geschäftsführer der Evangelischen Werkschule Naundorf. Er hat mit seinem Team schon viel erreicht und hat noch viele Pläne für die Zukunft. © Lars Halbauer

Region Döbeln. In diesem Jahr ist alles anders. Auch bei dem Geschäftsführer der Evangelischen Werkschule Naundorf Tobias Leißner. Vor Weihnachten verbrachte er wegen Corona sehr viel Zeit in der Schule. Alles musste geordnet, geplant und mit den Schülern, Kollegen und Eltern besprochen werden.

In anderen Jahren hatte Tobias Leißner auch viel zu tun. Doch dann war er weniger in der Schule als auf Bühnen, Weihnachtsmärkten und Fernsehshows anzutreffen. Denn der Geschäftsführer ist einer der vier Mitglieder der Bergsänger Geyer, die sich unter anderem dem erzgebirgischen und bergmännischen Liedgut verschrieben haben. Am 24. Dezember war die Gruppe in der MDR-Sendung mit Marianne Martin „So klingt’s bei uns im Arzgebirg“ zu sehen. Einen Tag später, am ersten Feiertag, waren die Musiker zu Gast bei Uta Besan in der Sendung „So schön ist Weihnachten im Erzgebirge“.

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Im Jubiläumsjahr alle Auftritte gestrichen

„Wie haben im November und Dezember immer unheimlich viele Auftritte. Doch in diesem Jahr ist wegen der Corona-Pandemie alles gestrichen. Darüber sind wir sehr traurig, besonders weil es unser Jubiläumsjahr ist“, sagte Tobias Leißner. Denn die Bergsänger Geyer gibt es bereits seit 25 Jahren.

Sie besuchten gemeinsam das Clara-Wieck-Gymnasium mit musikalischem Schwerpunkt in Zwickau. Zur Abiturfeier traten sie 1995 noch als die Namenlosen auf. Doch da sie sich auf die Fahne geschrieben hatten, die alte Tradition der Bergsänger und der Bergmusikanten aufzugreifen, wurde aus ihnen die Bergsänger Geyer, da einer der Sänger aus der Stadt im Erzgebirge stammt.

Mit den Five Gentlemen reiste Tobias Leißner (2. von rechts) um die Welt. Sie traten auf Kreuzfahrtschiffen und in allen großen Städten Südostasiens auf.
Mit den Five Gentlemen reiste Tobias Leißner (2. von rechts) um die Welt. Sie traten auf Kreuzfahrtschiffen und in allen großen Städten Südostasiens auf. © Boppin‘ Light/Hamburg

Im Kreuzchor gesungen

„In den vergangenen 36 Jahren hatte ich noch nie so wenig Auftritte wie 2020“, sagte Tobias Leißner. Er sang seit seinem neunten Lebensjahr im Dresdner Kreuzchor. „Da standen jährlich etwa 150 Konzerte auf dem Plan“, so der Geschäftsführer der Werkschule. Weitere Auftritte in verschiedenen Musikgruppen und Chören folgten.

Nach der Wende und dem Stimmbruch verließ er den Kreuzchor, legte sein Musikabitur in Zwickau ab, um dann in Leipzig unter anderem Musikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte und Journalistik zu studieren. Doch es blieb nicht beim Wälzen der Bücher, das Singen spielte immer eine große Rolle. Und das nicht nur als einer der Bergsänger Geyer. Denn mit vier Sängern des Kreuzchores tritt er noch heute als die Five Gentlemen, die Lieder der Comedian Harmonists interpretieren, auf. „Uns Fünf verbindet eine eingeschworene Männerfreundschaft“, so Leißner.

Mit den Five Gentlemen reiste er um die ganze Welt. „Wir traten auf Kreuzfahrtschiffen auf. Waren in Bombay, Shanghai, in allen großen Städten von Südostasien. Es war eine tolle Zeit und wir haben tolle Sachen erlebt“, sagte der Musiker. Seit 1994 gibt es die Five Gentlemen. In den vergangenen Jahren haben alle eine Familie gegründet und sind deshalb nur noch deutschlandweit unterwegs. „Unser letzter Auftritt war im November 2019 in Heidelberg. Wir sind ständig in Kontakt und proben auch, so wie es notwendig und erlaubt ist“, sagte Tobias Leißner.

Kalender für 2021 gut gefüllt

Das trifft auch auf die Bergsänger Geyer zu. „Wir freuen uns schon auf die nächste Weihnachtssaison. Viele Veranstalter verschieben die Termine um ein Jahr, sodass unser Kalender schon ziemlich gefüllt ist. Wir werden mit Anfragen förmlich überrannt. Wahrscheinlich wird es bis in den Sommer hinein keine Auftritte geben. Die sind eher ab Herbst realistisch. Doch auch dann wird vieles noch nicht so sein, wie früher. Wir bereiten uns darauf vor.“

Die lange musikaische Pause ist für die vier Sänger vor allem eine mentale Herausforderung. Da keiner der vier Jungs ausschließlich vom Musizieren lebt, haben die Bergsänger Geyer keine Existenzängste. Aber das gemeinsame Singen in der Gruppe und die Auftritte für die Menschen in der Lichterzeit fehlen uns sehr, so Leißner.

