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Berliner Kissen fürs Wohngebiet Wanne?

Immer mehr Roßweiner überlegen, wie sie Raser zum Langsamfahren bewegen können. Dazu läuft eine Umfrage. Das Ergebnis birgt Konfliktpotenzial.

Auf der Straße Nach der Wanne in der Roßweiner Eigenheimsiedlung sind Kraftfahrer häufig nicht dazu zu bewegen, vom Gaspedal zu gehen. Dabei gibt es nochmalige Hinweise in der 30er-Zone. Jetzt überlegen Anwohner: Was tun gegen die Raserei?
Auf der Straße Nach der Wanne in der Roßweiner Eigenheimsiedlung sind Kraftfahrer häufig nicht dazu zu bewegen, vom Gaspedal zu gehen. Dabei gibt es nochmalige Hinweise in der 30er-Zone. Jetzt überlegen Anwohner: Was tun gegen die Raserei? © Dietmar Thomas

Roßwein. Im Wohngebiet Wanne wird gerast. Was sich mancher angesichts der doch recht schmalen Straßen in der beschaulichen Eigenheimsiedlung kaum vorstellen kann, bereitet Eltern besonders im Abschnitt „Nach der Wanne“ Sorgen.

Stadtrat Daniel Müller (CDU) kann das verstehen. Er wohnt auch in diesem Gebiet, allerdings in einem Bereich, in dem die Verkehrsführung zwar ein rasches Fahren, aber kein Rasen möglich macht. Nach der Wanne ist das ein wenig anders. Dabei ist das gesamte Gebiet eine Zone 30.

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Weil diese schon in der Goldbornstraße und auf der anderen Seite nach der Brücke Grüne Aue beginnt, ist die Erinnerung an die Geschwindigkeitsreduzierung am Eingang des Eigenheimstandortes noch einmal auf die Straße „gemalt“. Überdies gibt es ein Schild, das auf spielende Kinder hinweist. 

Umfrage in der Wohngebietszeitung

„Trotzdem hält sich doch ein Teil der Kraftfahrer nicht an die 30 Stundenkilometer“, so Daniel Müller. In einem Wohngebiet seien darunter auch mal Nachbarn, die man ansprechen kann. „Es sind aber auch Leute, die einfach nur durchfahren, nicht hier wohnen“, sagt er.

Auch Müller selbst habe gewiss nicht immer genau 30 auf dem Tacho stehen. Deshalb finde er die Grundidee, über eine Verkehrsberuhigung nachzudenken, nicht schlecht. Die sei mal so am Gartenzaun oder beim Bier entstanden, so im Detail weiß er es gar nicht mehr.

Daran erinnert hat ihn jetzt eine Sonderbeilage der „Wanne-Nachrichten“. Das ist eine von den jüngsten Wanne-Bewohnern gestaltete Zeitung, die regelmäßig in einer Auflage von 80 bis 90 Stück erscheint.

Anwohner dürfen mitreden

Auf diesem Einlegeblatt werden die Anwohner gebeten, sich bis 30. Oktober für eine vorgeschlagene Art der Verkehrsberuhigung auszusprechen. Zwei Varianten werden von den Autoren als erfolgversprechend eingeschätzt: Zum einen wären es Blumenbeete oder Pflanzkübel, die Kraftfahrer zum Langsamfahren anhalten könnten. Zum anderen wäre es möglich, dies mit Fahrbahnschwellen – auch schlafende Polizisten genannt – zu erreichen. 

Solche sind in diesem Jahr zum Beispiel im Ortsteil Ullrichsberg auf Wunsch einiger Anwohner installierte worden. Außerdem haben die Anwohner der Nossener Straße solche Fahrbahnschwellen bekommen, genau sind es dort sogenannte Berliner Kissen.

Auf der Nossener Straße in Roßwein sollen solche Berliner Kissen die Kraftfahrer zum Langsamfahren anhalten. Die "Hemmschwellen" sind von den einen gewünscht, die anderen schimpfen darüber.
Auf der Nossener Straße in Roßwein sollen solche Berliner Kissen die Kraftfahrer zum Langsamfahren anhalten. Die "Hemmschwellen" sind von den einen gewünscht, die anderen schimpfen darüber. © Dietmar Thomas

Die allerdings sind seit der Installation zum Zankapfel geworden. Anwohner haben sich im Stadtrat darüber beschwert, dass die Belastungen für sie eher noch zugenommen haben. Kraftfahrer schimpfen, dass sie viel zu sehr ausgebremst werden.

Als Stadtrat weiß Daniel Müller um dieses Konfliktpotenzial. Doch er ist auch Vater und nicht zuletzt ausgebildeter Fahrlehrer. „Bei 30 Stundenkilometern beträgt der Bremsweg immerhin noch 18 Meter. Er wird umso länger, je schneller man unterwegs ist“, erinnert er an das, was jeder Fahrschüler einmal gelernt haben müsste. Um seinen Kindern ruhigen Gewissens das Radfahren im Wohngebiet zu erlauben, würde er selbst es begrüßen, wenn eine Möglichkeit gefunden wird, dass Kraftfahrer auf die Bremse treten.

Zunächst einmal mobile Messtafeln aufstellen

Um zu untersetzen, dass dieser Wunsch der Anwohner berechtigt ist, könnte er sich vorstellen, dass im Wohngebiet zeitweise eine der zwei mobilen Geschwindigkeitsmesstafeln aufgestellt wird, über die die Stadt Roßwein verfügt. 

In Haßlau und Gleisberg hat die Auswertung dieser Tafeln überraschende Ergebnisse gebracht. Überall betrugen die Spitzenwerte mehr als 100 Stundenkilometer – jeweils in Ortschaften, wo nicht einmal die Hälfte zulässig ist.

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Je nachdem, wie die Umfrage unter den Wanne-Einwohnern ausfällt, soll die eine oder andere Art der Verkehrsberuhigung bei der Kommune beantragt werden. Auch bei den Standorten dürfen diejenigen mitreden, die in dieser Ecke der Stadt wohnen. Sie haben auch die Möglichkeit, andere Vorschläge zu unterbreiten oder zu sagen: Uns gefällt, wie es ist. Wir sind zufrieden.

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