Der Geschäftsführer der Werkschule hat die Aufgabe des Organisators und Planers übernommen und wird von den Fans deshalb der „Terminator“ genannt. So kümmert sich Tobias Leißner nicht nur um die Termine, sondern auch um die Verträge, Abrechnungen, die Gema-Listen oder verhandelt die Rahmenbedingungen für die Auftritte. Er hat auch den Beinamen „Mister Schmelz in der Stimme“ von den Fans bekommen.

Mit den Bergsängern Geyer hat Tobias Leißner (2. von links) normalerweise in der Vorweihnachtszeit viele Auftritte.
Mit den Bergsängern Geyer hat Tobias Leißner (2. von links) normalerweise in der Vorweihnachtszeit viele Auftritte. © Maik Bohn/ pixelmobil

Hausausbau als Ausgleich

Tobias Leißner lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Lichteneichen, einem Ortsteil von Mügeln. Dort baut sich die Familie Stück für Stück ein altes Fachwerkhaus um. Das sei ein guter Ausgleich, so der Musiker. Weil er von seiner musikalischen Ausbildung sehr stark geprägt sei, will er diese für seine beiden Kinder im Alter von acht und sechs Jahren offenlassen. „Mir hat diese Ausbildung sehr gutgetan. Ich weiß aber auch, dass sie mit viel Arbeit verbunden ist“, so Leißner.

Es gebe verschiedene Zeitabschnitte, in denen sich sein achtjähriger Sohn Anton an das E-Piano im Haus setze und sich damit mehr oder weniger beschäftige. „Anton hat vielseitige Interessen und die soll er auch ausleben können. Aber er verfügt natürlich über musikalisches Potenzial. So durfte er beim Krippenspiel in der Grundschule „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ vor der kompletten Schulgemeinschaft singen“, sagte Tobias Leißner – und das mit viel Stolz.

Engagement für die Region

Auch wenn die Evangelische Werkschule wie alle anderen Bildungseinrichtungen derzeit geschlossen ist, so war der Geschäftsführer vor den Feiertagen trotzdem jeden Tag vor Ort. Denn die Aufgabe, die er 2015 übernahm, ist für ihn zur Herzenssache geworden. Er habe sich damals für die Stelle beworben, weil er sich für die Region engagieren, sich einbringen wollte. „Wenn man selbst zwei kleine Kinder hat, macht man sich um deren schulische Entwicklung Gedanken. Und die Evangelische Werkschule biete eine sehr gute Alternative zu anderen Oberschulen“, sagte der Geschäftsführer.

Da er vielseitig aufgestellt ist – musikalisch, weltoffen, christlich geprägt und mit einer journalistischen Ausbildung auch für die Öffentlichkeitsarbeit gerüstet – fühlte er sich für das Amt berufen. Er und das Kollegenteam haben bisher viel erreicht. Als Tobias Leißner an der Schule begann, wurden 58 Schüler unterrichtet, jetzt sind es 118. In diesem Jahr wurden zum ersten Mal zwei fünfte Klassen eingeschult.

Es geht nicht nur um Zahlen

Doch es geht ihm nicht nur um Zahlen, sondern um Inhalte. „Wir haben diesbezüglich einen großen Gestaltungsraum, den wir mit den Lehrern gern entwickeln“, so der Geschäftsführer. Wichtig ist ihm, dass die Schule für die Zukunft entwickelt wird, frische Gedanken und neue Methoden einziehen sowie vernünftige Arbeitsplätze geschaffen werden. Denn auch die Kontinuität der Ansprechpartner für die Schüler und Eltern ist ihm wichtig. Leißner sieht die Schule als einen Sozialraum.

„Die Kinder tragen ihr komplettes Leben zu uns. Und sie brauchen ein Ohr dafür.“ Deshalb hat jede Klasse auch zwei Klassenleiter, wenn möglich einen Mann und eine Frau, sodass die Kinder einen Ansprechpartner für jede Lebenssituation haben. Denn das Alter zwischen zehn und 16 Jahren sei nicht das leichteste, meint der Geschäftsführer.

Jetzt sind Investitionen wichtig

Die Schule sei gut aufgestellt, habe gute Inhalte. Nun sei es Zeit, auch ins Gebäude zu investieren. Die Werkschule ist Mieter der Gebäude, dessen Eigentümer die Gemeinde Naundorf ist. „Es geht um die Erweiterung der Platzkapazität, um den Brandschutz im denkmalgeschützten Gebäude und um eine zeitgenössische Ausstattung“, so Tobias Leißner. Zurzeit würden die Türen und Fenster für eine Auftragssumme von 200.000 Euro erneuert.

Die Schule hat einen eigenen kleinen Bus, um die Schüler aus Regionen abzuholen, die nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln die Naundorfer Schule erreichen können. So zum Beispiel besuchen Jungen und Mädchen aus Leschen oder Beicha die Evangelische Werkschule in Naundorf.

Am Heiligen Abend widmete sich Tobias Leißner aber ganz und gar seiner Familie und hat ausnahmsweise einmal nicht an die Schule gedacht, sondern bei Kerzenschein, weihnachtlicher Musik und gutem Essen den Weihnachtsabend mit seinen Lieben zu Hause verlebt.

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